Wie man die Wirtschaft ankurbelt

26.04.2005 | Heinz Boente

Aus der Presse: Die Bundesregierung plant, den Einheitsfeiertag am 3. Oktober auf einen Sonntag zu verlegen, um für mehr Wirtschaftswachstum zu sorgen. "Man könne es gut verantworten, den Tag der Einheit jeweils am ersten Sonntag im Oktober zu feiern", sagte SPD-Chef Franz Müntefering in Berlin.

Recht haben sie, die Regierung und unser Münti! Klasse! Schließlich ist es nur dieses verdammte, von uns allen seit langem so schmerzlich vermißte Wirtschaftswachstum, das die Probleme dieser Welt zu verantworten hat. Wüchse die Wirtschaft, senkten sich nicht nur sofort die Benzinpreise, sondern sicher auch die Spreizfüße. Auf der Stelle gäbe es weit mehr Arbeitsplätze als -lose und auch die braunen Idioten würden sicher klang- und sanglos ohne deutschen Gruß aus den ostdeutschen Länderparlamenten verschwinden. Als Frau könnte man endlich wieder nachts auf... Quatsch, über die Straße gehen, und schließlich bräuchte Thomas Gottschalk (-seidank) im Fernsehen keine Reklame mehr für Gummibärchen zu machen, weil nicht nur die Europreise in der Pizzeria an der Ecke, sondern auch am Kiosk plötzlich für den kleinen Mann (und die kleine Frau natürlich auch) wieder erschwinglich würden. Ja, ich vermute stark, daß sich sogar der internationale Terrorismus angesichts der wieder ins Unendliche wachsenden westlichen, insbesondere der deutschen Wirtschaft voller Angst und auf Nimmerwiedersehen in irgendeine Wüste zurückzöge und uns endlich wieder ruhig schlafen ließe.

Und doch, das Abschaffen eines einzigen kleinen Nationalfeiertags ist bei genauerem Nachdenken eigentlich Blödsinn und grundverkehrt, denn dieser an sich und im Grunde durchaus geniale Vorschlag greift meiner bescheidenen Meinung nach wieder einmal viel zu kurz, um eventuell gar den hehren Titel "Reform" zu beanspruchen und sich in den erlauchten Kreis der Krankenversicherungs-, Renten- und anderer Spezialreformen einreihen zu dürfen. Warum sollen wir denn nur den Nationalfeiertag abschaffen? Was ist beispielsweise mit Pfingsten, von dem sowieso keiner so genau weiß, warum da mit aller Gewalt ganze zwei Tage hindurch gefeiert werden muß? Und Fronleichnam? Allein der Name flößt doch dem unbedarften Nichtkleriker von der Straße schon Angst und Schrecken ein und würde deshalb viel besser zu Halloween passen, das glücklicherweise ja noch kein offizieller Feiertag ist (obwohl, wenn man sich den kürzlich erst wiedererwählten Präsidenten der Vereinigten Staaten mal ganz genau ansieht... nein, das gehört jetzt wirklich nicht hierher).

Unsere Gewerkschaften haben mal wieder - wie gelegentlich schon mal vorgekommen sein soll - unrecht: nicht eine 30-Stunden-Woche sollten sie für uns Werktätige anstreben, sondern ich - obwohl keiner Gewerkschaft hörig - fordere hiermit die sofortige Einführung der 0-Stunden-Woche! Ja, Sie haben richtig gelesen: die Null-Stunden-Woche. Aber hallo! werden Sie jetzt vielleicht denken, dann wird ja überhaupt nicht mehr gearbeitet. Falsch! Ich will ja gar nicht die Arbeit generell abschaffen, sondern nur die dafür aufzuwendende Freizeit ein wenig umlagern. Wohin denn bloß? werden Sie sich jetzt sicher erneut wundern und Sie haben ganz recht mit dieser Ihrer Frage, die ich Ihnen deshalb wie folgt beantworte: Auf die Wochenenden und die Feiertage natürlich, wohin denn wohl sonst?

Rechnen wir das doch mal gemeinsam durch, wobei ich mir kleinere Rundungen gestatte, die aber nicht besonders ins Gewicht fallen, weil es mir - wie anderen Menschen oftmals auch - ums Prinzip geht: Also, das Jahr hat 52 Wochen und jeder Arbeitnehmer hat etwa vier Wochen Urlaub pro Jahr. Bleiben also 48 Wochen. In jeder Woche wird 40 Stunden gearbeitet und das ergibt insgesamt 1920 Arbeitsstunden. Soweit ist alles klar, oder? Also weiter. Demgegenüber stehen 52 Sams- und 52 Sonn- sowie rund 10 Feiertage (den Rosenmontag noch gar nicht eingerechnet) zur Disposition. Das sind insgesamt 114 Wochenend- und Feiertage. 1920 Arbeitsstunden auf 114 Tage verteilt ergeben 16,85 Stunden pro Tag.

Jetzt werden Sie sicherlich mit einem herzhaften "Donnerwetter!" aus Ihrem Sessel aufschrecken. Das habe ich natürlich erwartet. Doch halt, entspannen Sie sich, so schlimm ist das bei genauem Hinsehen nämlich überhaupt nicht. Klar, 16 Stunden Arbeit pro Tag (die restlichen 0,85 Stunden rechne ich übrigens für die Kaffeepausen, schließlich bin ich ein sozial denkender Mensch) ist immerhin doppelt so viel wie heute. Stimmt. Aber dafür haben Sie ja auch nach einem kräftig durcharbeiteten Wochenende anschließend 5 (fünf!) wunderbare Tage zum Faulenzen, Fernsehen, Einkaufen und den anschließenden Konsum des Eingekauften frei! Stellen Sie sich doch mal vor, was das für unsere Wirtschaft bedeutet: Einkaufen und Konsumieren bis man zusammenbricht. Im konsumfreudigsten Land der Welt nennt man das übrigens "Shop till you drop" - und jetzt wissen Sie auch, warum es der amerikanischen Wirtschaft so gut geht, die Amis haben's halt wieder einmal schneller kapiert als wir dämlichen alten Europäer.

Ok, ok, vielleicht gehe ich mit meinem persönlichen Reformvorschlag mal wieder zu weit, weil ich nicht an die eifrigen Lobbyisten gedacht habe, die sofort schwerste Einwände (oder schreibt man das neuerdings 'Einwende', weil es ja wohl nichts mit einer Wand zu tun hat ...?... ach, ist ja auch egal) vorbringen und mir daher meine schöne Arbeitszeitreform links und rechts um die Ohren hauen werden. Aber auch darauf bin ich natürlich vorbereitet und habe einen kleinen Alternativvorschlag ausgearbeitet.

Also gut, die Aufgabe heißt ja (siehe oben): Wirtschaft ankurbeln durch Einsparen eines Feiertages. Und das bedeutet im Klartext ja nichts anderes als acht Stunden mehr arbeiten im Jahr. Acht Stunden sind 480 Minuten. Bezogen auf 48 jährliche Arbeitswochen ergibt das 10 Minuten pro Woche oder schlappe 2 Minuten pro Arbeitstag. Wenn also per Gesetz (ich denke, bei so einer Bagatelle ließe sich die Zustimmung des Bundesrates und der Vertriebenenverbände schon sicherstellen) die persönlichen täglichen Toilettenbesuche während der Arbeitszeit von, sagen wir durchschnittlich 15 Minuten auf 13 Minuten gekürzt würden, könnten wir weiterhin an jedem 3. Oktober ganz ohne schlechtes Gewissen und mit blühender Wirtschaft im Hintergrund die deutsche Einheit gebührend feiern. Und wenn dann regierungsseitig auch noch auf den ganzen Firlefanz drumherum, wie Feuerwerk, Fahnenschmuck und Streichquartett offiziellerseits verzichtet würde, könnte man das dadurch eingesparte Geld sogar noch für eine kleine Aufbesserung der deutschen Management-Gehälter verwenden.

Herr Schröder, Herr Eichel, Münti, was meint Ihr dazu? Nein, halt, sagt lieber nichts, sondern holt mich doch endlich hier raus, ich bin nämlich kein Star und habe auch nicht die Absicht, in näherer Zukunft einer zu werden!!!

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