Wider die Kälte dieser Zeit

22.06.2005 | Christiane Schwarze

Als sozialpolitisch engagierte Schriftstellerin möchte ich Stellung beziehen gegen eine "Gesellschaft, die an sich selbst erfriert". In meinen Werken möchte ich die Perspektive derer vermitteln, die massiv von einer Sozial- und Gesundheitspolitik betroffen sind, welche den Menschen nur noch zum Kostenfaktor degradiert.

Was es kostet

Was es kostet
Körper waschen
Haare kämmen
Zähne putzen
Nägel schneiden

Was es kostet
Körper beweglich halten
Schuhe
Tabletten

Was es kostet
dass wir
leben
wird täglich
berechnet

Alte neue Stimmen
flüstern
"Müll zu Müll"
und eine Humanmedizin
plädiert dafür
uns vor der Unerträglichkeit
unseres Seins
zu bewahren

Gegen eure Kälte

Eure Macht ist das Saatgut unserer Furcht,
unsere Furcht der Boden, auf dem eure Macht gedeiht.

Euer Blick spiegelt uns klein und bedeutungslos.
Er sagt: Menschlichkeit bringt keine Rendite.

Die Luft riecht nach Angst.
Das ermuntert euch, noch fester auf das Rückgrat dieses Landes zu schlagen.
Die Demokratie schwankt
und das Wort SOZIAL ist angewidert von eurem Missbrauch.

Schilder warnen allerorten, die Wahrheit auszusprechen.
Wir werden sie zerbrechen und weitergehen.
Auch wenn ihr eure eigenen Versprechen vergessen wollt,
wir erinnern uns genau daran.

Mit Klugheit und Kraft kämpfen wir gegen die Angst
und eure Kälte.

Mein Anliegen ist es, Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen in ihrem Prozeß der positiven Selbstidentifikation zu unterstützen.
Dies erscheint mir neben politischen Aktivitäten, deren Zielsetzung die Beseitigung gesellschaftlich bedingter Benachteiligungen beeinhaltet, dringlich geboten.
Erst wenn behinderte Menschen "das Vorurteil gegen sich selbst" erkennen, kritisch reflektieren und eigene Wertmaßstäbe entwickeln, werden sie sich als Personen wahrnehmen, die Anspruch haben auf alle Aspekte eines erfüllten, ganzheitlich gestalteten, selbstbestimmten Lebens.

Meiner Erfahrung nach ist es als Angehörige einer Minderheit müßig, auf Veränderung bestehender Umstände aus der Bittsteller-Position heraus zu hoffen.
Für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben (das respektvolle Hilfestellungen einschließt) zu kämpfen, setzt aber das Erkennen der eigenen Würde und Potentiale voraus.

Unterschätzt nicht

unsere Macht
nein
zu sagen.

Unterschätzt nicht
unsere Kraft
am selben Tisch sitzen
zu wollen.

Die Zeit
der Brosamen
beginnt
abzulaufen.

Warum sollen wir
bitten
um das
was uns zusteht.

Wir fordern
gleich viel Recht
für gleich viel Leben.

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