Warum gegen Studiengebühren demonstrieren?

04.02.2005 | André Wendt

Erwartungsgemäß hat das Bundesverfassungsgericht das vom Bund verhängte Verbot von Studiengebühren aufgehoben. Und schon kriechen Studentenvertretungen aus ihren Löchern und rufen zu Demonstrationen gegen die Erhebung von Gebühren auf. "Bildung ist keine Ware" heißt es da, oder "Bildung ist Luxus: Luxus für alle".

Studenten sind verständlicherweise verunsichert. Doch zum jetzigen Zeitpunkt die Gebühren an sich in dieser Form in Frage zu stellen, halte ich für falsch. Denn die Gebühren werden erhoben.

Es wird Zeit, den Tatsachen ins Auge zu blicken und die Gebühren als das zu sehen, was sie sind: Eine Chance für bessere Studienbedingungen. Immerhin hätten Universitäten wie die Potsdamer Mehreinnahmen von etwa 15 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Und es ist nach wie vor ungerecht, Eltern für den Kita-Platz in Ländern wie Berlin bis zu 5500 Euro pro Jahr in Rechnung zu stellen, während das wesentlich teurere Studium kostenfrei bleibt.

Die protestierenden Studenten täten besser daran, sich mit konstruktiver Kritik einzubringen. Langsam sollte ihnen nämlich klar sein, dass die Gebühren ihnen nützen können. Statt die Gebühren wegen mangelnder Sozialverträglichkeit abzulehnen, sollten sie Vorschläge unterbreiten, wie dieser Mangel beseitigt werden kann. Ansonsten laufen die Akademiker Gefahr, dass an ihnen vorbeidebattiert wird -- was bereits jetzt leider der Fall ist! Als finanziell Betroffene kennen sie die Bedürfnisse und Gefahren am besten. Mit Sprüchen wie "Scheiß Uni. Scheiß Mensa. Scheiß Staat!" (gesehen in der Potsdamer Mensa) kommt man hier wahrlich nicht weiter.

Der Aufbau eines funktionierenden Stipendienwesens, Übergangsregelungen sowie Darlehenskonditionen sind Punkte, bei denen die Studenten jetzt vielleicht noch in der Lage sind, gute Bedingungen herauszuschlagen und Druck auszuüben. In ein oder zwei Jahren mag es dafür zu spät sein.

Aber auch die Wirtschaft sollte ihre Haltung überdenken und Äußerungen, in denen Gebühren von 2500 Euro im Semester für "realistisch" gehalten werden, tunlichst vermeiden. Amerikanische Verhältnisse will hier sicherlich niemand so schnell. Zumal das Bundesverfassungsgericht einen Richtwert in das Urteil mit aufgenommen und die Höhe der Gebühren mehr oder weniger genau darauf festgelegt hat.

Bund und Länder sollten gemeinsam ein klares Konzept vorlegen. Der Tatsache, dass Studenten sich wegen der Gebühren die Studienrichtung nach der Höhe des späteren Einkommens aussuchen, um eventuelle Kredite abbezahlen zu können, muss Rechnung getragen werden -- beispielsweise dadurch, dass die Höhe der Gebühren in dieser Hinsicht angepasst wird.

Demonstrationen gegen Studiengebühren sind sicherlich wenig hilfreich. Alle Beteiligten, also Studenten, Politiker und die Wirtschaft müssen sich auf eine gemeinsame Basis einigen. Dann stehen die Chancen für bessere Studienbedingungen wirklich nicht schlecht.

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