Wake up, world!

03.01.2005 | Ilona Mahel

Ein paar Gedanken anlässlich der unfassbaren Geschehnisse in Südostasien

Mit der Flutkatastrophe in Südostasien zurecht zu kommen, ist schwer. Oder vielmehr: Für die meisten Menschen so gut wie unmöglich - weil sie Angehörige oder ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Oder beides. Und selbst wir, die wir das Ganze nur zu Hause in unseren Wohnzimmern per TV miterleben, sind betroffen. Fassungslosigkeit, Schock und tiefe Trauer bestimmen die Weltöffentlichkeit.

Und so wird seit Tagen von keinem anderen Ereignis so oft und so ausgiebig berichtet wie von dieser verheerenden Naturkatastrophe - und das zurecht. Wegsehen gilt nicht. Das wäre verantwortungslos. Wie kann die Welt also mit dieser Katastrophe umgehen?

In seiner Neujahrsansprache hat Bundeskanzler Gerhard Schröder einige gute Ideen formuliert.

"Unsere gemeinsame Antwort muss die der einen Welt sein. Politische Lager sind jetzt nicht wichtig, religiöse und ideologische Unterschiede auch nicht. Es geht um Solidarität aus gemeinsamer Verantwortung. Für die Betroffenen, die Hilfe brauchen, für die Kinder, die behütet werden müssen. Es geht um die Linderung von Leid jetzt. Es geht aber auch um die Zukunft der Region. Globalisierung betrifft uns alle. Das ist eine Lehre, die wir nicht vergessen dürfen."

Auch in Zukunft wird niemand eine solche Katastrophe komplett verhindern können. Eine Tatsache, die für große Ernüchterung sorgt. Wie klein und zerbrechlich wir Menschen doch in Wirklichkeit sind... Aber wir sind immer noch in der Lage, einander zu helfen! Beeindruckend, dass selbst Bangladesch - ein Land, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört - Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete geschickt hat.

Die Welt muss aufwachen. Menschen müssen über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken. Uns muss klar werden, dass es am anderen Ende der Welt - aber genauso auch in unserer direkten Umgebung - Menschen gibt, denen wir helfen können - und müssen.

Es ist nicht vorstellbar, wie die Ereignisse in Südostasien auch nur irgendetwas Gutes hervorbringen sollen. Viel zu tief sitzen Schmerz und Schock. Und es wäre unmenschlich und unsensibel, den direkt Betroffenen mit billigem Trost oder seichten Sprüchen nach dem Motto "Kopf hoch, das wird schon wieder!" zu kommen.

Aber diejenigen von uns, die helfen können, sollten es tun. Jetzt nach der Katastrophe. Und in Zukunft, wenn die Erinnerung verblasst ist und ganz andere Ereignisse die Berichterstattung bestimmen. Helfen - in welcher Form auch immer - kommt nie aus der Mode.

Wake up, world!

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