Vom Gelde

11.10.2012 | Heinz J. Fritz

„Das Geld ist ein Recht und soll kein Unrecht werden.“ Mit diesen Worten beginnt das Buch „Vom Gelde“, in dem der Bankdirektor Argentarius seinem Sohn im Jahre 1920 in zwölf Briefen die Grundbegriffe des Geldes erklärt - und in seinem ersten Brief mit dem Titel „Das Verbrechen der Unkenntnis“ schreibt: „Herr, vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Sie wissen es wirklich nicht, weil sie nicht wissen, was - Geld ist. Es klingt wie eine Profanierung, aber es ist so. Die Unkenntnis vom Gelde wird hier tatsächlich zur epidemischen Unmoral“.

Haben wir wirklich nichts aus der Vergangenheit gelernt?

Wissen die Damen und Herren an den Schalthebeln tatsächlich nicht, was Geld ist? Und ich zitiere weiter: „Denn nicht nur wirtschaftliche Störungen wie Krisen, Kreditnot, Teuerung, sondern auch soziale Übel, wie Klassengegensätze und Massenverelendung, ja sogar politische Katastrophen, wie Kriege und Revolutionen, haben ihre wichtigsten Wurzeln nur allzu oft in der allgemeinen Unkenntnis vom Gelde."

Der organisierte Diebstahl am Volksvermögen

In selben Kapitel heißt es: "Wir leben im Zeitalter des organisierten Diebstahls; eines so raffinierten Diebstahls, dass der Geschädigte kaum merkt, wie er bestohlen wird und der Dieb seine Finger gar nicht zu beschmutzen braucht, um fremdes Gut an sich zu bringen."

Von welchem Diebstahl ist hier die Rede? Und manifestiert er sich heute immer noch?

Geld und seine Funktion in der Wirtschaft

"Das Geld verrichtet eine bestimmte Funktion im täglichen Leben, nämlich die Funktion des Kaufens und Bezahlens, mit solcher Selbstverständlichkeit, dass man nur schwer von der Vorstellung loskommt, das Geld und die Funktion seien ein und dasselbe“.

Der Grund warum Geld überhaupt erfunden wurde und unsere Wirtschaft nicht nach dem Prinzip des reinen Tauschhandels funktioniert, ist der, dass Geld den Tausch vereinfachen soll. Es ist einfacher mit ein paar Geldscheinen oder einer Kreditkarte herumzulaufen als mit einem Sack Mehl oder ein paar Autoteilen. Das Geld ist nur das Medium, das ausdrückt, wer für was wie viel bekommen hat.

Was ist Geld wirklich?

Argentarius bringt es auf den Punkt: "Geld ist die Verkörperung eines Güteranspruchs, der dadurch entstanden ist, dass jemand etwas geleistet, die Gegenleistung aber noch nicht erhalten hat. Oder kürzer: Geld verkörpert den aus einer Leistung entstandenen Anspruch auf gleichwertige Gegenleistung."

Wenn Sie also einen Monat arbeiten und dafür beispielsweise ein Gehalt von € 3.000 erhalten, haben Sie sich damit einen Anspruch auf Waren oder Dienstleistungen im Wert von € 3.000 Euro erarbeitet. Wofür Sie das Geld ausgeben, ist Ihre Sache. Tatsache aber ist, dass die Wirtschaftsgemeinschaft Ihnen durch das Geld gewissermaßen den Anspruch an einem Teil der vorhandenen Güter und Dienstleistungen zugesichert hat.

"Das Geld stellt ein attestiertes Recht zum Bezuge von Gegenleistungen dar, denen entsprechende Leistungen vorangegangen sind, und seine Hauptfunktion besteht darin, diese Gegenleistung von dem Einen auf den Anderen zu übertragen."

Kann man Geld beliebig vermehren?

Aktuell wird von einigen Regierungen die Auffassung vertreten, dass immer mehr Geld in Umlauf gebracht werden müsste. Die Notenpressen werden angeworfen und neue Geldscheine gedruckt, sodass die Geldmenge beinahe explodiert.

Dazu sagt Argentarius bereits 1920: "Diese Auffassung, wie überhaut jede Auffassung, die im Gelde einen planmäßig zu vermehrenden oder zu vermindernden Artikel sieht, ist grundfalsch. Sie ist genau so unsinnig, wie es etwa die Ansicht sein würde, man brauche nur die Eintragungen in die Grundbuchblätter und Häuser-Kataster im Lande zu vermehren, um die Wohnungsnot zu beseitigen. Jedes willkürlich neugeschaffene Geldzeichen bedeutet ja einen Rechtstitel zum Bezuge einer Gegenleistung, obwohl niemals eine Leistung stattgefunden hat, die sie rechtfertigt. ... Es ist keine überraschende Entdeckung, dass der Staat kein Geld schaffen kann, auch wenn er sich noch so große Mühe gibt."

Welche Folgen hat eine zunehmende Geldmenge?

Wenn die Geldmenge ständig erhöht wird, ohne dass die Produktion von Gütern und Dienstleistungen entsprechend steigt, werden diejenigen, die bereits Geld besitzen, um einen Teil ihrer Kaufkraft beraubt .... und sie wird denjenigen übertragen, die diese neuen Geldzeichen erhalten.

Im Klartext des Bankers aus dem Jahre 1920: „Richtiger ausgedrückt ist es ein brutaler Akt von Enteignung. Echtes Geld ist nur solches, das seinem Inhaber den aus einer Leistung entstandenen Anspruch auf Gegenleistung ungeschmälert erhält. Denn seinem Zweck und Wesen nach ist das Geld nichts anderes als ein Rechtsanspruch."

Wie hoch die Inflation aktuell schon ist, können Sie am besten an Ihren Ausgaben selbst beurteilen! Die gute alte DM hatte zum Ende „ihres Lebens“ noch eine Kaufkraft von etwa 23 %.

Was steckt hinter der weltweiten Finanzkrise?

Warum ist diese Krise entstanden? Wer hat sie verursacht? War sie geplant? Sie finden viele Antworten in den Medien. Hier nur der Hinweis, dass nur noch etwa noch 5 % der vorhandenen Geldmenge an tatsächliche Wirtschaftsleitung gekoppelt sind und der Rest aus Spekulationen besteht, deren Aufzählung ich mir ersparen möchte.

Die tatsächlichen Folgen der Inflation

Mit Rettungspaketen von schwindelerregenden Milliarden unterstützen jetzt die Regierungen Banken und Wirtschaft. Das bedeutet, dass sich die im Umlauf befindliche Geldmenge noch schneller als bisher erhöht.

Und die Folgen beschreibt Argentarius: "Das Geld, das unsere Notenpressen ausspeien, ist nachgeahmtes Geld; etwa wie die Aktien, die ein unredlicher Gesellschaftsdirektor drucken lässt, und denen keine entsprechende Zunahme des Gesellschaftsvermögens gegenübersteht, nachgeahmte Aktien sind. (...)

Die Gesamtheit nimmt bei diesen Vorgängen, obwohl sie nur bestimmte Volksklassen anzugehen scheinen, den allerschwersten Schaden.

Zunächst in moralischer Hinsicht: Im ganzen Volke, selbst wenn es die Geradheit und Ehrlichkeit selbst ist, schwindet allmählich jedes Gefühl für Recht und Billigkeit. Nämlich deshalb, weil alle Klassen, sogar die Inflationsgewinnler, sich vom Staat betrogen glauben.

Und in der Tat, wir wissen, dass das Geld ein Recht ist, nämlich ein Recht zum Bezuge von Gütern ganz bestimmten Werts. Und was Recht ist, muss bekanntlich in einem Ordnungsstaat auch Recht bleiben. ... Dieses Recht, dieses Recht aller Rechte, hat der Staat, der den Geldwert durch Inflation dezimiert hat, auf das Gröblichste verletzt."

Was getan werden muss/Was getan werden kann

Die Regierungen müssen handeln, um die Wirtschaft und das Vertrauen der Bevölkerung in unser Geld aufrecht zu erhalten.

Nur sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Manipulation des Geldes in Zukunft zu unterbinden. Geld hat eine ganz klar definierte Funktion, die darin besteht, den Handel und die Wirtschaft zu vereinfachen. Es sollte kein Instrument für Spieler, Spekulanten und Raubritter sein, die seinen Zweck pervertieren und sich ohne eine wirkliche Gegenleistung Vorteile einverleiben.

Hinweis

Das Buch „Vom Gelde“ ist zu beziehen über www.vom-gelde.de. Es ist die beste Zusammenfassung über Geld, die ich bisher gelesen habe. Dieses Buch sollte jedem Entscheider in Politik und Wirtschaft auf den Nachttisch und den Kindern in die Wiege gelegt werden.

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