Vertrauen ist der Anfang von allem

22.09.2005 | Inga Wermuth

Dies war in den 90er Jahren eine auffällige Werbebotschaft der Deutschen Bank, die in ihrer Direktheit als Grundlage für eine erfolgreiche Politik von morgen dienen sollte.

Auch die SPD spricht aktuell im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2005 wieder dieses Grundbedürfnis an und appelliert an ihre Wähler mit dem Slogan "Vertrauen in Deutschland" - obwohl gerade dieses Vertrauen uns in der heutigen Zeit zunehmend schwerer fällt. Selbst einfachste soziale Beziehungen kommen nicht ohne ein Mindestmaß an Vertrauen aus. Vertrauen kann aber nur, wer glaubt. Wer erfahren hat, dass man sich auf einander verlassen kann, dass es Menschlichkeit gibt und der Einzelne in dieser Welt noch etwas zählt.

Immer häufiger spüren wir, dass unser Vertrauen ausgenutzt wird, und dies nicht nur im politischen Geschehen. Viele Marken und Unternehmen versprechen innerhalb ihrer Werbebotschaften Leistungen, die sie letzlich nicht einhalten. Beispielsweise im Rahmen des Angebots angeblich "gesunder" oder "natürlicher" Bestandteile in Lebensmitteln. Losgelöst von gesetzlichen Regelungen sagt uns allein der gesunde Menschenverstand, dass z.B. bei einer Getränkezutat von "0,1% Fruchtsaft" die Anpreisung "Mit natürlichem Fruchtgehalt" wenig vertrauensbildend wirkt. Als Verbraucher fühlen wir uns statt dessen irregeführt und verschaukelt.

In manchen Werbespots wird uns ein auf unsere Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt oder eine individuelle Beratung versprochen, in der Realität sieht dies dann oft ganz anders aus. Über kostenpflichtige Hotlines versuchen wir vergeblich, noch einen Menschen zu finden, der für unser Problem Verantwortung übernimmt. Mit dieser werden wir nicht selten allein gelassen und fühlen uns bei Preis- und Leistungsvergleichen hilflos überfordert. Es wird zunehmend gespart, auf Kosten der Qualität und des Einzelnen. Ausdruck findet dies dann auch in der Werbesprache: "Lasst euch nicht verarschen" oder "Geiz ist geil" - Slogans für Marken, die die Tendenzen des Misstrauens der Gesellschaft gegenüber dem Konsum deutlich aussprechen und so erfolgreich für die eigene Glaubwürdigkeit nutzen.

Allerdings ist unser Vertrauen nicht nur gegenüber Produkten geschwunden, wir verlieren es auch in unserem sonstigen Alltag. Sicherheit, Klarheit und Überschaubarkeit sind die neuen Werte geworden. Das Experimentelle wird zum Wagnis, zum Unkalkulierbaren und verstellt uns den Mut für die Zukunft. Aber woher kommt dieses Misstrauen? Es fängt "oben" an und hört "unten" auf. Wenn unsere Vorbilder sich nicht mehr an die Gesetze der Gesellschaft halten, ist dies ein Zeichen für den langsamen Verlust der demokratischen Werte. Und klar wird, dass nur ein Miteinander und ein ganz persönlicher Standpunkt zu den Verhältnissen in dieser Gesellschaft uns allen dauerhaft Sicherheit geben kann. Die Politik von morgen muss ein Miteinander sein, kein Versuch, für sich auf Kosten anderer das Beste heraus zu holen - denn: Vertrauen ist der Anfang von allem.

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