Moderne Netzwerke leben von vernetzt denken

22.08.2005 | Eva Schoch

Verlassen Sie sich immer noch am liebsten auf sich selbst und auf Ihr eigenes Können und pflegen Alleingänge? Out, komplett out. Moderne Menschen suchen sich Verbündete für ihre Wege, pflegen Beziehungen und denken in Netzen. Und mit Netzen sind nicht nur die unendlichen Möglichkeiten des Internets gemeint.

Moderne Menschen setzen auf persönliche Vernetzung, um gemeinsame Projekte erfolgreich durchzuziehen, eine Bündelung und Potenzierung von Ressourcen zu erreichen und gemeinsam ans Ziel zu kommen.

Gemeinsamkeit macht stark

In Netzen denkende Menschen entwerfen für ihre komplexen Aufgaben eine plastische, ja geographische Karte, in der qualifizierte Mitstreiter zu finden sind, die schnell für die gemeinsame Aufgabe angefragt werden können.

Solche Netze von möglichen Kooperationspartnern zu haben ist natürlich nicht selbstverständlich. Diese Netze wollen aufgebaut und entsprechend gepflegt werden, bevor sie als Wissenspools ihren kostbaren Schatz preisgeben. Frei nach dem Motto: "Suche dir Freunde bevor du sie brauchst."

Hochkarätige Wissenschaftler wissen Vernetzung seit Jahrhunderten zu schätzen. Allein die reichhaltige Korrespondenz unter den Astronomen des 18. Jahrhunderts beweist, wie effizient eine Zusammenarbeit über die bekannte Welt hinweg zur Erforschung eines Themas war - früher langsam, über Jahre hinweg, heute in Sekundenschnelle, dank der modernen Medien.

Globalisierung verlangt Vernetzung

Heute ist die Notwendigkeit vernetzt zu denken für eine Gesellschaft, die von Industrie, Handel und Verkehr, Wissenschaft und Forschung lebt, einfach unumgänglich. Doch sind wir wirklich reif dazu und sind die Gepflogenheiten heute wirklich so offen, dass ein echter Austausch stattfinden kann? Oder sind wir noch im "Klüngeln", das heißt in der Sphäre der alt eingefahrenen Wege und damit einer scheinbaren Sicherheit verhaftet?

Das neue Europa sprengt nationale Grenzen, neue politische Strukturen sind im Entstehen, die neuen Wirtschaftsgrenzen sind auf keiner Landkarte verzeichnet, der Einzelne fühlt sich verloren - allerdings nur solange er nicht umdenkt, nicht mitgeht und nicht mitgestaltet.

Europa schafft offene Strukturen, die einen offenen Austausch geradezu erzwingen. International arbeitende Firmen und Organisationen verlangen von ihren Mitarbeitern täglich die sichere Handhabung der Vernetzung mit ausländischen Kollegen, Geschäftspartnern und Kunden.

Erhöhung der Marktchancen mit Zusammenarbeit

Kleine und mittelständische Unternehmen, Einzelunternehmer und Freischaffende haben die Chance mit Networking mittelbar und unmittelbar ihre Kontakte zu Kunden zu stärken. Mittelbar durch Empfehlungen von Netzwerkpartnern oder frei nach dem Motto: Wer kennt denjenigen, den ich kennenlernen will? Leider berichten Inhaberinnen und Inhaber von Firmen heute, dass sie vor lauter Büroarbeit und wahnsinniger Bürokratie, die sie nicht selten am Wochenende erledigen, einfach zeitlich nicht mehr dazu kommen! Sie vernachlässigen zugunsten von irrsinnigen Statistiken und fraglichen Formularen die Pflege von Beziehungen, regional, national und international. Die Quittung dafür ist schon im Anmarsch.

Vernetzung lebt von Kreativität

Erfolgreiche Freischaffende haben das Potential der Vernetzung längst erkannt: Sie sind in formellen und informellen Netzwerken vertreten, sind aktiv und übernehmen Aufgaben und Ehrenämter. Sie bringen sich ein und zeigen, was sie drauf haben. Ihre Profile steigern die Attraktivität der Netzwerke, deren Mitglieder sie sind. Und diese Attraktivität zieht wiederum andere engagierte Menschen an und erhöht insgesamt das Ansehen des Netzwerks. Aus diesem Pool von qualitativ hochwertigen Beziehungen schöpfen sie etwa Partner für Kooperationen auf Zeit und erhöhen damit deutlich ihre Leistungsstärke für den Kunden. Sie nehmen Aufträge an, die sie alleine nicht hätten bewerkstelligen können. Sie können rund um die Uhr arbeiten (lassen), sofern sie erkennen, dass man auf der anderen Halbkugel nicht schläft, wenn es bei uns dunkel wird. Sie sind up to date und informiert.

Die Landkarte der Vernetzung ist noch nicht im Druck, sie ist in der kreativen Vorstellung des Machbaren, die Türen dazu öffnen Netzwerker. Die Vernetzung mit Ost und West wird auf dem Markt der unbegrenzten Möglichkeiten für viele zur Lebensader. Vernetzt und damit kreativ denken heißt: dort neue Wege öffnen, wo es scheinbar keine mehr gab. Nur wer in alten Gedankenmustern verhaftet ist, sieht keine Auswege.

Bündelung von Kräften führt zum Erfolg

Die Auswanderung von deutschen Unternehmen ins Ausland ist ein deutlicher Schuss vor den Bug des deutschen Wirtschaftskahns - denn im Ausland denkt man leichter, weil kreativ und vernetzt. Nicht nur in Österreich und Holland machen es die Behörden ausländischen Unternehmen leicht und angenehm sich im Land anzusiedeln. Sie haben es verstanden, wie alle Kräfte für ein gemeinsames Ziel gebündelt werden und agieren daher sehr flexible!

In Deutschland bündeln Menschen ihre Kräfte auch: vor den Werkstoren, auf den Straßen, in Wirtschaftsverbänden, in politischen Kreisen, Berufsverbänden, Organisationen, Selbsthilfegruppen usw. Vernetzt denken ist nicht nur eine Methode um geschäftlichen Erfolg zu haben, es ist die Einstellung um gemeinsam ein gesellschaftliches Ziel zu erreichen.

Netze und Netzwerke leben vom gegenseitigen Verständnis, gegenseitiger Unterstützung und vor allem vom fließenden, also an Hierarchie armen Informationsfluss. Geben und nehmen, sich einbringen wollen, solidarische Partnerschaft leben auf gemeinsame Ziele hin - das sind moderne Netzwerke, entstaubt und schlagkräftig.

Weiterlesen / Weiterempfehlen

← zurück | Gesellschaftspolitik | Eva Schoch | weiterempfehlen →