TrendForschung

07.09.2004 | Dietmar Fritze

Gegenwärtig werden auch allmählich dem Blindesten sichtbar die Problematiken des Sozialabbaus in unserer Gesellschaft. Man durchleuchte kritisch jene täglichen Rechtfertigungen, die den neuesten Sozialdarwinismus hoffähig machen:

Die Investoren dürften nicht abgeschreckt werden durch zu hohe Personal-Kosten, eine übertriebene "Anspruchshaltung" der Arbeitnehmer (wer NIMMT eigentlich die Arbeit?) nötigt angeblich die Firmeneigner zur Verlagerung ins billigere Ausland, die Verlängerung der Wochen- (und Lebens-) Arbeitszeit hingegen - sie schaffe zusätzliche Arbeitsplätze - selbst bei diesem letzten Argument also, bei dem es rein rechnerisch schon unlogisch wird, schlucken Arbeits-Lämmer alles.

Sie haben sich einen Kanzler gewählt, der behauptet, vehement gegen faule Arbeitslose vorgehen zu müssen - der aber seinerseits eine notwendige Offenlegung von absurd hohen Managergehältern oder aus verschiedensten Quellen sich summierenden Abgeordneten-Bezügen taktisch ignorant hinauszögert - bis zum Sankt Nimmerleinstag? Den arroganten Grundcharakter unserer Führungs-Riegen hat man wohl immer weniger nötig, wenigstens hinter einem Feigenblättchen zu verstecken. Ein gewisser stumpfsinniger Kadavergehorsam ist wohl für eine fehlende Gegenwehr verantwortlich, auch die Gedankenpolizei des "positiven Denkens", die als Managementberatung bald in jede größere Firma gesickert ist, bewirkt wohl allmählich das, was Gehirnwäsche zuverlässig leisten soll.

Trend ist also, soziale Sicherheit, Gesundheit und Bildung als Gemeinkosten soweit wie irgend möglich zu minimieren - und als legitime Anspruchshaltung zu diffamieren. Es wird zunehmend schwierig, sich aus der allgemeinen Selbstverachtung und Unterwürfigkeit herauszuhalten. "Im Vaterland der Arbeit, in Deutschland," schreibt der Gesellschaftskritiker LOHOFF in seinem Buch DEAD MAN WORKING, auf AUSCHWITZ verweisend, "musste es ja so kommen, dass Menschen massenhaft gezwungen wurden, sich zu Tode zu schuften." - es ist zu hoffen, dass wir heutzutage wieder Sinnvolles in dem zunehmend wieder durch Inhumanitäten verminten Feld der Arbeit zu entdecken vermögen, dass aber andererseits die Mechanismen sinnlosen und höhnischen Antreibens häufiger öffentlich durchschaut und gebrandmarkt werden ...

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