Sozialer Ausgleich

13.10.2004 | Dietmar Fritze

Gedanken von Dietmar Fritze

Ich denke, Abgrenzungs-Prozesse sind durch moralisch-ideologische Vorhaltungen leider nicht aus der Welt zu schaffen. Mode und Kunst als bewusst aufgebaute 'ästhetische' Sozial-Schranken, schulische und berufliche Anstrengungen als 'Status-Okkupationen', Prozesse der Distanzierung im lokalpolitischen Bereich wie auch global - sie sind niemals aufzuhalten.

Nicht, dass ich Apologeten wie Darwin, Machiavelli oder Huntington zu sehr um den Hals fallen möchte - es ist nur sehr unrealistisch, sich einzubilden, man könne sie durch irgendwelche moralischen Opiate (Christentum einerseits oder als Feigenblättchen funktionierende wohllautende Partei-Programme andererseits) übertünchen oder gar auslöschen, wie man Kreide auf der grünen Tafel mit dem nassen Schwamm zum Verschwinden bringen kann.

Anthropologische Grundkonstanten sind Wettbewerb und Verdrängung, permanent versuchte Höher-Schraubung des eigenen Lebens-Standards - und wenn es nicht anders geht: auf der Rückseite der geputzten Medaille ein subtiles oder offen-freches Einfrieren des Konsum-Fortschritts derjenigen, die einem nicht so nahe stehen. Es wird kein Weg an der Einsicht vorbeiführen, dass alle, die sich einen hohen Lebensstandard sichern, in einem gewissen Masse schuldig werden - sie bremsen aus, dass jeder Mensch auf diesem Globus gleich viel besitzt. Alle modernen politischen Diskussionen müssen zugestehen, wenn sie wirklich von sich behaupten, von einem Bewusstsein und nicht nur von Gier gegenkontrolliert worden zu sein, dass sie in einem lobbyistischen und nicht basis-demokratischen Boot sitzen.

Wenn dies jedes Schifflein samt bekränztem Kapitän einsieht, kann man vielleicht daran gehen, die Auswirkungen einer solchen, leider fundamental existentiell gegebenen KAIN-und-ABEL-Situation nicht abzuschaffen - aber durch gesetzliche Abmachungen etwas im Tempo zu mäßigen; mehr als erzwungene Höflichkeit in Zeiten allgegenwärtiger Konfrontationen wird dies nicht sein können - Humanismus für alle scheint bis auf den Sankt Nimmerleinstag eine Illusion bleiben zu müssen - so sehr auch KANT oder MARX samt ENGELS sich im Grab herumdrehen mögen, angesichts einer solchen Erkenntnis ...

Gedanken von Klaus Roensch

Eine Politik, die nicht zum Ziel hat, den sozialen Ausgleich herzustellen in der Bevölkerung, sowohl was die materielle Seite unseres Lebens als auch die ideelle Seite betrifft, hat keine Zukunft.

Das Ziel erfolgreicher Politik kann nur der Wohlstand für alle Menschen sein und die damit verbundene Wertschätzung der Arbeit und des Seins des anderen sein. Wenn wir Menschen so weit gereift sind, dass wir geistig wie moralisch in der Lage sind, die Arbeit der Klofrau genauso wertzuschätzen wie die des Universitätsprofessors, die Arbeit einer Pflegekraft im Altersheim genauso wertzuschätzen wie die Arbeit des Chefarztes einer Krebsstation, die des Handwerkers ebenso wie die des Entwicklungsingenieurs, die Wertschätzung des Hilfsarbeiters nicht der der Fachkraft nachsteht, erst dann sind wir als Menschen wirklich ein Stück zur Menschwerdung vorangekommen. Solange Eitelkeit und Abgrenzungsgetue unser Handeln bestimmen, solange wird auch jede Politik in die Irre führen.

Was ich sehe, ist eine Gesellschaft, wo alle Menschen gleich viel wert sind. Das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun. Aber wir sollten endlich anfangen zu begreifen, dass jeder von uns seinen Teil zum Funktionieren einer menschlichen Gemeinschaft beiträgt und das Wirken jedes einzelnen gleichermaßen unverzichtbar ist für das Wohl und Wehe der Menschen.

Selbst Kriminelle tragen, mal drastisch gesagt, zum Gelingen einer funktionierenden Gesellschaft bei. Ob wir auf diese allerdings auch verzichten können, dass müssen wir die Polizisten, Richter und Staatsanwälte fragen, die durch deren Existenz sehr gut leben.

Klaus Roensch betreibt ein private Homepage für Nachdenkliche: www.anecken.de

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