Sechs Punkte ... für das koalitionäre Verhandlungsgepäck

18.10.2005 | Uwe Rosmanith

Meine Gedanken zu Politik von morgen? Mein Pech, dass ich die ausgerechnet mitten in der KW 42 des Jahres 2005 darlegen soll. Vier Wochen und ein paar Tage nach dieser Bundestagswahl. Ich bin also ganz ehrlich: Das was bei der Wahl herauskam, die Gangart und das vorgestellte Personal für die kommenden Jahre, das alles deprimiert mich schon arg.

Trotzdem, oder vor allem deswegen, rasch sechs Punkte, die künftig ins Verhandlungsgepäck jeder deutschen Politik(er)-Koalition gehören:

  1. Okay, der Erbfolgekrieg um den Kanzlersessel ist jetzt zwar immerhin entschieden, aber jedem schwant, das war mit Abstand die kleinste Hürde, die es zu überspringen galt. Mit Blick auf die Rollenverteilung in der politischen Zukunft halten wir wenigstens fest: Überhebliche Männer werden es noch häufiger lernen müssen, dass es ein Fehler ist, wenn man weibliche Alphatiere für "Mädchen" hält.
  2. Ob sich wegen ein paar mehr Frauen in der Politik das allgegenwärtige Misstrauen in die politische Branche verflüchtigen wird? Wir werden sehen und sind ja weiter zur Hoffnung bereit, doch ich fürchte, das Misstrauen vergrößert sich eher noch. Im Politik-Betrieb führen einfach viel zu viele Akteure mit eindimensionalen Denkstrukturen das Wort. Egal welchen Geschlechts.
  3. Den dritten Punkt können Sie, wenn Sie mögen, als Punkt 2b auffassen. Ich darf Sie also darum bitten, etwas genauer hinzuhören, mit welchen Vokabeln in der deutschen Koalitionspolitik inzwischen wie selbstverständlich gearbeitet wird: "Bis zum letzten Atemzug für Schröder kämpfen", ist da beispielsweise ungestraft von einem bayerischen Poltergeist im roten Pullunder und mit roten A 8 als komplett ernst gemeinte (!) Parole zu hören. Lächerlich. Bis zum letzten Atemzug hat in Deutschland seit 1848 noch keiner für eine gute Sache gekämpft!
  4. Klar ist es die globale Umwälzung, die auch jeden Deutschen zum radikalen Umdenken zwingen wird. Dabei gibt es Millionen unbescholtener Bundesbürger, die tagtäglich - besonders gerne am Sonntag! -, jedoch meistens unbewusst vorführen, was hinter der Neuordnung mit einer Weltwirtschaft so alles steckt. Wir reden über das Prinzip Ebay und was es bewirken kann: Der Otto Normalverbraucher kauft hier die Produkte und jede Dienstleistung zum aktuell weltweit günstigsten Preis. Wollen Sie da noch weiter annehmen, dass das Business ohne Schranken für die kleinen Privatunternehmer reserviert bleiben soll? Selbstverständlich sucht jeder Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft oder der Winzer mit polnischen Erntehelfern immer genauso nach dem besten Preis. Führen Sie sich das Prinzip Ebay hin und wieder vor die Augen. Auch, wenn gerade mal wieder eine Heuschrecke auf zwei Beinen beschimpft werden soll.
  5. Von Paul Kirchhof wäre der Krankenschwester der (sehr geringe) Nachtzuschlag gestrichen worden. Dafür hätte die gute Schwester im Modell Kirchhof unter dem Strich gar keine Steuern mehr gezahlt. Prima, wenn man den Professor aus Heidelberg rehabilitieren würde und sein System bald nachholt. Außerdem gehört in ein transparentes und international wettbewerbsfähiges Steuersystem die prinzipielle Bereitschaft, dass die Gewinne, die im Unternehmen verbleiben, auch am niedrigsten besteuert werden. Dem Arbeitsmarkt kann so was helfen - schauen Sie (auch in die westlichen) Wachstumsländer. Sonst: Deutlich weniger Bundesländer, nicht allein um den Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern endlich zu beenden - und bloß weg mit der Steinkohlensubvention.
  6. Wer die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie als so dringend wie berechtigt anmahnt, für den wird Schwarz-Grün ohne Alternative sein. Schließlich kann es nichts Konservativeres und Grüneres geben, als wenn unsere schöne Erde noch ein wenig erhalten bleibt. Ach übrigens, da fällt mir ein: Was wir in Deutschland durch Betrieb von Elektrogeräten im Stand-by-Modus an Strom verbrauchen, entspricht in etwa der Stromerzeugung, die aus der deutschen Windenergie kommt. Denken Sie also immer daran: Auch einfach mal abschalten hilft.

Weiterlesen / Weiterempfehlen

← zurück | Reformpolitik | Uwe Rosmanith | weiterempfehlen →