Schlag nach bei Kennedy

06.09.2010 | Jürgen Henke

Dienstpflicht für alle - wider den Populismus in der Politik

Mir muss das mal einer erklären: Ein junger Mann wird wehrpflichtig. Ist er nicht für den Wehrdienst tauglich, leistet er weder Wehrdienst noch Ersatzdienst. Ist er tauglich, kann er sein Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung wahrnehmen und wird Zivi. Hat er gute Nerven und ein wenig Glück, gehört er zu den 80%, an denen der Kelch sowieso vorbeigeht.

Der Grundwehrdienstleistende ist sechs Monate beim Bund. Kann er dabei mehr werden als ein uniformtragender Kaffeekocher, Kopierer oder eckig-über-den-Kasernenhoflaufer? Bei Scharnhorst lassen sich kluge Begründungen für die Wehrpflicht nachlesen. Der Dienst für das Land ist ehrenvolle Pflicht für eine wehrhafte Demokratie. Aber mit einer sachgerechten Abbildung der Aufgaben einer modernen Gesellschaft von Umweltschutz über pflegerische bis hin zu den sozialen Aufgaben passt das bei allem Respekt für den großen Heeresreformer nicht mehr zusammen.

Ich fasse zusammen: Beide Alternativen sind teuer, ungerecht, binden Ressourcen, helfen keinem so recht und nerven eigentlich alle Beteiligten und Unbeteiligten. Es ist also konsequent wenn Verteidigungsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg ins Gespräch bringt, die Wehrpflicht auszusetzen, denn diese Armee muss ihre Ressourcen auf die wesentlichen Aufgaben reduzieren.

Nutzen wir doch diese Phase des Umbruchs für einen kühnen Schritt. Die ersten Politiker haben sich getraut, das Wort laut auszusprechen: Allgemeine Dienstpflicht. John F. Kennedy wird zitiert: „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was Du für dein Land tun kannst!“

Die Pflege geht in unserem Land in die Knie, die freiwilligen Feuerwehren bluten aus, Kinder mit Migrationshintergrund brauchen Schularbeitenhilfe....die Liste der gemeinnützigen nicht zu bezahlenden oder nicht zu besetzenden Aufgaben ist unendlich.

Führen wir die allgemeine Dienstpflicht ein: Jeder, aber auch jeder junge Mensch in unserem Land wird dienstpflichtig. Er braucht nicht zu argumentieren, warum er etwas nicht kann. Er ist in der Pflicht sich auf einer Stellenbörse im Internet einen Dienstplatz zu suchen: Im Nationalpark, in der Pflege, im Schwimmverein, im Kindergarten, bei Bundeswehr, THW oder in einer anderen Einrichtung, die im System ist. Die Einrichtung bezahlt den Diensttuer. Wir hinterlegen ein System von Allgemeinbildung, politischer Bildung, Teambuilding und ein paar anderen Themen, die jedem jungen Menschen gut tun und allen ist geholfen.

Ja, ich höre sie schon wieder schreien: Aber doch nicht die Frauen, Menschen mit Behinderung... Doch, auch die: Schlag nach bei Kennedy

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