Quo vadis Globalisierung?

04.01.2013 | Ulf D. Posé

Globalisierung wird von nicht wenigen Unternehmen nach drei Kriterien betrieben: Wo finde ich erstens beste Produktionsbedingungen, also geringe Kosten für Errichtung der Produktionsstätten, für Personal, für das Erreichen der Absatzmärkte? Was sind zweitens die besten politischen Rahmenbedingungen, also niedrige Steuern, Lohnnebenkosten et cetera? Und drittens, wo ist die beste Verfügbarkeit über Ressourcen gegeben, also geringe Kosten für Umweltverbrauch?

Nur noch der überdurchschnittliche Gewinn gilt als Garant für das Überleben eines Unternehmens. Gleichzeitig wird betont, man müsse sich auf zukünftige Entwicklungen optimal einstellen.

Diese optimale Einstellung wird durch Wachstum („Nur wenn wir groß sind, kann uns niemand übernehmen, also sollten wir tunlichst bald fusionieren.“) und im ökonomischen Bereich („Nur wenn wir genügend Eigenkapitalrendite vorweisen können, können wir selbstständig bleiben.“) durch Gewinne formuliert. Letztlich wird so getan, als ob die Wettbewerbsfähigkeit, und damit die Überlebensfähigkeit, ausschließlich von den oben genannten drei Kriterien abhinge. Damit werden diese drei Bedingungen nicht mehr auf ihre soziale Verträglichkeit hin untersucht. Darin liegt die Unredlichkeit der Globalisierung.

Die Globalisierung ist nur ein Netzwerk

Die Globalisierung schafft weltweit ein Netzwerk, in das Kontinente und Nationen durch transnationale Unternehmen eingebunden werden. Dies geschieht über Produkte, Handel und Kommunikation. Schön wär’s! Das Problem ist nämlich der außerordentliche Verdrängungswettbewerb, der alle Länder zu niedrigen Löhnen und Steuern zwingt. Und damit den Wohlstand der Nationen gefährdet. Die Folge: Die Wirtschaft zwingt die Politik in die Rolle des nationalen Erfüllungsgehilfen. Mit Einfuhrzöllen, Subventionen und kostenlosem Umweltverbrauch wird abgeschottet, was das Zeug hält. Paradoxerweise versagt Politik mittlerweile in Ländern, wo sie sich nicht im patriotischen Sinne wirtschaftskonform verhält. Die Zeiten für einen sozial verträglichen Kapitalismus sind schwieriger geworden.

Die Kosten für Arbeit und Umwelt müssen niedrig gehalten werden, um das Kapital zu maximieren. Woraus sich die Frage ableitet, ob Entlassungen von Mitarbeitern überhaupt ethisch zu rechtfertigen sind.

Ein befreundeter Geschäftsführer eines globalisierten Unternehmens, das weltweit zirka 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, sagte mir unlängst: „Die derzeitigen Botschaften sind mir zu eindeutig auf Gewinnmaximierung orientiert! Ich kenne die Sprüche – selbst von unseren Wirtschaftsberatern: ‚Wenn Sie nicht zehn Prozent Eigenkapitalrendite erwirtschaften, sind Sie in wenigen Jahren weg vom Fenster.’ Wir haben jedoch in den letzten 136 Jahren wenige Jahre gehabt, in denen wir EK-Renditen von zehn Prozent erwirtschaften konnten! Und übrigens: Von unserer Wertschöpfung gehen 95 Prozent an die Mitarbeiter – etwa drei Prozent an die Gesellschafter!“

Müssen wir eine Kapitalismusdebatte führen?

Was ist da eigentlich los? Warum führen wir eine Kapitalismus-Debatte? Lassen Sie mich zunächst erklären, wie sich die globalisierte Welt entwickelt hat. 1961 wurde der Begriff Globalisierung zum ersten Mal in einem englischen Lexikon verwendet. Gemeint ist seither eine Entwicklungsstrategie, welche die gesamte Welt ökonomisiert und den Handel sowie Finanztransaktionen weltweit liberalisiert. Globalisierung ist letztlich nichts anderes als ein Netzwerk, in das Kontinente und Nationen durch transnationale Unternehmen mit ihren Produkten, ihrem Handel und ihrer Kommunikation eingebunden werden.

Eine Situation, die schon Karl Marx in seinem Kommunistischen Manifest beschrieben hat: „Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploration des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre der Industrie den nationalen Boden unter den Füssen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.“

Der harte Verdrängungswettbewerb ist ein Kennzeichen der Globalisierung

Das Besondere an der Globalisierung ist der inhärente, außergewöhnliche Verdrängungswettbewerb. In diesem Wettbewerb hat offensichtlich nur jene Politik eine Chance Einfluss zu behalten, die dem nationalen Unternehmen durch weltwirtschaftlich niedrigere Löhne oder geringere Steuersätze auf dem Weltmarkt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. Damit steht Politik im Dienste der Wirtschaft. Das führt zu (harmlos ausgedrückt) Strukturanpassungsprozessen. Länder werden, falls nötig, zum Globalisierungsglück gezwungen.

So hat zum Beispiel der Internationale Währungsfond Argentinien gezwungen, den größten Teil der öffentlichen Dienste zu privatisieren, Unternehmen an ausländische Kapitaleigentümer zu verkaufen sowie die wirtschaftlichen Grenzen für international agierende Unternehmen zu öffnen. Im Jahre 2000 gehörte rund 90 Prozent der Banken und 40 Prozent der Industrie Argentiniens internationalen Anlegern. Die Auslandsschulden Argentiniens waren im Jahre 2000 fast viermal so hoch wie 1983. Das Durchschnittseinkommen war in Reallohn gerechnet nur noch die Hälfte gegenüber 1974 wert.

In der Globalisierung scheint es um ein Mehr an Macht, Einfluss und Ansehen einiger Weniger zu gehen. Aber stimmt das auch?

Die Globalisierung mehrt ökonomische Herrschaft, und zwar in immer schmaleren Bereichen. Sie negiert oder vernachlässigt dabei den politischen Überbau. Wenn zwei Unternehmen fusionieren oder ein Unternehmen sich ein anderes unter den Nagel reißt, dann hat die Politik wenig zu sagen. Bei der Bank Austria z. B. saßen alle Aufsichtsräte in der Regierung. Sie haben nicht politisch, sondern ökonomisch agiert und der Fusion mit der Hypo zugestimmt.

Globalisierung stellt sich heute als die Herrschaft der Ökonomie über die Politik dar. Das ist ein weiteres zentrales Problem der Politik, auf das bisher, zumindest in Deutschland, nur mit einer Mischung aus gutem Willen und Inkompetenz reagiert wurde. Der Versuch von Franz Müntefering (Heuschreckenkapitalismus wurde in einer Weise gestartet, die so polemisch schien, dass der damit verbundene Anspruch: „Wir müssen darüber nachdenken, wie globalisierter Kapitalismus sozial verträglich bleibt“, ziemlich unterging. Damit entfällt mehr und mehr die politische Kontrolle. Die Globalisierung schafft ihre eigenen Realitäten. Und das auf unterschiedlichen Märkten.

Die Globalisierung existiert schon sehr lange

Schon sehr lange globalisiert ist der Geldmarkt, nicht der Kapitalmarkt. Beides muss unterschieden werden. Kapital ist angelegtes oder anlagebereites Geld. Geld kann vagabundieren. Gerade das vagabundierende Geld ist ein Kennzeichen des globalisierten Geldmarktes. Tag für Tag werden rund 1,5 Billionen Dollar weltweit an den Börsen bewegt. Rund 80 Prozent dieser Gelder haben eine Laufzeit, die kürzer als zwei Monate ist, manchmal sogar nur wenige Stunden. 1998 belief sich der gesamte Welthandel auf insgesamt 6,9 Billionen Dollar. Das bedeutet, die Finanzzentren dieser Welt würden gerade mal fünf Tage benötigen, um den gesamten Welthandel zu finanzieren. Das mag die ungeheuere Bedeutung der Geldmärkte in der Globalisierung verdeutlichen. Auch der Wertpapiermarkt ist weitgehend, wenn auch nicht vollständig, globalisiert. Denn es gibt immer noch Drittweltländer, in denen die Landeswährung nicht ein- und nicht ausgeführt werden darf. Fremdwährung wird dort noch im Pass eingetragen.

Die Veränderung der Produktionsprozesse.

Auch der Warenmarkt strebt immer stärker nach Globalisierung. Lassen wir Zahlen sprechen. Wir haben weltweit eine gigantische Veränderung der Produktionsprozesse. Hier spielen die Produktionsnetze eine besondere Rolle. Sie haben sich im Rahmen der Globalisierung völlig verändert. Es gibt nicht nur den Produktverkauf an Konsumenten, sondern ebenfalls den konzerninternen Handel. 1992 erzielten rund 250.000 ausländische Töchter von etwa 38.000 Muttergesellschaften einen Gesamtumsatz weltweit von über 5.200 Milliarden $. Im selben Jahr betrug die gesamte Weltausfuhr rund 4.900 Milliarden $. Davon entfiel auf den firmeninternen Handel rund ein Drittel.

Weltweit wurden schon 1993 zirka 2.135 Milliarden Dollar ausländische Direktinvestitionen getätigt. Das Problem dieser Investitionen: Sie schaffen kaum neue Produktionsstätten, sondern übernehmen nur bereits vorhandene. Von 1992 bis 1998 stieg das Gesamtvolumen von registrierten Fusionen und Übernahmen weltweit von rund 250 Milliarden $ um fast das Zehnfache auf 2.4 Billionen $. Und die Globalisierung geht weiter.

Die UNCTAD schätzte schon 1994 in ihrem World Investment Report, dass sich der Umsatz der weltumspannenden Konzerne seit Beginn der 80er Jahre verdoppelt hatte. Die 100 größten Multis bewegten schon damals ein Firmenvermögen von ca. 3.400 Milliarden Dollar. Etwa 40 Prozent davon wurden in Dritt- und Schwellenländern investiert. Dieser hohe Investitionsanteil der Schwellen- und Drittländern erklärt sich aus dem Bedürfnis, Länder mit den niedrigsten Lohnkosten und längsten Arbeitszeiten zu finden. Das entscheidet in der Globalisierung über die Wahl des Produktionsstandortes.

Diese Standortwahl hat nun erheblichen Einfluss auf die Beschäftigten in den bisherigen Produktionsstätten. Vor der Globalisierung war es so, dass nachlassendes Wachstum eines Unternehmens die Gewinne sinken ließ. Heute ist das anders. Die auf dem Weltmarkt agierenden Unternehmen suchen sich die günstigsten Produktionsstandorte auf der Welt aus und können so ihre Gewinne durch Steuerentlastungen, Senkung der Lohnkosten und die Lockerung investitionshemmender Vorschriften in Bereichen des Umwelt-, Arbeits- und Kündigungsschutzes und einer erheblichen Intensivierung der Arbeit steigern. Das hat dazu geführt, dass seit Mitte der 70er Jahre in den meisten „Industrienationen“ der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen drastisch gesunken ist. In der Schweiz zum Beispiel sind die Gewinne der Konzerne von 1994 bis 1999 durchschnittlich um 17,7 Prozent jährlich gestiegen, die Löhne stiegen im gleichen Zeitraum jährlich um 1,7 Prozent.

Wer ist der Hauptfeind der Globalisierung?

Der Hauptfeind der Globalisierung ist derzeit die USA. Sobald nämlich dort eine ausländische Firma mit einem amerikanischen Unternehmen in Wettbewerb tritt, werden die Einfuhrzölle erhöht. Damit ist der Warenmarkt nicht globalisiert. Sogar von Drittweltländern werden Zölle erhoben. Globalisierung wird diesbezüglich von den US-amerikanischen Aktivitäten geradezu behindert.

Als vierten Markt gibt es den Arbeitsmarkt, der noch nicht total globalisiert ist, tendenziell aber durch Wanderungsbewegungen globalisiert wird. Die meisten jungen Menschen handeln nach dem Prinzip: „Ich gehe dorthin, wo ich das meiste Geld verdienen kann.“ Der fünfte Markt ist der internationale Markt, der in der BRD durch den nationalen Exportmarkt bestimmt ist. Den versucht man nun durch Globalisierungsstrategien herzustellen, indem man mit anderen Unternehmen fusioniert, und wie schon angedeutet auf die Nase fällt. Jeder Markt ist letztlich national egoistisch. Der nationale Egoismus ist der Hauptgrund für die nicht stattfindende Globalisierung. Es gibt einen ungeheuren Druck der Wirtschaft auf die Politik. Diese reagiert wunschgemäß mit Einfuhrzöllen oder Exportzöllen. Interessant wäre es deshalb, wenn an den Grenzen alle Zölle fortfielen und alle Subventionen abgeschöpft würden. Das wäre eine notwendige (jedoch kaum zu realisierende) Voraussetzung, um den Warenmarkt tatsächlich zu globalisieren.

Eine Regulierung der Umweltbelastung ist notwendig.

Für den Weltmarkt ist auch die Regulierung der Umweltbelastung erforderlich. Die Umwelt kostenlos belasten zu dürfen, ist letztlich eine Form von Subvention. Es müsste also einen Markt geben, der Umwelt verkauft. Das Problem ist, dass Umwelt kein freies Gut mehr ist, das jedem beliebig zur Verfügung steht, sondern ein Wirtschaftsgut, das einen ökonomischen Wert hat, der bezahlt werden muss. Der Eigentümer der Umwelt ist die gesamte Menschheit. Weshalb eine zentrale Instanz geschaffen werden müsste, die den Umweltverbrauch verkauft.

Hier greift die Cobb-Douglas-Formel. Die Umwelt muss in jedem Land so teuer werden, dass es sich rentiert, die Kosten für den Umweltverbrauch durch Arbeit oder Kapital zu ersetzen. Es gibt wohl kaum eine andere Möglichkeit, das Umweltproblem zu lösen. Die Gefahr ist groß, dass in schon 20 Jahren die Welt für einen Großteil der Menschen unbewohnbar wird. Es wird ein Kampf um das Trinkwasser stattfinden. Im Nahen Osten wird das der Kampf um das jordanische Wasser sein. In Indien sind die Flüsse heute schon so verseucht, dass Trinkwasser aufbereitet werden muss. Trinkwasser wird überall teuer. In der BRD leistet man sich heute noch den Luxus, Brauch- und Trinkwasser aus einer Leitung zu beziehen.

Ich habe mich in den Hochglanzbroschüren der Unternehmenswerte und -leitlinien umgesehen. Mein Fazit ist ernüchternd: Theorie und Praxis liegen Lichtjahre auseinander. Immer mehr Menschen werden im Rahmen der Globalisierung von Unternehmen mit Füßen getreten.

Die Logik der sozialen Marktwirtschaft aber lautet anders: Je größer der wirtschaftliche Erfolg, desto mehr kann und muss ein Unternehmen tun, um das soziale Miteinander zu optimieren.

Wir müssen zwei Dinge auseinanderhalten: Zu verurteilen ist nicht, dass Unternehmen Gewinne machen oder nach solchen streben. Zu kritisieren ist hingegen, unter welchen Umständen manche Unternehmen ihre Gewinne erwirtschaften. Vor allem dann, wenn sie trotz hoher Gewinne Menschen "freisetzen". Bei hervorragenden Gewinnen, die weit über den Erwartungen liegen, und Eigenkapitalrenditen, die den Branchendurchschnitt weit übersteigen, gleichzeitig Stellenabbau zu betreiben ist in höchstem Maße unredlich und zeugt von einer Haltung, die den ökonomischen Erfolg absolut setzt. Überdies noch zu behaupten, dies geschehe zur Sicherung des Unternehmensbestandes, ist genauso unredlich, wenn dieser Bestand de facto gar nicht gefährdet ist.

Es gibt keine Übereinstimmung zwischen Norm und Wirklichkeit.

Die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens hängt nicht davon ab, was ein Unternehmen in seinen Leitlinien behauptet, sondern sie basiert auf der Übereinstimmung zwischen Behauptung und Handlungsweise, zwischen Norm und Wirklichkeit.

Ein Beispiel ist der Energiekonzern BP. Das Unternehmen geriet schon weit vor der Katastrophe im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen, weil im eine Ölpipeline geplatzt war und mehr als eine Million Liter Öl ausgelaufen waren. Mit der Folge, dass die Pipeline stillgelegt und auf rund 16 Meilen erneuert werden musste. Die Börse reagierte mit Kurssteigerungen. Die Überprüfung der Pipeline erfolgte übrigens erst auf Druck der amerikanischen Behörden. Geprüft wurde die Pipeline seit 1992 nicht mehr. Die Ölindustrie hat jedoch eine monatliche Prüfung zum Standard erklärt. Interessant ist, warum BP die Leitung nicht mehr überprüft hatte. Die Pipeline soll bereits 14 Jahre bevor sie platzte, durch Ablagerungen so verschlammt gewesen sein, dass der Prüfroboter nicht mehr vorwärtsgekommen sei.

Was sagen die BP-Leitlinien dazu? "Als einer der großen Energieversorger sehen wir unsere Verantwortung darin, auch bei der Suche nach Lösungen für das Klimaproblem und deren Umsetzungen führend zu sein." Und weiter: "Ein gut geführtes Unternehmen sollte wettbewerbsfähig sein, fortschrittlich handeln und Gutes tun. In allem, was wir machen, wollen wir einen konstruktiven Beitrag zum wachsenden Bedarf der Welt nach Energie und Materialien leisten." Schließlich noch zwei Bemerkungen: "Als eines der führenden Unternehmen der Welt tragen wir eine Verantwortung, hohe Maßstäbe zu setzen, um ein Unternehmen zu sein und als solches angesehen zu werden, das sich der Integrität verpflichtet hat." "Wir schützen die natürliche Umwelt und die Sicherheit der Gemeinden, in denen wir tätig sind, und garantieren die Gesundheit, Sicherheit und den Schutz unserer Menschen."

Was ist zu lernen?

Was lernen wir daraus? Wirtschaftlicher Erfolg muss mit einem sozial verträglichen und umweltverträglichen Miteinander einhergehen. Das ist die Basis der sozialen Marktwirtschaft. Die Logik kann nur lauten: Je größer der wirtschaftliche Erfolg, desto mehr kann und muss ein Unternehmen tun, um soziales Miteinander und Umweltverbrauch zu optimieren. Alles andere ist unredlich und verwerflich und ruiniert das Soziale unserer Marktwirtschaft.

Die Globalisierung verleitet derzeit manche Unternehmen, sich unredlich zu verhalten. Nun sollte man die Globalisierung nicht per se verurteilen, sondern sie aufmerksam, nüchtern und kritisch betrachten. Unternehmen sollten einsehen: Die Globalisierung zu benutzen, um trotz aller wirtschaftlichen Erfolge sich gleichzeitig sozial unverträglich und umweltunverträglich zu verhalten, ist in hohem Maße unredlich. Es gibt eine innere Verantwortung für Unternehmen, der sie sich nicht entziehen können, weil sie wertebildend auf das Bewusstsein von Mitarbeitern einwirken. Dadurch wirken sie auf die gesamtgesellschaftliche Struktur mit ein. Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen lässt sich somit nicht von der Verantwortung für Mitarbeiter trennen.

Die rentable Kapitalanlage – sechs Stufen

Kapital rentabel anzulegen, geschah und geschieht (nach Karl Marx) in sechs Stufen:

  1. Stufe: Ausbeutung von Arbeit.
  2. Stufe: Kolonialkapitalismus. Durch Erschließen neuer Märkte wurde Wachstum erzeugt.
  3. Stufe: GATT und die Folgen. Nach dem Zerfall des Kolonialsystems entstanden Angebots- und Nachfragemärkte. Karl Marx meinte noch, das Kapital will die Banken ausbeuten. Eher ist es umgekehrt.
  4. Stufe: Ausbeutung des Staates durch Subventionen. Steuerminderung oder Aktivzuschüsse bei Import und Export. Der Staat verschenkt Gelder, die die Unternehmen nicht mehr benötigen (Werner Rapp). Daran geht irgendwann früher oder später der Staat Pleite. Und so kommt es zur:
  5. Stufe: Internationalisierung und Globalisierung. Die Internationalisierung erfasst nur wirtschaftlich erschlossene Länder, die kleinen Tiger et cetera, also alle diejenigen Länder, die sich den OECD-Ländern annähern.
    Globalisierung funktioniert wahrscheinlich nur dann, wenn man die Drittweltländer von Steuern freistellt und wenn man an den Grenzen von OECD-Ländern die Subventionen abschöpft. An den Grenzen müsste prinzipiell das importierende Land die Subventionen von eingeführten Waren abschöpfen. Das ist jedoch nur theoretisch möglich, da Subventionen de facto nicht auszurechnen sind.
    Mit der Globalisierung besteht die große Gefahr der Kartellbildung. Die Preise können beliebig festgesetzt werden.
  6. Stufe: Kollaps des Systems aufgrund fehlender Liquidität (Karl Marx). Deflationskrisen sind die Folge, weil das Angebot vom Markt nicht angenommen wird. Deshalb kollabiert das System. Inflation ist für Unternehmen keine Katastrophe, sondern eine Wachstumschance. Die Deflation dagegen ist gefährlich. Das Angebot liegt massiv über der Nachfrage. Nicht die in das Produkt gesteckte Leistung oder Arbeit bestimmt den Wert einer Ware, sondern die Nachfrage. Da die Produktionskosten nun höher liegen als der ökonomische Wert einer Ware, wird versucht, die Kosten zu senken und eine Kosten-Leistungs-Rechnung vorzunehmen.

Auch im Kapitalismus wird wahrscheinlich eine langfristige Deflation einen Kollaps des Systems hervorrufen. Die europäische Zentralbank und auch die USA werden versuchen, durch Absenkung der Zinsen die Deflationskrise zu überwinden. Die Bundesbank scheint ebenfalls über kein Modell zu verfügen, um mit Deflationskrisen umgehen zu können.

Die Bedeutung des Kapitalismus für die Globalisierung.

Der Kapitalismus ist für die Globalisierung erheblich, weil das Kapital eine möglichst hohe Rendite zu erreichen versucht. Dazu muss der Kapitalist Arbeiter beschäftigen. Um Kapital rentabel anzulegen, muss fremde Arbeit gekauft und ein Anlagevermögen gebildet werden. Der Arbeiter seinerseits hat kein Kapital, sondern nur seine Arbeit, die sich rentieren muss.

Arbeit entsteht durch Märkte und Wettbewerb. Wenn wir die soziale Komponente ausklammern, dann haben Unternehmer nur die Aufgabe, die Produktionsbedingungen zu optimieren. Unternehmen sorgen dafür, dass die Produktionskosten sinken, damit die Wettbewerbsfähigkeit steigt. Bei Optimierung der Produktionsbedingungen wird immer weniger Arbeit benötigt, um ein Produkt herzustellen. Genau das tun Unternehmen, völlig unabhängig davon, was der Kapitaleigner tut. Das einzige „Verbrechen“ des Kapitaleigners ist es, eine solche Vorgehensweise zu unterstützen.

Nun ist es in der Bundesrepublik leider so, dass die durch Optimierung der Produktionsprozesse freigesetzten Mitarbeiter es immer schwerer haben, neue Arbeit zu finden. Das liegt nicht am Kapitalismus, sondern an der Nachfrage (und der Optimierung der Produktionsprozesse). Es gibt nicht genug Nachfrage für Produkte oder Dienstleistungen. Dem Kapitalismus dies als unmenschlich vorzuwerfen, zeugt von Nicht-Wissen um Marktgeschehnisse. Wir kennen durchaus den Einfluss der Politik, die Unternehmen bei Neueinstellungen von Mitarbeitern zwingt, Rahmenbedingungen einzuhalten, die es sehr schwer machen, Mitarbeiter auch in turbulenten Zeiten zureichend mit Arbeit zu versorgen. So verzichten nicht wenige Unternehmer bei uns immer wieder darauf, Mitarbeiter einzustellen, von denen der Unternehmer nicht weiß, ob er diese auch noch morgen beschäftigen kann.

Politik ist zuständig für die Rahmenbedingungen wirtschaftlichen Handelns. Diese sind in den meisten europäischen Ländern für Unternehmer derzeit attraktiver als in der Bundesrepublik. Die Steuerquote ist attraktiver, die Lohnnebenkosten geringer etc. Die durch solche Rahmenbedingungen entstehende Arbeitslosigkeit dem „radikalen“ Kapitalismus vorzuwerfen ist zumindest fahrlässig, wenn nicht gar unredlich, denn er ist ursächlich nicht dafür verantwortlich.

Die Vernichtung von Arbeitsplätzen ist ethisch durchaus zulässig.

Wenn durch die Vernichtung eines Arbeitsplatzes bei uns zwei neue Arbeitsplätze im Ausland geschaffen werden, dann ist das übrigens ethisch durchaus zulässig. Es mag zwar nationalistisch betrachtet unerwünscht sein, ethisch betrachtet ist es jedoch völlig in Ordnung, wenn es möglich ist, durch Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, Menschen in ärmeren Ländern zu helfen, Arbeit zu finden und dadurch ihre Familien zu ernähren. Oft genug sind die Sozialsysteme in armen Ländern weitaus schlechter als bei uns, somit die soziale Absicherung bei uns besser. Dies als unethisches Verhalten „Kapitalisten“ vorzuwerfen, ist ebenfalls unredlich.

In der vergangenen sieben Jahren haben die von der SPD beschimpften Private Equity-Investoren in Europa zirka 6,5 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Selbst die auf der „schwarzen Liste“ stehende KKR (Kohlberg Kravis Roberts) hat bei der ATU (Auto Teile Unger) im Jahre 2004 durch ihr Engagement etwa 2.500 neue, zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Vielleicht geistert in manchen politischen Köpfen noch das Gespenst von der Vernichtung und Ausschlachtung des Konzerns Nabisco Anfang der 90er Jahre herum, als dieser Konzern von KKR übernommen, ausgeschlachtet und Tausende von Mitarbeitern auf die Straße gesetzt wurden. Doch diese Zeiten sind nachweislich vorbei. Die Hedge Fonds und Private Equity-Gesellschaften schaffen es heute durchaus, einen Überhang zwischen Arbeitsplätzen, die geschaffen werden, und Arbeitsplätzen, die freigesetzt werden, zu erzeugen.

Johannes Huth, Europachef von KKR, wie schon in einem Interview in der Welt vom 7. Mai 2005 darauf hin: „Schauen Sie sich die Fakten an: Bei Wincor Nixdorf haben wir die Zahl der Stellen weltweit fast verdoppelt, auf 6.300. Rund 1.000 Stellen sind davon in Deutschland entstanden. Zweitens grasen wir nicht ein Land ab und ziehen dann weiter. Sondern wir investieren langfristig. Als wir die Firma gekauft haben, hatte sie keine eigene Servicesparte. Die haben wir aufgebaut. Außerdem haben wir Unternehmen zugekauft, die der Firma neue Technologien gebracht haben. Zum Beispiel Geldautomaten, die auch Geld annehmen und Falschgeld erkennen können. Unter dem Strich haben wir das Unternehmen bei seiner Wachstumsstrategie unterstützt. Bei MTU haben wir stark in neue Produkte und Forschung investiert. Bei ATU stecken wir das meiste Geld in die geographische Expansion, also in neue Filialen in ganz Europa. Der weitaus größte Teil davon in Deutschland. Etwas ganz anderes haben wir mit Dynamit Nobel gemacht: Wir haben es mit dem US-Unternehmen Rockwood verschmolzen, so dass beide von Synergien profitieren. Momentan kaufen wir noch kleine Firmen zu, um das Unternehmen noch besser im Weltmarkt zu positionieren.“ Das hört sich zunächst gut an. Allerdings hat KKR bei MTU nicht wenige Mitarbeiter entlassen.

Aber Huth weiß auch, dass das Auspressen eines Unternehmens den Private Equity-Gesellschaften nicht wirklich hilfreich wäre: „Wenn eine Private Equity-Gesellschaft ein Unternehmen vollständig auspressen und massiv Mitarbeitern kündigen würde, fände sich am Ende kein Käufer. Wer will schon eine Firma kaufen, die nichts mehr wert ist? Wir können nur dann unsere Renditen erzielen, wenn wir besser verkaufen, als wir eingekauft haben. Der Verkaufspreis hängt davon ab, wie gut das Unternehmen heute aufgestellt ist und welche Wachstumsperspektiven es hat.“

Der Kapitalismus ist eine Ideologie, sonst nichts.

Kapitalismus und Demokratie sind Ideologien. Ideologien sind immer nur von begrenzter Dauer. Der Feudalismus hat sich längst überlebt, ebenso der Merkantilismus. Das Gleiche ist für Demokratie und Kapitalismus zu befürchten oder zu hoffen, je nach ideologischem Standpunkt. Nur hat jede Ideologie auch ihre Zeit. So ist wahrscheinlich die Demokratie für die heutige Zeit die beste Form des politischen Umgangs, wie auch der Kapitalismus wahrscheinlich die beste Form des ökonomischen Umgangs miteinander ist. Diesen Kapitalismus zu verteufeln erzwingt die Frage, was eine sinnvolle Alternative sein kann. Die bisherigen Alternativen (Planwirtschaft etc.) haben versagt. Also wäre es sinnvoll, den Kapitalismus nicht aus nationalen oder patriotischen Gründen behindern zu wollen, sondern aus sozialen und menschlichen Gründen. In der derzeitigen Kritik sind jedoch nationale oder patriotische Beweggründe fadenscheinig hinter sozialen Gründen versteckt.

Der Kapitalismus ist genügend begrenzt in ordnungspolitischen Rahmenbedingungen

In der Bundesrepublik kann der Kapitalismus nicht machen, was er will. Unsere Ordnungspolitik lässt dies nicht zu. Ganz im Gegenteil. Nicht selten sind dem Unternehmeresel im internationalen Wettbewerb hier die Vorderläufe ordentlich zusammengebunden. Auf ihn einzudreschen, damit er schneller läuft, zeugt von fehlendem Sachverstand.

Man kann sehr wohl darüber nachdenken, ob es einen Faktor geben sollte, der die Frage beantworten kann, wie ein Manager für seinen Wertschöpfungsbeitrag und seinen Marktwert angemessen entlohnt werden kann. Man kann und sollte auch darüber nachdenken, inwieweit ein Arbeiter nach den gleichen Kriterien anders entlohnt werden muss, als dies heute geschieht. Zu versuchen, dies vom internationalen und globalisierten Markt abzukoppeln, um nationale Interessen durchzusetzen, führt nur dazu, dass sich der Rest der Welt über uns amüsiert, uns in diesem nationalistischem Denken bestätigt, um uns dann noch besser wirtschaftlich überholen zu können.

Die Globalisierung integriert immer mehr Regionen und Nischen in das kapitalistische Wirtschaftssystem und löst dadurch lokale (und nationale) Selbstversorgungs- und Wirtschaftsräume auf. Transnationale Konzerne interessieren sich daher vor allem für Staaten, die zu schwach sind, die Bewegungsfreiheit des Kapitals zu behindern, zu verlangsamen oder zu begrenzen. Diese Länder sind unfähig zu einer autonomen ökonomischen Politik. Die Spannung zwischen kooperierenden Transnationalstaaten (etwa der EU) und des neoliberalen Kapitalismus wird dadurch offensichtlicher.

Quo vadis, Globalisierung?

Hier sollen – ohne jeden prophetischen Anspruch – einige Thesen formuliert werden.

  1. Die kurze Episode der Dienstleistungsgesellschaft (einigermaßen realisiert in den USA) wird durch eine Informationsgesellschaft abgelöst (das heißt, die im Unternehmen Tätigen werden nach Maßgabe der Informationserzeugung, -gewinnung und -verarbeitung bezahlt). Das bedeutet jedoch Arbeitslosigkeit für viele (auch leitende) Mitarbeiter. Die offene Arbeitslosigkeit in Deutschland wird langfristig ansteigen, falls der demographische Wandel dies nicht kompensieren kann. Der bisherige Sozialstaat kann nicht mehr alle auffangen.
  2. In Folge der ökonomischen Globalisierung muss es zu einer Neuordnung des politischen, sozialen und kulturellen Überbaus kommen. Denn die ökonomisch global (und das irreversibel) aneinander gebundenen Volkswirtschaften werden sich Nischen suchen, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die Folge: Wohlfahrts- und Sozialstaaten wie Deutschland geraten in eine Abwärtsspirale. Während die Ökonomie transnational denkt und sich der nationalstaatlichen Kontrolle entzieht, kommt es gleichzeitig zu wachsender Arbeitslosigkeit und Armut.
  3. Arbeit wird in Regionen exportiert, die ökonomisch angepasster sind. Der globale Kapitalismus orientiert sich ausschließlich an der Produktionsbedingung „Kapital“ (Shareholder Value). Dass er dabei die Verantwortung für die anderen betrieblich relevanten Faktoren vernachlässigt (Arbeit, Umwelt, Kreativität und Unternehmenskultur), scheint offensichtlich zu sein. Nur durch politische Maßnahmen lassen sich diese Faktoren überhaupt noch stützen.
  4. Arbeit wird im Kapitalismus durch Kapital ersetzt. Der Unternehmer versucht, die Kosten für Arbeit möglichst niedrig zu halten, die Kosten für die Umwelt herunterzufahren und dadurch Kapital zu maximieren. Und das weltweit. Nun ist die Frage, wie man zukünftig das Problem der Arbeit lösen könnte. Zunächst sollte man die Cobb-Douglas-Formel um den Faktor Umwelt erweitern. Es geht dann also nicht mehr darum, Arbeit durch Kapital zu ersetzen, sondern Umweltverbrauch durch Kapital oder Arbeit zu ersetzen.
  5. Damit ist Kapital die Ressource, die langfristig am wenigsten kostet. Ausnahme: In Ländern, in denen die Arbeit sehr billig ist, lohnt sich die Substitution durch Kapital nicht. Unternehmer, die noch im Kapitalismus stecken, versuchen so weit wie möglich, Arbeit durch Kapital zu ersetzen. Wenn also Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen können, passiert das auch. Der Faktor Arbeit wird immer weniger gebraucht. Anders ausgedrückt: Der globale Kapitalismus kommt mit immer weniger Arbeit aus – vor allem in den Bereichen, in denen sich neue Felder der Gewinnproduktion öffnen. Die Folge: Arbeit und die sie vertretenen Organisationen verlieren immer mehr an Einfluss und Bedeutung. Dadurch nimmt die Ungleichheit neue Formen an: Arbeitsbesitzende und Arbeitslose stehen sich als Klassen gegenüber. Die Arbeitslosigkeit wird zu einem gesellschaftlichen Strukturelement. Überdies wird sich die Art der Arbeitslosigkeit verändern, weil in den Formen der ersten (durch Menschen betriebene Maschinen) und zweiten Industrialisierung (durch Energie betriebene Maschinen) auch ungelernte und angelernte Arbeit nachgefragt wurden. Das aber findet in der dritten (informatorischen) Industrialisierung nicht mehr statt. Die Arbeitslosenproblematik in der westlichen Welt entsteht dadurch, dass wir die Arbeit durch Maschinen ersetzt haben. Stellt sich die Frage, wie man künftig das Problem der Arbeit löst. Über die Schiene Umwelt! Es geht nämlich nicht mehr darum, Arbeit durch Kapital zu ersetzen, sondern Umweltverbrauch durch Kapital oder Arbeit zu ersetzen. Wenn es gelingt, Umwelt durch Kapital oder Arbeit zu ersetzen, erreicht man zwei Dinge: Erstens wird das reine Ersetzen der Arbeit durch Kapital verhindert und zweitens wird die Umwelt zu einem Produktionsfaktor, den man, wenn möglich, durch Arbeit oder Kapital ersetzt. Das setzt voraus, dass der Umweltverbrauch besteuert werden muss. Der gerechte Preis für die Umwelt wäre dann erreicht, wenn dieser Preis so hoch wäre, dass ein Unternehmen sich ernsthaft überlegen muss, ob es nicht besser seinen Umweltverbrauch durch Kapital oder Arbeit ersetzt. In einer nachmodernen Gesellschaft könnte dies so aussehen, dass Unternehmen CO2-Gutscheine verkaufen, die zwischen Unternehmen handelbar sind. Erste Anfänge sind bereits gemacht (Emissionsgesetz etc). Trotzdem gelingt es derzeit noch nicht, den Schutz der Umwelt über Absenkungsmaßnahmen zum Umweltverbrauch in den Griff zu bekommen. Ein Modell, das Umweltverbrauch besteuert, erscheint daher erfolgversprechender, da man den Umweltverbrauch am Input des Unternehmens messen kann. Der Verbrauch eines Unternehmens an Kohle, Gas, Lärm, an unnötigem Verbrauch von Grund und Boden, kann gemessen werden. Die Menschen müssen zu Gewinnern der Globalisierung werden, denn Spiele, in denen Menschen nur zu Verlierern werden, sind nicht sehr rational.
  6. Es könnte so weit kommen, dass die Verbindung zwischen globalisiert Reichen und lokalisiert Armen zerreißt, weil zwischen oben und unten keine Solidarverpflichtungen mehr bestehen und die gesellschaftlichen Beziehungen abbrechen. Die Arbeitslosen haben nämlich, anders als die Arbeiter des 19. Jahrhunderts, alles Machtpotential eingebüßt (Wir erinnern uns: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!). Ihnen bleibt, wenn es ihnen gelingt, sich zu assoziieren, möglicherweise nur die nackte Gewalt. Sie wird die politischen, ökonomischen und sozialen Strukturen wahrscheinlich erheblicher verändern als die organisierte Arbeit im 19. Jahrhundert.
  7. Im Gegensatz zum Kapitalismus mit ausgebeuteter Arbeit bringt der Kapitalismus ohne Arbeit keine Utopie hervor. Im Kapitalismus der ausgebeuteten Arbeit entstanden mannigfaltige utopische Entwürfe – am einflussreichsten waren solche von Sozialismus und Kommunismus (etwa im Marxismus). Dem Kapitalismus ohne Arbeit fehlen bislang ähnliche Utopien. Damit kommen Hoffnung und Fantasie abhanden, so entsteht kein neues politisches Subjekt (etwa eine schlagkräftige Organisation der Arbeitslosen).

Wir sollten also die Globalisierung nicht verteufeln oder feiern (je nach ideologischem Standpunkt, sondern lernen, mit ihr kritisch und sehr bewusst umzugehen, denn abschaffen können wir sie nicht.

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