Problemlösungen

01.07.2005 | Robert Pauly

Stellen Sie sich bitte kurz die folgenden Situationen vor: Situation 1: Die Ehefrau kommt aufgeregt ins Wohnzimmer gerannt: "Schatz, um Himmelswillen - die Küche brennt!" Ihr Mann gibt daraufhin zur Antwort: "Mach' doch ein Fenster auf, damit der Rauch abziehen kann - dann riecht es auch nicht mehr so unangenehm."

Situation 2: Die Nadel der Tankanzeige Ihres Autos deutet bereits seit einigen Kilometern auf die Nullmarke. Mit dem letzten Tropfen Sprit schaffen Sie es gerade noch, die nächste Tankstelle zu erreichen. Erleichtert sagen Sie zu dem anwesenden Tankwart: "Puh - Sie sind meine letzte Rettung! Meine Benzinuhr steht schon seit einiger Zeit auf dem Tiefststand - bitte kümmern Sie sich darum." Der Tankwart macht sich sofort an die Arbeit, schraubt Ihr Armaturenbrett auf und verbiegt die Nadel der Tankanzeige so weit, bis sie wieder auf "Voll" zeigt.

Situation 3: Nur wenige Tage, nachdem Sie an Ihrem Urlaubsziel, einem Strandhotel in Mexiko, angekommen sind, werden Sie von "Montezumas Rache" erwischt. Nachdem Sie mehrere Stunden im kleinsten Raum Ihres Appartements verbracht haben, sammeln Sie Ihre Kräfte, um die nächstgelegene Apotheke aufzusuchen. Dort meint der Apotheker: "Oh ja, dieses Problem kennen wir - ich kann Ihnen ein paar erstklassige Windeln verkaufen!"

Bevor Sie an dieser Stelle sagen: "Also Robert - so idiotisch verhält sich doch kein Mensch!", sehen wir uns doch einmal an, wie andere Problemlöser so vorgehen:

Eine der größten Schwierigkeiten, vor der die deutsche Wirtschaft derzeit steht, ist sicherlich die hohe Arbeitslosigkeit. Aber zum Glück haben wir jede Menge hochqualifizierter Menschen, die schon einige erstklassige "Problemlösungen" ausgearbeitet haben ...

  • Die Gewerkschaften streiken für kürzere Arbeitszeiten. Oh ja, das wird einen Unternehmer bestimmt dazu bringen, mehr Leute anzustellen, mit denen er dann noch mehr Schwierigkeiten hat ...
  • Artikel wie Kohle oder Agrarprodukte, die niemand zu deren tatsächlichen Preisen kaufen würde, werden derart subventioniert, dass noch mehr produziert wird, als zu Ramschpreisen verkauft werden kann. Vielleicht sollte man jetzt noch das Arbeitslosengeld, das von Steuergeldern bezahlt wird, besteuern, damit von diesen Steuern die Subventionen bezahlt werden können. Hmmh - das wäre dann sozusagen das "Perpetuum mobile" der Wirtschaft.
  • Die Regierung erhöht die Steuern, damit davon das zusätzliche Arbeitslosengeld bezahlt werden kann.
  • Die Regierung senkt die Steuern, damit die Lebenshaltungskosten sinken, damit Arbeitslose nicht mehr so viel Geld brauchen.
  • Es werden Bewerbungskurse angeboten. Eine gute Lösung - so können sich Menschen wenigstens professioneller um Arbeitsstellen bewerben, die es gar nicht gibt.
  • Die Regierung verbietet Lastwagen mit Kippfunktion, damit die Menschen, die bisher den Zement mit Schaufeln abgeladen haben, nicht arbeitslos werden. (Kein Witz - diese Vorschrift gab es tatsächlich schon in einem Land südlich des Äquators!).

Was diese vermeintlichen Problemlösungen gemeinsam haben, ist offensichtlich: Es handelt sich lediglich um einen Versuch, die Symptome zu bekämpfen, aber nicht um eine Behandlung der Ursachen! Eine der Ursachen für die Freisetzung vieler Arbeitskräfte ist folgende:

Jeden Tag wird eine neue Technologie erfunden, die den Arbeitsplatz eines (oder vieler) Menschen ersetzt. So haben Sie vermutlich Zuhause eine Waschmaschine stehen, die Ihnen Arbeit abnimmt. Eine Arbeit, die entweder Sie selbst oder eine Haushaltshilfe hätten leisten müssen, wenn es diese Maschine nicht gäbe. Diese Arbeitsstellen, die durch technologischen Fortschritt aufgelöst wurden, sind weg. Und diese Arbeitsstellen kommen nicht wieder zurück. Schließlich werden Sie auch nicht Ihren Geschirrspüler und Ihre Waschmaschine auf den Sperrmüll werfen, damit Sie eine zusätzliche Haushaltshilfe beschäftigen können, oder? Und Sie würden auch kaum auf die Möglichkeit verzichten wollen, beispielsweise Bücher per Internet zu bestellen, weil sich arbeitslose Buchhändler beschweren, dass das Internet ihnen die Umsätze rauben würde. Das Problem ist auch nicht das Internet (oder eine sonstige neue Technologie). Das Problem ist die mangelnde Bereitschaft, sich den zu erwartenden oder den geänderten Umständen anzupassen.

Da wir Networker mit unserer Arbeit mehreren Zukunftstrends gleichzeitig folgen, habe ich natürlich nur ein begrenztes Verständnis für Menschen, die in der Welt von heute lediglich Preis von gestern bezahlen wollen, um zu den Bedingungen von morgen leben zu können. Ja, Automatisierung mag zwar dafür sorgen, dass Arbeiten durch Maschinen erledigt werden, die zuvor durch Menschen getan wurden. Aber gleichzeitig ist die Wertschöpfung, die durch diese Automatisierung entsteht, weiterhin vorhanden. Tatsache ist, die Welt wird dadurch sogar reicher. Weil sie jetzt über die Kapazität eines zusätzlichen Menschen verfügt, dessen frühere Arbeit weiterhin getan wird und der jetzt etwas anderes tun kann.

Schwierig wird es nur, wenn dieser Mensch seine Augen ständig vor Neuentwicklungen verschlossen hat, sowie die Zeichen der Zeit ignoriert und dann glaubt, dass ihn seine Kündigung "aus heiterem Himmel" erwischt habe. Oder, wenn dieser Mensch nicht bereit ist, sich der neuen Situation anzupassen. Und diese neue Situation heißt ganz einfach: Das Prinzip des "festen Arbeitsplatzes" ist vom Aussterben bedroht - wer es nicht lernt, sich seinen Arbeitsplatz selbst zu erschaffen, wird früher oder später mit großer Wahrscheinlichkeit "in die Röhre sehen". Oder, anders ausgedrückt: Arbeitslosigkeit ist die mangelnde Bereitschaft, die Fähigkeit zu erlernen, wie man sich selber einen Arbeitsplatz erschafft. Unsere Branche, Network Marketing, ist sicherlich der beste Beweis dafür. Und etwas anders formuliert gilt für uns als Networker das gleiche Gesetz: "Kundenlosigkeit" ist die mangelnde Bereitschaft, die Fähigkeit zu erlernen, wie man Kunden gewinnt. Während "Mitarbeiterlosigkeit" die mangelnde Bereitschaft ist, die Fähigkeit zu erlernen, wie man Vertriebspartner gewinnt. Und für mangelnde Bereitschaft meinerseits kann ich nicht andere Menschen verantwortlich machen. Genauso wenig hilft diesen Menschen langfristig eine vermeintliche Lösung, die lediglich eine Symptombehandlung ist.

Dazu passt ein Schreiben recht gut, das ich vor einigen Tagen erhielt. Es bezog sich auf ein System, mit dem wir schwachen, aber ernsthaften Partnern wieder auf die Beine helfen können. Zusammengefasst zeigte dieses System, wie wir diesen Partnern eine neue Chance geben, indem wir ihnen vormachen, wie man neue Interessenten gewinnt, so dass sie auch gleich ein Ergebnis sehen, das sie motiviert. Aufgrund dieser neu erlernten Fähigkeit und der wieder gewonnenen Motivation konnten sie somit sofort weitere Ergebnisse erzielen. Daraufhin erhielt ich einen Brief, der den folgenden Satz beinhaltete:

"Sehr geehrter Herr Pauly, ich habe schon Leute unter meinen Partnern platziert und dies hat nur für Ärger gesorgt" Na klar - das glaube ich sofort. Was soll auch schon anderes passieren, wenn man ein Problem (Partner können keine Interessenten gewinnen) lösen will, indem man lediglich das Symptom bekämpft (Neue, unfähige Menschen unter Partnern zu platzieren, die ebenfalls unfähig sind). Deswegen besteht dieses 4-Stufen System auch aus "Vormachen + Beibringen" und nicht aus "Ich mache es für Dich, damit Du nichts tun und nichts lernen musst" Denn eine ähnlich gute Lösung wäre es, wenn Sie Ihrem achtzehnjährigen Sohn, der wegen diverser Autounfälle mehrfach zu spät zur Arbeit gekommen ist, einen Ferrari kaufen, damit er zukünftig pünktlich ist sein kann ...

Eine wahre Lösung - egal, ob es ein Brand, ein leerer Tank, ein Gesundheitsproblem, ein Geldproblem oder ein Beziehungsproblem ist, kann nur darin bestehen, zwischen Symptom und Ursache zu unterscheiden. Und das Bewusstsein zu entwickeln, die Ursache zu lösen, statt lediglich die Symptome zu bekämpfen. Als Networker sind wir in einer Branche tätig, die für Problemlösungen - nicht nur für das Bekämpfen von Symptomen - sorgen kann. Und vielleicht möchten Sie ja auch selber mit gutem Beispiel vorangehen - indem Sie das Beste aus Ihrem Geschäft machen?

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