Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen?

20.05.2006 | André Wendt

Helle Aufregung im Radio! Manche Menschen hören, aber sie hören nicht zu. Dann rufen sie beim Sender an und geben ihren Senf dazu. Was der Uwe-Karsten Heye über Ausländerfeindlichkeit gesagt hat, ist doch vollkommen richtig. Endlich mal einer, der ausspricht, was alle denken!

Was hatte der Vorsitzende des Vereins Gesicht Zeigen! denn nun eigentlich gesagt?

"Es gibt kleine und mittlere Städte in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen. Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen."

Der Kommentator ließ kein gutes Haar an dieser Aussage. Einerseits, weil sie dem Manifest des Vereins, dem Heye vorsteht, widerspricht:

"Es kann nicht angehen, dass sich in unserem Land Menschen nicht auf Straßen und Plätze trauen -- aus Angst vor Gewalt. Es darf nicht sein, dass in Deutschland Menschen um ihr Leben fürchten -- nur weil sie anders sind."

Andererseits, weil mit einer Pauschalisierung des Problems nicht zu seiner Lösung beigetragen wird. Mit der New Yorker würden täglich auch Millionen Menschen fahren, obwohl sie als gefährliches Pflaster gilt.

Und damit hat er recht. Es ging nicht (wie viele Hörer hinterher meinten) darum, die rechtsextremen Angriffe auf Ausländer und Andersdenkende zu bagatellisieren. Sondern viel eher um die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema durch eben solche Aussagen. Weil es Kapitulation vor den Rechten wäre. Aus wegsehen wird weggehen. Heyes Warnung hat in den "kleinen und mittleren Städten in Brandenburg" sicherlich für einigen Jubel gesorgt. Sie sind endgültig weg!

Ab wann soll eine Gegend Sperrzone sein? Wie groß soll der Umkreis um den eigentlichen Tatort gezogen werden? Ist ganz Deutschland gefährlich für Ausländer, wenn in jedem Bundesland mindestens ein Übergriff stattfindet? Sollten Ausländer aus Potsdam wegziehen nach den jüngsten Vorkommnissen? Niemand würde jemanden ernstnehmen, der vor dem Berliner öffentlichen Nahverkehr warnt, weil man erstochen werden oder einen durch die Scheibe fliegenden Stein abbekommen kann. Oder wenn jemand vor einer Autoreise nach Bayern warnen würde: Möglicherweise würde man das Bundesland nicht mehr lebend verlassen (2004 war die Zahl der Verkehrstoten mit über 1000 am höchsten).

Sperrzonen zu errichten bekämpft wieder einmal die Symptome, nicht die Ursache. Die politischen Probleme dieses Landes wird man anders lösen müssen. Wir brauchen Vereine wie "Gesicht Zeigen!". Die Landespolitiker (allen voran Herr Schönbohm) müssen das Problem als solches endlich anerkennen. Wir brauchen Bekenntnisse gegen rechte Gewalt. Aussagen wie Heyes brauchen wir dagegen nicht.

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