Neue Perspektiven für die junge Generation

14.09.2005 | Johannes Vogel

Albert Einstein sagte einmal "Ich sorge mich nie um die Zukunft. Sie kommt früh genug." Aus heutiger Sicht zumindest ein sehr optimistischer Standpunkt. Einen so unbeschwerten Blick in die Zukunft kann Deutschlands junge Generation nicht für sich in Anspruch nehmen.

Zwei Probleme liegen schwer auf den Schultern der jungen Menschen in diesem Land: Die immer schneller wachsende Staatsverschuldung und die kollabierenden sozialen Sicherungssysteme. Viel zu lange wurde eine Politik auf Pump betrieben. Die Schulden von gestern müssen jedoch mit Zins und Zinsenzins zurückbezahlt werden. Mittlerweile beträgt der Schuldenstand der öffentlichen Haushalte und der Sozialkassen in Deutschland das unfassbare Ausmaß von 1,5 Billionen Euro. Um diesen Schuldenberg anzutragen, ist es in einem ersten Schritt dringend geboten die Neuverschuldung auf 3% des BIP zu begrenzen, wie es die Kriterien von Maastricht vorschreiben. Ziel muss es jedoch sein, die Neuverschuldung auf Null zurückzufahren und mit der Schuldentilgung zu beginnen. Um auch ein öffentliches Bewusstsein für die Tragweite der Verschuldung und der allgemeine Schieflage in den öffentlichen Ausgaben zu erzeugen, müssen darüber hinaus ab sofort ehrliche Generationenbilanzen erstellt werden. Durch solche wird aufgelistet, wie viel Geld in Renten, Subventionen und Gegenwartsprojekte geht, und wie viel in Schule und Bildung und Zukunftsinvestitionen fließt.

Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und ein Abbau der Verschuldung allein genommen, stellt schon eine fast unüberwindbare Hürde dar. Hinzu kommen noch der dringenden Reformbedarf in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung durch die demographische Entwicklung. Insbesondere das Umlagesystem in der Rente, wonach die heute arbeitende Generation die Rente der heutigen Senioren aufbringen muss, ist nicht länger finanzierbar. Zu Zeiten der Einführung dieses Systems ging man noch davon aus, dass es immer eine gesunde Altersstruktur der Gesellschaft geben würde, also immer genügend Kinder geboren werden, die die Rente für die sich im Ruhestand befindenden aufbringen würden. Dies ist bereits seit einigen Jahren jedoch nicht mehr der Fall. Erfreulicherweise werden die Menschen in Deutschland immer älter, doch zeitgleich werden immer weniger Kinder geboren, so dass immer weniger Erwerbstätige, die Renten von immer mehr Rentenempfängern bezahlen müssen. Heute kommen statistisch gesehen auf einen Rentner 2,3 Erwerbstätige, im Jahre 2030 werden es nur noch 1,4 Erwerbstätige auf einen Rentner sein. Dies wird die deutsche Wirtschaft ohne einen grundlegenden Systemwechsel nicht verkraften, da die Rentenbeiträge enorm steigen müssten, was den Faktor Arbeit untragbar verteuerte. Wenn wir weiterhin international wettbewerbsfähig bleiben und den Menschen sowohl in der Erwerbstätigkeit, als auch im verdienten Ruhestand ein finanziell vom Staat unabhängiges Auskommen sichern wollen, müssen wir uns vom Umlageverfahren in der Rente schnellst möglich verabschieden. Langfristig kann nur ein Systemwechsel hin zu einem privatisierten Kapitaleckungsverfahren die Alterssicherung stabil halten. Kapitaldeckungsverfahren meint, dass ein jeder während seines Lebens im Rahmen einer Pflicht zur Versicherung Rentenansprüche über Versicherungen, Geldanlagen, betriebliche Altersvorsorge oder ähnliche Mittel aufbauen muss. Wer beispielsweise durch Arbeitslosigkeit nicht in der Lage ist ausreichend Rentenansprüche anzuhäufen, erhält mit dem Bürgergeld von staatlicher Seite finanzielle Unterstützung in Höhe des Existenzminimums.

Ein radikaler Systemwechsel ist unausweichlich, erzeugt aber auch Härten, insbesondere für die Generation der heute jungen Erwerbstätigen und die kommende Generation Erwerbstätiger, denn diese würden durch das Umlageverfahren keine neuen Rentenansprüche erwerben, jedoch müsste noch immer die Rente der heutigen Senioren erbracht werden. So entsteht eine Doppelbelastung aus der eigenen Vorsorge und der Finanzierung der Rentenansprüche vorangehender Generationen. Zusätzlich muss diese so genannte Sandwichgeneration auch noch Kinder heranziehen. Um die Belastungen etwas abzumildern muss die Belastung des Systemwechsel über einen Zeitraum von mehreren Generationen ausgestaltet werden.

Je länger wir die Augen vor den drängenden Problemen verschließen, desto mehr verschärfen sich diese und desto schwieriger wird ein gegensteuern werden.

Weiterlesen / Weiterempfehlen

← zurück | Rentenpolitik | Johannes Vogel | weiterempfehlen →