Hat jedes Volk die Politiker, die es verdient hat?

06.09.2005 | Erhard F. Freitag

Bei allen Mängeln in der deutschen Mentalität, glaube ich, das wir uns alle nur zulange passiv verhalten haben und deshalb mitverantwortlich für den Status quo sind. Was wir Morgen brauchen ist eine völlig neue Qualität von Politikern, eher weise Frauen und weise Männer, welche nicht korrupt, engstirnig und vor lauter Ego nicht wissen, wie sie sich noch profilierter in der Öffentlichkeit darstellen sollen.

Wir brauchen politische Stellvertreter, welche zur Gemeinsamkeit aufrufen und den Idealen, die sie zu schützen schworen, auch wirklich und wahrhaftig innerlich verpflichtet sind. In einem meiner Bücher habe ich, in langen Passagen, von einem zu gründenden "Rat der Weisen" gesprochen, aber natürlich wenig offene Ohren gefunden. Was wir jetzt haben, erscheint mir schlimmer als eselig und dem Ideal von einem Weisen meilenweit entfernt. Was in der katholischen Kirche höchst notwendig wäre, nämlich junge dynamische Päpste, also geistige Führer, dem Altersstarrsinn fern, das braucht es in der deutschen politischen Landschaft.

Ich würde mir wünschen, dass irgendjemand es wagt, in der Versammlung einer Bundestagsdebatte in alle Getränke eine gehörige Portion Ecstasy zu mischen und natürlich alle Medien zu dem folgenden Verbrüderungsspektakel herzlich eingeladen würden.

Wenn in einer Gemeinschaft parteipolitische Interessen (Egoismus) Vorrang haben, dann wundert es nicht, dass keine fördernden Impulse mehr entstehen und ein ganzes Volk ermüdet oder aber wütend wird. Wer nichts anderes zu tun hat, als die Vorschläge des Gegenübers zu verwerfen, der muss in Kauf nehmen, dass ihm gleiches widerfährt. Aus psychologischer Sicht ist das Verhalten der Damen und Herren, die wir gewählt haben, unser Wohl zu mehren, kindlich dumm und das Ergebnis ihres Handelns eine Situation, in der wir jetzt alle nur den Kopf schütteln können und uns wundern, dass gebildete Menschen so wenig zu einem sinnvollen Miteinander finden können. Um wiedergewählt zu werden, Versprechungen zu machen, die nur mit Schulden zu bezahlen sind, müsste strafrechtlich verfolgt werden. Millionen rechtschaffener Bürger sind so frustriert, dass es nicht wundert, wenn Wut im Volke Raum greift und irgendwann erneut ein "Starker Mann" kommt, dem das Volk zu seinen national orientierten, aggressiven Reden zujubelt.

Was wir Morgen brauchen, das kann nur entstehen, wenn wir heute gemeinsam etwas zu tun bereit sind. Aber wie weit sind wir davon noch entfernt? Was müssen wir noch über uns ergehen lassen, um eine Wende herbei zu führen. Ich glaube, dass unter den jetzigen Umständen überhaupt kein wünschenswertes Morgen machbar sein wird. Wir sind im "falschen Kino", und erleben einen Alptraum voll chaotischer Szenario. Deshalb heißt es für mich, schnellstens andere Volksvertreter. Denn, wenn wir heute nicht handeln, dann werden wir morgen wie gestern leben. Zusammengefasst: "entweder andere politische Vertreter oder es gibt kein besseres Morgen".

Ich glaube, dass viele guten Willens sind und gleich mir, die Hoffnung nicht aufgeben.

Glauben wir an was noch nicht ist, damit es werde.

Weiterlesen / Weiterempfehlen

← zurück | Politikstil | Erhard F. Freitag | weiterempfehlen →