Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!

30.01.2012 | Andreas Fingas

Der Originalkommentar, auf den sich meine Antwort bezieht, findet sich hier: http://www.handelsblatt.com/meinung/...

Sehr geehrter Herr MdB Heveling,

Sie sagen es so schön: „nur weil man sagt, man sei gut, ist man es noch lange nicht." Dem kann ich nur entgegnen: Nur weil man sagt, dass die Netzgemeinde einen Kampf gegen das Bürgertum führe, nur weil man behauptet, es gebe einen Kampf, nur weil man in den Raum stellt, dieser vermeindliche Kampf würde auch noch verloren gehen, heißt das noch lange nicht, dass dies auch so ist.

Ihr Geschichtsbewusstsein scheint in Ihnen leider Gottes recht paranoide Ängste zu wecken, die sich hernach in einer solchen Kampfschrift ergießen.

Ich selbst bin Kind der Digitalisierung, bin mit Computern aufgewachsen und mit der digitalen Revolution gewachsen. Das einzige, was mir wirklich Angst macht, sind Menschen, die nicht nur konservativ und augenscheinlich lückenhaft über diese meine Welt informiert sind, sondern, die ihre politische Machtposition nutzen, um populistische Hähme gegen das zuschleudern, was meiner Ansicht nach die Zukunft ist.

Darüber hinaus verherrlichen Sie die bürgerliche Gesellschaft in gleichem Maße, wie Sie die digitale anklagen. Setzt man nur noch ein „gut" voran, landet man bei der gutbürgerlichen Lebensart, mit der ich vorrangig politische Klüngelei, blinde Obrigkeitshörigkeit, Amtsanbetung und nicht zuletzt den Missbrauch junger Menschen durch Kirchenangehörige und das immer gleiche modrige Schweigen assoziiere. Und dies sind bei weitem nicht alle Bilder, die mir bei dieser sogenannten Bürgerlichkeit hoch kommen.

Sie nehmen mit idealistischer Verblendung all das in Schutz und wollen es gleichzeitig – und das ist das wirklich Vermessene – als glorreiches Gegenbeispiel dem Freiheitsgedanken einer jungen und vielleicht noch nicht voll ausgebildeten Generation, der so genannten „Netzgemeinde" vorsetzen. Das, sehr geehrter Herr MdB, ist nicht akzeptabel und Sie sollten vor Ihrem nächsten kommunikativen Gebaren darüber nachdenken, ob es vielleicht noch eine andere Sicht auf die Dinge gibt, als die Ihnen höchst eigene. Denn letzere könnte unter Umständen unsäglich falsch sein.

Mit besten Grüßen,
Andreas Fingas

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