Mentaltraining für Deutschland

09.06.2006 | Claus David Grube

Einige kurze Thesen zur politischen und geistig-seelischen Entwicklung der BRD

Es bestehen derzeit drei Arten von gesellschaftspolitischen Problemen:

  1. Ökonomischer Niedergang, bedingt durch Überverschuldung der Öffentlichen Haushalte und Unfähigkeit der Anpassung der Arbeitskosten an ein Niveau, das im globalen Wettbewerb aussichtsreich wäre.
  2. Zunehmende Starrheit und Ineffektivität der politischen Entscheidungsinstanzen in der Parteiendemokratie.
  3. Verunsicherung des "Nationalen Spirits".

Als Mentaltrainer ist für mich der dritte Punkt besonders interessant. Es bestehen aber zu beachtende Wechselwirkungen mit objektiven Rahmenbedingungen der Gesellschaft.

Die Lösungs-Möglichkeiten für die Punkte 1 und 2 sind in der öffentlichen Diskussion erwähnt worden. Hier einige kurze Thesen hierzu.

zu Punkt 1:

Der Überschuldung ist am besten durch frühzeitige Bankrotterklärung zu begegnen. Nur so kann der Gordische Knoten durchschlagen werden. Ein Abbau der Schulden ist nicht möglich. Die Zinslast und die bevorstehende Unfähigkeit Pensionszusagen einzuhalten ruinieren den Staatshaushalt zu irgendeinem Zeitpunkt X.

Die staatliche Bilanzierung muss auf Doppelte Buchführung umgestellt werden. Der dann offenbar werdende bereits bestehende Bankrottzustand wird ausgerufen. Im Staatsbankrott gehen Banken pleite und Gläubiger verlieren ihre Guthaben. Die Allgemeinheit wird aber wieder handlungsfähig. (So einfach ist das natürlich alles nicht. Aber es wurde ja in Deutschland im vorigen Jahrhundert zweimal durchgeführt: "Währungsreform". Das ist durch die Einführung des Euros natürlich komplizierter geworden.)

Zur Senkung der Arbeitskosten ist die Abkoppelung des Sozialen Netzes von den Arbeitskosten unumgänglich. Der bankrotterklärte Staat braucht ja auch keine Lohnsteuer mehr.

zu Punkt 2:

Der Übergang und die notwendige radikale Reform der Gesellschaft kann nur durch eine Art "Positiver Diktatur" durchgeführt werden. Eine Große Koalition birgt zwar die Gefahr des weiteren Anwachsens der radikalen Parteien. Das muss aber wohl riskiert werden, bzw. der Notstand ausgerufen werden.

Kleinere Staaten von der Größenordnung der Niederlande, Österreichs etc. sind leichter zu lenken und zu reformieren. Da die mentalen und ökonomischen Unterschiede in den deutschen Regionen erheblich sind, wäre eine Aufteilung in 4 Staaten (innerhalb der EU, sofern das Land nach dem Staatsbankrott noch zu dieser gehört) vorteilhaft.

zu Punkt 3:

Die mentale Verunsicherung scheint im Kern bedingt durch zwei Ereignisse:

Zum einen ist das Trauma der Nazi-Herrschaft und des verlorenen 2. Weltkriegs mit erheblichem Verlust des Staatsgebiets nach wie vor unverarbeitet.

Zum anderen ist der massenhafte Zuzug von Menschen anderer Sprachen, Religionen und Rassen in dem Ausmaß problematisch. Dieser Zuzug wurde vor allem gefördert, um dem demographischen Fall der Bevölkerung zu begegnen und Einzahler in die exponentiell organisierten Sozialsicherungs-Systeme zu bekommen. Diese sind aber eh pleite und man sollte z.B. unbedingt die Türkei in die EU aufnehmen, dort Arbeitsstätten fördern und die Re-Migration unterstützen.

Die psychologische Verarbeitung des 3. Reiches in der "Volksseele" ist offenbar schwierig. Sie ist unumgänglich. Derzeit erschien wieder Herr Hitler auf den Titelblättern. Ein Film, der Hitler "nicht als Dämon, sondern als kleinkriminellen Menschen" zeigt, war in die Kinos.

Die Verarbeitung des Volks-Traumas scheint bisher nur als Verdrängung und Kompensation geschehen zu sein. Verarbeitung kann nur durch Verstehen erfolgen. Die Hitler-Herrschaft war kein Unglück oder Zufall, sondern sie war demokratisch gewählt zustande gekommen.

Vielleicht war die Begeisterung größerer Teile der Bevölkerung für den "Führer" echt. Auf den Aufnahmen vom "Führer" mit Kindern und Volk sieht es jedenfalls nach echter Freude und Freundlichkeit aus. Nur der Kommentar unter dem Bild weist darauf hin, dass hier ein "Verführer" der Massen diese gerade missbraucht.

Ich befürchte, dass die Deutschen selten so viel Spaß und Idealismus und gemeinschaftliche Anstrengung hatten wie in der Nazi-Zeit. Ich befürchte weiterhin, dass das 3. Reich eine unumgängliche Konsequenz aus der geistesgeschichtlichen Entwicklung Deutschlands in den hundert oder zweihundert Jahren zuvor war. Diese war eine geistesgeschichtliche Entwicklung die große Philosophie und Wissenschaft hervorgebracht hat. Im Kern ist diese anti-christlich oder trans-christlich. Das ist der Nationalsozialismus auch und das Erschrecken darüber, was große Gedanken hervorgebracht haben, scheint immer noch zu herrschen. Man sollte sich mit Heidegger, seinem Eintritt in das politische Geschehen und seinen Rückzug, evtl. offener und genauer befassen.

Die Ursache für diesen Kampf um das kollektive Unbewusste eines Volkes liegt weit zurück. Beziehungsweise: Dieses Volk als solches gab es in der Geschichte eigentlich nie. Es gibt in Mitteleuropa eine gemeinsame, ähnliche Sprache. Es gibt eine Ähnlichkeit in der Art und Weise des Mischvolks aus Germanen, Kelten, Romanen und Slawen.

Eines der größten Traumata für ein Volk ist die zwangsweise Bekehrung. Die eigenen Götter müssen vergessen und unterdrückt werden, fremde sollen angebetet werden. Für weite Teile Deutschlands ist die friedliche Bekehrung zum Christentum ein Mythos, wenn nicht für alle. Das Christentum ist eine fremde Religion, welche vor allem in der Zeit Karls des Großen zwangsweise verbreitet wurde. Es ist ursprünglich hebräisch, dann griechisch-römisch erweitert. Der Nationalsozialismus hat auf teilweise absurd anmutende Weise versucht, die germanische oder keltische Religion wieder zu beleben. Das Vorhaben ist so widersinnig indes nicht. Wir bräuchten evtl. nur einen etwas moderneren Wotan. Wir bräuchten eine Auseinandersetzung darum, worin das Christentum evtl. überlegen war. Wir bräuchten eine Existenzphilosophie, bzw. die Umsetzung der bestehenden für den Alltagsgebrauch.

Wie konnte sich das Christentum durchsetzen, vom Zwang mal abgesehen? Ein Aspekt: Die christlichen Getränke waren besser als das heidnische Gebräu, bzw. die Fliegenpilze. Der Genuss an alkoholischen Getränken überzeugte von der Güte des Gottes. Religionen sind wahrscheinlich meist Drogen-Kulte. Die Klöster hatten da einige Argumente mitgebracht. Es sieht mitunter eh so aus, dass die deutsche Kultur vor allem als Alkoholiker-Kultur verstanden werden kann. Es gibt kaum Völker auf der Erde mit höherem Alkoholkonsum. Nahezu alle Feierlichkeiten und Festivitäten drehen sich um den Alkoholkonsum. "Feiern" heißt Saufen.

Eine tiefgreifende Therapie der deutschen Volksseele sollte eine Abstinenz-Welle beinhalten. In den USA sind die Anonymen Alkoholiker zu einer Art Zweitreligion geworden. Für Deutschland müsste es evtl. ein nicht-christliches, atheistisches oder neu-religiöses 12-Step-Programm sein.

Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches sind Parteiendemokratie und Christentum halbherzig wieder aufgenommen worden, es entstand die CDU-Republik. Das missratene Experiment der Nazis ist aber noch nicht vergessen. Eine starke, idealistische Führung wird je attraktiver desto weniger CDU und SPD Lösungen für die wirtschaftlichen (und mentalen) Probleme finden oder anbieten und vor allem an der eigenen Versorgung interessiert sind. Eine wesentlich stärkere Einmischung der Bürger wird durch Internet und Medien ermöglicht. Die Macht der Legislative muss erheblich beschränkt und kontrollierbar gemacht werden, bzw. die Beamtenschaft abgeschafft werden. Die starke Führung müsste also eine Bürger-Führung sein. Eine charismatische Persönlichkeit, ein Bürger-König, führt das Land voran und radikale Reformen durch. Ein gewählter, mächtiger Präsident wie in den USA scheint angebracht. Sollten sich angesehene und visionäre Persönlichkeiten finden, die diesen Job ausfüllen, kann es den große Ruck geben. Es sieht zwar noch nicht so aus, dass diese Persönlichkeiten im Angebot sind, aber Herr Bundespräsident Köhler ist da die positive Erscheinung in der letzten Zeit. Man hätte ihn sich lieber als Präsident mit der Machtfülle wie das amerikanische Pendant gewünscht denn als Ersatz-König, der nur repräsentieren und manchmal Unbequemes oder Ermunterndes sagen darf.

Wir sollten es wieder wagen idealistisch einer idealistischen Persönlichkeit zu folgen (weiterhin allen Fundamentalismen und Fanatismen ablehnend und kritisch gegenüber allem bleibend).

Wir sollten vor allem eine deutsche Lebenslehre aus den Philosophien entwickeln. Diese sollte verständlich und pragmatisch sein. Die Rituale können ent-christlicht werden. Ostern und Weihnachten sind eh "heidnische" Feste, die übernommen und angepasst wurden. Rituale zu Geburt, Jugend, Ehe und Tod sind schon weitgehend neutral gehalten (was aber teilweise auch langweilt und gerade die Initiationsriten für Jugendliche sollten verstärkt werden. Dazu kann auch ein allgemeines soziales Jahr gehören.)

Man kann nur hoffen, dass sich eine Bürgerbewegung formt. Aber angesichts dramatischer Entwicklungen wie einer Staatspleite gehen Dinge schnell: Mauern fallen, Diktaturen geben auf. Beim Ende der DDR hatten die Menschen die Hoffnung, es auch wie im Westen haben zu können. Beim Ende des Westens werden die Menschen erheblich desillusionierter sein, zumal es eine Krise der kapitalistischen, westlichen Welt sein wird.

Wo sind die idealistischen Ritter und Meister, welche dieses heilige Land retten?

Und das Rettende wächst ja mit der Bedrohung, meinte hoffnungsvoll einer unser ganz großen Dichter. Wir sind also (noch ein wenig ungläubig) gespannt.

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