Wählen Sie Meinungen oder Lösungen?

05.09.2013 | Heinz J. Fritz

Meinungsverschiedenheiten

Menschen haben oft unterschiedliche Ansichten und Anschauungen. Wie viele Diskussionen haben Sie schon gehört und geführt, in denen diese unterschiedlichen Meinungen aufeinander geprallt sind, kein Konsens gefunden wurde und sich die Standpunkte sogar verhärtet haben? Und manchmal ist es nicht leicht, jemanden von der eigenen Meinung zu überzeugen, vor allem dann, wenn man keine guten Argumente findet – also vielleicht keine starke Meinung hat.

Uns wird immer vermittelt, dass Meinungsfreiheit eine wichtige Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft ist. Dies ist ja auch nachvollziehbar. Die Zeiten, wo jeder unter Zwang die Meinung „des Meinungsführers" unter Strafe und Androhung von Gewalt vertreten musste, sind zum Glück vorbei und sollten auch nicht wieder angestrebt werden.

Was genau ist eigentlich eine Meinung?

Wenn man die Wörterbücher und Abhandlungen liest, lässt sich ein Konzentrat daraus bilden: Eine Meinung ist „die subjektive Ansicht und Einstellung zu Zuständen, Ereignissen, Handlungen oder anderen Personen". Sie ist subjektiv!

Daraus können wir erkennen, dass die Meinung einer Person nicht auf allen Fakten der Sache basiert und von der persönlichen Absicht, die die Person zu der Sache hat, geprägt wird.

Die Absicht macht den Unterschied

Dies kann man wunderbar beobachten, wenn Politiker über ein Thema diskutieren.

Einer von beiden hat die Absicht, mehr Geld zu bekommen, um die Straßen besser sanieren zu können und ist für eine PKW Maut. Der Andere hat die Absicht, die Bevölkerung nicht durch eine Mehrbelastung als Wähler zu verlieren.

Jeder der beiden hat eine andere Absicht und nennt komplett unterschiedliche Zahlen, wie viel Geld denn für die Sanierung der Straßen benötigt wird und wie viel dafür schon jetzt zur Verfügung steht. Beide versuchen, ihre Argumente als Fakten darzustellen und wenn man sich selbst darüber schlau macht, stellt man rasch fest, dass die Argumente, die verwendet werden, nur einen Teil der tatsächlichen Fakten beinhalten.

Und dann sollen die Wähler, die keinen Zugang zu den tatsächlichen Fakten haben, entscheiden, welche der beiden Meinungen umgesetzt werden soll.

Meinung ist keine Entscheidungsgrundlage

Selbstverständlich sollte immer Meinungsfreiheit herrschen, jedoch dürfen Meinungen nicht als Grundlage für Entscheidungen, die andere Personen betreffen, genommen werden.

Wie aber soll entschieden werden, wenn es sich um Dinge handelt, die mehrere Personen betreffen? Sicherlich nicht auf der Basis subjektiver Ideen.

Die Lösung ist Objektivität

Objektivität ist nicht die Meinung eines außenstehenden Dritten. Objektiv wird eine Sache erst, wenn alle relevanten Fakten bekannt sind und die Absicht vorherrscht, die für alle Beteiligten beste - man könnte sagen überlebensfreundlichste - Entscheidung zu finden. Man orientiert sich deshalb an einer übergeordneten Zielsetzung. Einfach? Nein, aber möglich!

Zwei Beispiele

In der Politik ist eine übergeordnete Zielsetzung „Das Schützen und Mehren des Allgemeingutes und das Sorgen für Gerechtigkeit". In Unternehmen ist eine mögliche übergeordnete Zielsetzung „Ein gesundes, wachsendes Unternehmen, das langfristig finanzielle Sicherheit und hohe subjektive Lebensqualität für alle Mitarbeiter und Beteiligten sicherstellt".

Definieren Sie Ihre Ziele

Denken Sie über Ihre Absicht hinaus, formulieren Sie Ihre Ziele. Es ist nicht wirklich schwer, eine gemeinsame überlebensfreundliche und übergeordnete Zielsetzung zu definieren. Dies betrifft jede Gruppe von Menschen, egal wie groß oder klein sie ist.

Ein Verein zum Beispiel sollte klar seine Zielsetzung bekannt machen. Ist das Ziel Tabellenführer seiner Liga zu werden oder einfach nur Spaß zu haben. Jeder, der mitmacht, sollte die Zielsetzung des Vereins oder der Gruppe, der er angehört, kennen und akzeptieren. Hat jemand eine andere Zielsetzung als die entsprechende Vereinigung, sollte er nicht daran teilnehmen dürfen und sich eine andere Gruppe suchen oder gründen.

So lange subjektive Meinungen ohne dem Kennen aller relevanten Fakten als Grundlage für Entscheidungen, die auch andere betreffen, verwendet werden, wird es Misserfolg, Armut, Ungerechtigkeit, Streit und Kriege geben. Entscheiden Sie daher nicht aufgrund der Meinung anderer, sondern finden Sie lieber zuerst die entsprechenden Fakten und die tatsächliche Absichten heraus.

„Wählen Sie Meinungsvertreter oder Volksvertreter?"

Lassen Sie sich durch Meinungen beeinflussen? Oder hinterfragen Sie die Absichten und besorgen Sie sich Fakten?

Haben die „Volksvertreter", auch „Verwalter des Staates" oder Politiker genannt, die Sie wählen wollen, tatsächlich die Absicht, das Allgemeingut zu schützen und zu mehren und Gerechtigkeit durchzusetzen? Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Gibt es das überhaupt?" Diese Frage sollten Sie für sich selbst beantworten.

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