Mehr Ethik in der Wirtschaft

15.01.2010 | Ludger Ramme

Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die weltweit zu einem Rückgang der Wirtschaftskraft und neuer Armut geführt hat, hat natürlich ganz bestimmte Ursachen. Diese Ursachen wurden in den Medien auch benannt: Gier und Gewinnsucht um jeden Preis, ungezähmte Risikofreudigkeit und fehlendes Verständnis für hochkomplexe Finanzprodukte.

Für Führungskräfte reicht es aber nicht, kurz über die Krise zu schimpfen und dann zur Tagesordnung überzugehen. Stattdessen haben sie als Vorbilder der Gesellschaft auch die tieferen Ursachen für die Fehlleistungen der Eliten zu untersuchen und Wege zur Vermeidung künftiger Krisen anzubieten. Der Aktionskreis Leistungsträger (AKL) hat versucht, das Thema Ethik in den Mittelpunkt der nötigen Veränderungen im Wirtschaftsleben zu stellen. Der AKL ist ein informeller Zusammenschluss von verschiedenen Verbänden aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die die Interessen von Leistungsträgern in unserer Gesellschaft vertreten. Über den Deutschen Führungskräfteverband ULA werden die Arbeitsergebnisse des AKL kommuniziert. Die 10 Thesen zur Ethik in der Wirtschaft wurden Ende des Jahres 2009 diskutiert und verabschiedet.

1. Ethik ist kein lästiges Hindernis, sondern elementare Voraussetzung für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg

Das Maß der Wirtschaft ist der Mensch. Auch der Wettbewerb ist eine soziale Veranstaltung zum Nutzen der Konsumenten. Erfolg erleichtert ethisches Handeln. Je größer der Erfolg, umso stärker auch die ethische Verpflichtung.

Je anonymer eine Struktur ist, desto schwieriger ist es, Ethik durchzusetzen. Denn die Menschen müssen dann weniger mit Sanktionen ihrer Handlungen rechnen.

2. Jeder ist mit seinem Handeln Vorbild für andere

In ethischen Fragen kann niemandem die Verantwortung für seine Entscheidungen abgenommen werden. Jeder muss ethisches Vorbild für andere sein. Vorbilder, die versagen, beschädigen die Moral.

Im ökonomischen Zusammenhang steigen damit auch die Kosten. Denn mangelndes Vertrauen führt zu höherer Unsicherheit und damit zu höheren Transaktionskosten. Vorhandenes Vertrauen senkt Unsicherheit und Absicherungskosen und beschleunigt Entscheidungen.

3. Gewinnstreben und ethisches Handeln können und müssen miteinander in Einklang gebracht werden

Das Streben nach Gewinn an sich ist wertfrei. Gewinnmaximierung um jeden Preis aber nicht. Auch die Gewinnverwendung ist eine ethische Entscheidung, die die Interessen aller am Unternehmen Beteiligten und das Untenehmen selbst im Blick behalten muss.

4. Nachhaltigkeit ist ethisch

Nachhaltigkeit stärkt die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Ressourcenschonendes Verhalten und „Fair-Trade“ sind wichtige Elemente nachhaltigen Handelns.

5. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Vertrauen ist eine ethische und ökonomische Vorleistung. Vertrauen senkt das Maß an Kontrolle. Ohne hinreichende innere und äußere Kontrolle entgleitet die Moral. Eine innere Kontrolle entsteht durch das Gewissen, eine äußere Kontrolle durch die am Unternehmen und Markt Beteiligten.

6. Haftung stärkt Verantwortung

Mangelnde persönliche Haftung fördert zu große Risikobereitschaft. Haftung hilft bei der Selbstkontrolle und sichert auch äußere Kontrolle. Eine Haftung reduziert die Möglichkeit eines ethischen Fehlverhaltens.

7. Persönliche Integrität ist das Rückgrat für einen verlässlichen Wertekompass

Es gibt kein geschlossenes Bild ethischer Maßstäbe für jede Handlung und jede Situation. Die persönliche Integrität bildet deshalb das Rückgrat für das Handeln des Menschen. Wer integer ist, dem wird vertraut.

8. Jeder ist ein Beteiligter

Das Handeln eines Unternehmens speist sich aus den Entscheidungen der Mitarbeiter, der Kunden, aber auch des Staates. Jede Person ist ein Teil dieses Ganzen und mit diesem Ganzen verbunden.

9. Mut zur Fairness!

Ethisch Handeln im Wettbewerb heißt, nach ausgewogenen und fairen Lösungen zu suchen. Fairness heißt, nicht nur sich als Handelnden zu sehen, sondern immer sein Gegenüber mit in seine Handlungen einzubeziehen. Fairness zahlt sich aus.

10. Wirtschafts- und Unternehmensethik muss verpflichtender Teil der Ausbildung werden.

Aufgabe von Bildung und Ausbildung ist die Vermittlung von ethischem Wissen und die konkrete Verknüpfung dieses Wissens mit der konkreten Verantwortung in einem Unternehmen.

Jeder Einzelne von uns trägt Verantwortung für mehr Ethik im Wirtschaftsleben.

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