Mann-Frau-Problem

13.11.2005 | Rudolf Kuhr

Ursache und Lösung

Das Thema ist nicht neu. Neu ist die Häufigkeit der Erwähnung und der Beschäftigung in der Öffentlichkeit damit. Öfter als jemals zuvor wird darüber geschrieben, gesprochen und geklagt. Wissenschaftliche Arbeiten, Bücher, Zeitungsartikel, Seminare und dergleichen mehr gibt es zum Thema.

Interessant ist, daß selbst in psychologischen, soziologischen und anderen Fachkreisen die eigentliche Ursache des Problems, die biologische Seite so gut wie nicht oder aber ablehnend behandelt wird. Dabei ist eine nachhaltige Lösung ohne Einbeziehung der Ursachen wenig erfolgversprechend.

Ebenso interessant ist, daß sehr schnell über entsprechende Forderungen an Politiker nachgedacht wird. Aus diesen beiden Verhaltensweisen, der Verdrängung der biologischen Ursachen und dem Abschieben der Verantwortung an Andere, geht deutlich hervor, wie wichtig der biologische Gesichtspunkt ist.

Im Mitteilungsblatt einer Bürgerrechts-Organisation ist in einem Artikel über 'Mögliche Ursachen von Jugendgewalt - eine geschlechtsspezifische Betrachtung' zu lesen: "... In diesem Zusammenhang sollte einmal die Tatsache betrachtet werden, dass Gewaltdelikte Jugendlicher - und nicht nur Jugendlicher - fast ausschließlich ein männliches Problem sind; Jugendgewalt ist in den meisten Fällen Jungengewalt. Wer hier mit biologischen Argumenten kommt, verkennt, dass Gewalt ein soziales Konstrukt ist, Geschlechterverhalten ist antrainiertes Rollenverhalten. ..." Hier entsteht bei ganzheitlicher Sicht die Frage: Warum werden die Ursachen eines sozialen Konstruktes - nämlich die biologischen - verdrängt?

Man muß doch gar kein Fachmann oder Wissenschaftler sein und keine entsprechenden Bücher gelesen haben, um die Ursachen des Problems zu erkennen und eine Lösung zu finden. Eine aus dem kollektiven Wissen bezogene Allgemeinbildung und ein ganzheitliches Denkvermögen reichen hierzu völlig aus. Wer die Entwicklung des Menschen aus dem Tier für wahrscheinlich oder natürlich hält, der wird auch eine grundlegende Ähnlichkeit von Verhaltensweisen bei Menschen und Tieren für möglich halten - ein gewisses Maß an Selbstsicherheit vorausgesetzt.

Es bestehen mitunter sehr große Ähnlichkeiten im Körperbau, in den Körperfunktionen und in der Art der Fortpflanzung zwischen Primaten und Menschen. Das Sozialverhalten von Tieren wird eingehend erforscht und auch in den Medien immer wieder ausführlich dargestellt. Es gibt beispielsweise Filme im Fernsehen über die Auseinandersetzungen innerhalb von Gruppen verschiedener Arten von Affen. Da ist zu beobachten, wie der Stärkste die Herrschaft über sämtliche Tiere ausübt, bis er von einem nachwachsenden Jüngeren unter heftigen Kämpfen, die auch zu Verletzungen von Jungtieren führen können, abgelöst wird. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist nähern sich zaghaft weibliche Tiere unter Demutsgesten dem neuen Herrscher, dem sich nun alle unterordnen. Dieses Grundmuster männlicher Dominanz und Aggressivität einerseits und weiblicher Unterordnung und Anpassung andererseits ist ein häufig wiederkehrendes in Populationen höherer Arten.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind Reste dieser grundlegend unterschiedlichen Verhaltensweisen auch noch in den Anlagen des Menschen vorhanden. Viele Beispiele im menschlichen Leben drängen sich geradezu auf: Männer wünschen sich meist Söhne, die ihren Familiennamen und mitunter auch Vornamen weitertragen. Frauen dagegen geben oft ihren Familiennamen bei der Heirat gerne auf. Frauen können jahrelang "aus Liebe" zu ihrem Mann halten, selbst wenn sie immer wieder von ihm geschlagen werden. Männer dagegen können bereits "fremdgehen", selbst wenn sie wirklich noch geliebt werden. Die Beteiligung an Wettstreit, an Prügeleien in Schulen, in Familien und beim Sport, an Karrierestreben, an Machtkämpfen, an Kriminaldelikten, an Kriegen, ist überwiegend Männersache. Selbst als Säuglinge sind bekanntermaßen die Männer schon aggressiver. Und bereits beim Geschlechtsakt ist der Mann ganz natürlich der aktivere und mitunter auch zerstörerische, wenn er die Frau entjungfert. Schon das männliche Sperma zeigt das Grundmuster, indem es sich aktiv auf das weibliche Ei zu bewegt und, die Hülle verletzend, in dieses eindringt. Was liegt da näher, als in der Naturnotwendigkeit des Geschlechtsunterschiedes die Ursache gesellschaftlichen unterschiedlichen Verhaltens zu erkennen und anzuerkennen.

Das Anerkennen der natürlichen Ursachen unterschiedlichen Verhaltens von Mann und Frau muß ja keineswegs eine Rechtfertigung bedeuten, im Gegenteil, nach dem Motto 'Gefahr erkannt - Gefahr gebannt' kann es erst durch dieses Anerkennen der Realität zu einem ursächlichen und damit nachhaltigen Bearbeiten des Problems führen. "Das Tier im Menschen kann nicht ausgerottet werden. Daher muß diesem Tier ins Auge gesehen und mit ihm gelebt werden." Das erkannte ein allgemein geschätzter Psychologe. Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Gewalt in der Welt fast ausschließlich männlich ist, dann wird es auch von diesem Gesichtspunkt her sinnvoll sein, den biologischen Teil als Ursache für Geschlechterkampf und Gewalt zu berücksichtigen. Wer das nicht will, der handelt weder wissenschaftlich, noch ganzheitlich und kann nicht wirklich an nachhaltigen Lösungen interessiert sein.

Erst dann werden die leidigen Symptome der Ungleichheit von Mann und Frau kein
Problem mehr sein, wenn deren biologische Ursache bekannt und anerkannt ist.

Jeder Mensch, Mann und Frau sollten so früh wie möglich wissen, daß der Mann von der Natur her dazu angelegt ist, sich so oft wie möglich mit so vielen verschiedenen Partnern wie möglich zu paaren, um seine Art zu erhalten und zu verbreiten. Das würde es dem Mann erleichtern, Trieb nicht mit Liebe zu verwechseln und der Frau manche Enttäuschung ersparen. Das Verdrängen der Natur ist eine fragwürdige Kultur, denn sie führt nicht zum Ausgleich der naturbedingten Unterschiede, sondern zu deren Verstärkung durch Übertragungen verschiedenster Art und zu den daraus entstehenden vielfältigen Konflikten.

Der Mensch kann immer nur ein halber Mensch sein - entweder der weibliche,
oder der männliche Teil - erst beide zusammen ergeben den ganzen Menschen.

Die Würde des Menschen und die Höhe einer Kultur bestehen nicht aus dem Verdrängen der Natur, sondern aus einer genauen Kenntnis durch Aufklärung und aus einem sinnvollen Einbeziehen solcher Erkenntnis ins tägliche Leben. Die Lösung muß ja nicht in einer ungehemmten Sexualität liegen, es würde durchaus reichen, wenn das Wissen über den Sinn und die Auswirkungen naturgegebener Triebe und über die Möglichkeiten eines kultivierten Umgangs damit ohne Hemmungen verbreitet und in ausgleichender Weise berücksichtigt würde. Hier gäbe es für "Kulturmenschen" noch viel zu lernen und zu üben. Man denke nur an die jüngsten peinlichen Ereignisse um die sogenannte K-Frage unter unseren Spitzenpolitikern, bei denen wohl wieder mal die G-Ursache - sprich Gender - wirksam war.

Kultur ist der letzte Zweck der Natur.
Immanuel Kant

Weiterlesen / Weiterempfehlen

← zurück | Genderpolitik | Rudolf Kuhr | weiterempfehlen →