Karikaturenwettbewerb: Salomos Urteil und der Spiegel der Wahrheit

13.02.2006 | Anne Koark

Mit dem neuen weltweiten Karikaturenwettbewerb mit Holocaust-Karikaturen, bei dem Goldstücke - auf den Gewinner warten, wird das Abendland vom Morgenland herausgefordert.

Die Herausforderung lautet:

"Die westlichen Zeitungen haben diese gotteslästerlichen Bilder unter dem Vorwand der Pressefreiheit veröffentlicht. Lasst uns sehen, ob sie wirklich meinen, was sie sagen, und auch Bilder über den Holocaust drucken", sagte Farid Mortasawi von der Teheraner Zeitung "Hamschahri" (siehe FAZ, 07. Februar 2006).

In vielen Ländern der Welt gehen die Völker auf die Straße. Sie sind empört, dass man mit ihrer Religion so umgeht. Die Politiker der Länder sind besorgt, weil die Proteste unkontrollierte und möglicherweise unkontrollierbare Ausmaße bekommen. Während Stimmen der Wut in vielen Ländern aufkommen, bitten die Vertreter des Morgen- und des Abendlandes, den Streit nicht ausarten zu lassen.

Wie soll man aber hier im Westen in der Frage des vom Iran geforderten freien Abdruckes von Holocaust-Karikaturen entscheiden? Wäre ein Abdruck eine Wiedergutmachung des mangelnden Respekts für die Religion des Morgenlandes? Oder ein Bekenntnis, dass die Missachtung jeglicher Religion nie Teil der Denke werden darf? Oder ist die Bewahrung der im Grundgesetz verankerten Pressefreiheit das oberste Gebot? Wo liegt der Pfad der gegenseitigen Achtung der Grundsätze der beteiligten Gesellschaften, der uns zu einander führt und den Frieden, die Glaubwürdigkeit, die Pressefreiheit und den gegenseitigen Respekt nicht zerreißt?

Es bleibt für uns die Frage, wie ein weiser Mensch bei der Veröffentlichung der Holocaust-Karikaturen hier entscheiden würde.

König Salomo, der die Herrschaft über die Dschinn, Wind und Mensch hatte und den Dschinn befahl, aus dem Meer Schätze zu beschaffen, hatte einen Talisman, auf dem der wahre Name Gottes stand, und mit dem er alles beherrschen konnte. Ihm soll von Allah die Macht über die Tiere übertragen worden sein und er soll die Sprache der Vögel gesprochen haben.

König Salomo wurde einst von zwei jungen Müttern besucht. Beide Frauen wohnten im gleichen Haus. Beide Frauen gebaren lebende Söhne. Bei der einen Frau starb das Kind während der Nacht. Das Kind der zweiten Frau aber lebte. In der Nacht tauschte die Mutter des toten Kindes ihr Kind gegen das lebende Kind der anderen aus. Diese wachte auf und hatte ein totes Kind im Arm. Sie schaute das Kind an und war sicher, dass dieses Kind nicht ihr Sohn war. Beide Frauen behaupteten, dass ihr jeweiliger Sohn das lebende Kind sei. Sie brachten das Kind zum König Salomo und baten ihn zu entscheiden, wem nun das lebende Kind gehörte. Der König ließ sofort ein Schwert bringen. Er schaute die beiden Frauen an und sagte zu seinem Gefolge: "Teilt das lebende Kind in zwei gleiche Teile." Ein Teil des Kindes sollte der einen, der andere Teil der anderen gehören. Die Mutter, deren Sohn lebte, schrie auf und voller Liebe sagte sie zum König Salomo: "Bitte, gebt ihr das lebende Kind. Tötet es nicht." Die andere Frau sagte: "Es soll weder ihr noch mir gehören. Lasst es teilen!" König Salomo entschied, dass das lebende Kind der Frau gegeben werden sollte, die lieber auf ihr eigenes Kind verzichtet hätte, als es töten zu lassen. Das ganze Land sah zum König Salomo hinauf, denn sie sahen in ihm die Weisheit Gottes.

Nun werden wir durch die gegenwärtigen Diskussionen um die Veröffentlichungen von Karikaturen aus dem Wettbewerb aufgefordert, salomonische Weisheit walten zu lassen. Das Kind, das hier zerrissen werden könnte, hat viele Namen. Dieses Kind könnte hier "gegenseitige Achtung", "Verständnis", "Freiheit", "Moral und Ethik", "Ehrlichkeit", oder FRIEDEN heißen.

Schauen wir in den Spiegel der Wahrheit und lassen das Kind im Sinne König Salomos leben! Hoffen wir, dass König Salomo seinen Talisman einsetzt und sowohl die Sprache des Morgenlandes als auch die Sprache des Abendlandes sprechen kann und mit Besonnenheit für beide Seiten eine gerechte Entscheidung treffen kann, die uns alle näher zusammenbringt!

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