Kann denn Tilgung Sünde sein?

24.08.2006 | Egon W. Kreutzer

Der Versuch, die Öffentlichen Haushalte mittels einer Doppelstrategie aus Sparen und Schuldenabbau zu sanieren, ist ungefähr ebenso sinnvoll, wie der Versuch, in den Rumpf eines leckgeschlagenen Schiffes ein zweites Loch zu schneiden, um dem einströmenden Wasser eine Abflussmöglichkeit zu schaffen.

Aus der Perspektive des einzelnen wirtschaftenden Individuums ist nur schwer zu erkennen, ob der forcierte Abbau von Staatsschulden tatsächlich ein Segen für künftige Generationen sein wird, wie es die Argumentation der Befürworter besagt, oder ob der hierzulande eingeschlagene Weg direkt ins größtmögliche finanzpolitische Desaster führt.

Der gesunde Menschenverstand sagt, dass Schuldenmachen schlimm, aber bisweilen unvermeidlich sei, fordert jedoch, dass ein jeder Schuldner versuchen muss, seine Schulden schnellstmöglich wieder abzutragen. Nicht nur, weil es sich ohne Schuldenlasten leichter und besser leben lässt, sondern vor allem auch, damit der großmütige Gläubiger bald wieder über sein Geld verfügen kann. Diese Grundeinstellung zu Schulden und Tilgung ist so fest im kollektiven Bewusstsein verankert, dass "Schuldner" zu sein, von den meisten Menschen eher als ein Defekt in der Persönlichkeitsstruktur angesehen wird, denn als die bewusst in Kauf genommene Folge rationaler Entscheidungen.

Weil "Schulden-Haben" den Schuldner moralisch deklassiert, wird Tilgung zur Tugend. Tilgung ist der Weg, über den der Schuldner zurückfindet in die Gemeinschaft der unschuldigen, also "unbescholtenen", schuldenfreien Mitglieder der Gesellschaft.

Der gesunde Menschenverstand lässt uns glauben, wenn niemand Schulden hätte, ginge es allen gut.

Leider führt der gesunde Menschenverstand bei dieser Thematik in die Irre, weil er nicht zu erkennen vermag, dass die Landkarte, an der er sich orientiert, und das Terrain, auf dem er sich bewegt, nicht übereinstimmen. Der gesunde Menschenverstand macht keinen Unterschied, ob er sich eine Tasse Mehl, einen Kugelschreiber, ein Fahrrad, ein Auto, oder eben Geld borgt.

Die ganz erheblichen Unterschiede zwischen dem Verleihen einer Sache und der Vergabe eines Kredits sind gut kaschiert, aber nicht unauffindbar. So ist es sicherlich gut, wenn Mehl, Kugelschreiber und Fahrrad dem Eigentümer schnellstmöglich zurückgegeben werden. Beim Geld sieht die Sache anders aus. Vor allem ist die Sache mit der Rückzahlung des Kredits längst nicht ausgestanden.

Wenn die Tilgung aller Schulden tatsächlich ein gutes Stück weit vorankäme, ergäben sich volkswirtschaftlich höchst problematische Szenarien.

1. Rückläufige Zinserträge

Wenn Schulden abgebaut werden, nehmen die Zinserträge ab. Einerseits, weil die Restschuldsummen sinken, andererseits weil die Nachfrage nach Krediten geringer wird (wer ernsthaft tilgt, verschuldet sich nicht neu).

Die Tilgung von Staatsschulden führt also direkt zu einer Minderung der Einkommen der Gläubiger. Mit fortschreitender Tilgung werden Sparbücher, Lebensversicherungen, Pfandbriefe und auch Tagesgeldkonten immer weniger lukrativ und folglich, sobald die ersten Öffentlichen Haushalte tatsächlich schuldenfrei sind, ganz vom Markt verschwinden. Wo keine Schuldner sind, gibt es keine Gläubiger, wo keine Zinsen gezahlt werden, können auch keine Zinsen eingenommen werden. Die Geldinstitute müssten einen Großteil ihrer Mitarbeiter entlassen, was für die Betroffenen auch nicht schön wäre, aber noch schlimmer würde es diejenigen treffen, die darauf hofften, dass ihr Erspartes so viel Zinsen trägt, dass sie (im Alter) gut davon leben könnten. Die gucken sehr tief und nachhaltig in die Röhre. Eine Gesellschaft, die weder Gläubiger noch Schuldner kennt, ist eine Gesellschaft, in der es gerade denjenigen, die bei uns derzeit als "Leistungsträger" gelobt werden, um einiges schlechter geht. Die Bezieher hoher Einkommen, die vom Überschuss Rücklagen bilden, sowie die Sparsamen, die stets darauf achten, nur so viel zu konsumieren, dass ihnen stets ein Notgroschen bleibt, werden schlechter gestellt. Ihnen fehlen die Einkünfte aus den Zinsen ihres Vermögens.

Das ist beileibe keine Kleinigkeit. Die Einkünfte aus Zinsen machen in der Summe sogar einen ganz erheblichen Brocken aus. Der Betrag schwankt allerdings erheblich. Bei den derzeit sehr niedrigen, durchschnittlichen Zinssätzen dürfte er sich bei "nur" rund 400 Milliarden Euro pro Jahr bewegen, die von inländischen Schuldnern als Zinsen an ihre Gläubiger gezahlt werden. Ziehen die Zinsen an, steigt der Zinsertrag zumindest im gleichen Maße. Aus 400 Milliarden können dann schnell 600 oder 800 Milliarden werden.

Diese aus der vollständigen Tilgung aller Schulden resultierende Folge kann man als furchtbar, oder als großartig ansehen, je nachdem, ob man als Schuldner, oder als Gläubiger davon betroffen ist.

Die führenden Politiker im Lande gefallen sich zur Zeit in der Rolle der naiven Schuldner, denen keine Hürde zu hoch, keine Last zu schwer ist, wenn es darum geht, mit massiven Tilgungsanstrengungen dafür zu sorgen, uns Steuerzahlern, unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln die Last der drückenden Zinsen zu mildern. Ausgeglichene Haushalte, ohne Neuverschuldung, mit der Aussicht irgendwann gar keine Schulden mehr zu haben, sind überall im Lande die primäre Zielsetzung.

Ist es da nicht seltsam, dass "das Kapital" diesen Tilgungsanstrengungen in aller Ruhe zusieht, ohne wütend auf die Barrikaden zu gehen, um sich seine Pfründe zu sichern?

Doch, seltsam ist das schon.

Dass das Kapital so ruhig bleibt, liegt daran, dass Tilgen gar nicht so einfach ist. Genau genommen ist die vollständige Tilgung aller Schulden vollkommen unmöglich.

2. Die mit dem Schuldenabbau wachsende Schwierigkeit, weiter zu tilgen

Die mit großem Pathos vorgetragene Phrase: "Wir müssen aufhören, über unsere Verhältnisse zu leben!", erweckt den Eindruck, es käme nur darauf an, als Politiker den Mut aufzubringen, auf kostspielige Wahlversprechen zu verzichten und vorhandene Sparpotentiale zu nutzen. Es bräuchte nur den Willen, Begehrlichkeiten zurückweisen, und schon sei genügend Geld da, um ohne Neuverschuldung auszukommen, dabei sogar noch zügig zu tilgen und den Haushalt binnen einiger Jahre schuldenfrei zu stellen.

Wer solches Gewäsch verbreitet, hat nicht nur keine Ahnung, was Geld eigentlich ist, er beherrscht offensichtlich noch nicht einmal die Grundrechenarten.

Selbst bei vollständiger Auflösung des Staates, der Länder, der Gemeinden und aller öffentlichen Einrichtungen, also bei vollständigem Verzicht auf Parlamente, Regierung, Gerichtsbarkeit und Militär, bei vollkommener Streichung aller Gehälter und Pensionen, bei vollkommener Streichung aller öffentlichen Aufgaben, vom Zuschuss zur Rentenversicherung bis zum Bundesfernstraßenbau, von der Errichtung und dem Betrieb von Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Friedhöfen, bis zu Landesforstverwaltungen, Forschungsförderung und Entwicklungshilfe, wenn also die gesamte öffentliche Hand nur noch aus einem einzigen Tilgungsüberweisungsbeamten bestünde, dessen ehrenamtliche Aufgabe es wäre, alle - dennoch unverändert hohen - Steuereinnahmen unverzüglich an die Gläubiger zu überweisen, würden volle vier Jahre vergehen, bis die Republik von den (offiziell zugegebenen) Schulden befreit wäre. Ein unvorstellbares Szenario. Vier Jahre totaler Anarchie, und als Ergebnis ein vollkommen verwüstetes Land.

Aber wenn es so schnell(?) schon nicht gehen kann, wie schnell könnte es denn überhaupt gehen?

Unternehmensberater, die ein Unternehmen für den Augenblick des Verkaufs gut aussehen lassen wollen, also auf alles verzichten, was kurzfristig verzichtbar ist, ohne dabei auch nur einen Augenblick an die langfristigen Folgen zu denken, trauen sich nur selten zu, die Kosten eines Unternehmens mittels pauschaler Budgetkürzungen um mehr als 7,5 Prozent senken zu können.

Der Bundeshaushalt für 2006 hat ein Volumen von 261,6 Milliarden Euro. Hier eine pauschale Kürzung von 7,5 % anzusetzen, hieße, den Haushalt auf 243 Milliarden einzudampfen. Weil der Staat für 2006 aber nur Einnahmen in Höhe von 223,4 Milliarden erwartet, bliebe immer noch die Notwendigkeit, zusätzlich Schulden in Höhe von 19,6 Milliarden aufzunehmen.

Um überhaupt eine minimale Netto-Tilgung zu erreichen, wären auf Bundesebene also Etatkürzungen um 15 Prozent erforderlich. Bei den Ländern und Gemeinden dürfte die Situation ähnlich sein. Ob Staat und Bürger dies durchhalten könnten, darf getrost bezweifelt werden.

3. Die verheerenden Folgen des Schuldenabbaus für die Volkswirtschaft

Die Auswirkungen der Tilgungsleistungen des Staates auf den Rest der Volkswirtschaft sind bisher noch gar nicht betrachtet worden. Doch Schuldenabbau ist ein Prozess, der weit über die Beziehung Schuldner : Gläubiger hinaus wirkt. Geld, das vom Staat als Steuern eingesammelt, aber - weil es zur Tilgung verwendet wird - nicht wieder ausgegeben wird, ist dem Kreislauf der Realwirtschaft zunächst einmal entzogen.

Banken, wie auch private Gläubiger, denen Tilgungsleistungen zufließen, müssten in gleicher Höhe neue Kredite vergeben, oder einen eventuell verbleibenden Differenzbetrag vollständig für Konsum und Investitionen ausgeben, wenn die Geldmenge stabil bleiben soll. Es ist jedoch eine Binsenweisheit, dass private Gläubiger ihr Geld regelmäßig nicht verleihen, weil sie freiwillig Konsumverzicht leisten wollen, sondern weil sie keine andere Verwendung dafür haben.

Das für Tilgungszwecke aufgewendete Geld wird folglich, wenn nicht im mindestens gleichen Umfang neue Kredite ausgereicht werden, weitgehend nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückkehren. Die umlaufende Geldmenge wird damit tendenziell um so kleiner, je mehr getilgt wird. Es stellt sich eine deflationäre Situation ein. Preise und Löhne sinken, die Arbeitslosigkeit wächst, Steuereinnahmen und Beitragsaufkommen der Sozialversicherung gehen zurück. Die beabsichtigte Tilgung kann aus den rückläufigen Einnahmen nicht mehr finanziert werden. Weitere Einschnitte bei den Ausgaben der öffentlichen Haushalte sind unvermeidlich. Bedienstete von Bund, Ländern und Gemeinden werden entlassen, frei werdende Stellen nicht wieder besetzt, Löhne und Gehälter gekürzt. Dies führt direkt zu Kaufkraftverlust auf dem Binnenmarkt, wo Umsatzeinbrüche um wenige Prozent bei vielen Unternehmen aber bereits dazu führen, dass wegen hoher Fixkosten statt Gewinnen Verluste geschrieben werden.

Personalabbau und Insolvenzen sind die Folge. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter an. Ab einem gewissen Schwellenwert im Verhältnis zwischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Gesamtbevölkerung sind die Kosten der sozialen Sicherungssysteme mangels Beitragszahlern nicht mehr finanzierbar. Massive Leistungsbeschränkungen führen kurzfristig zu scheinbaren Entlastungen des Systems. Die dadurch weiter reduzierte Binnenkaufkraft mindert jedoch die Einnahmen des Staates und der sozialen Sicherungssysteme zusätzlich. Eine teuflische Abwärtsspirale ist in Gang gesetzt und kaum mehr aufzuhalten.

Wenn die Regierung dennoch nicht aufhört, Kaufkraft aus dem Markt zu tilgen, schwimmen die Gläubiger im Tilgungsgeld. Ihre Suche nach Schuldnern mit ausreichender Bonität gestaltet sich jedoch immer schwieriger. Jetzt trifft es sich gut, dass dem tilgungswütigen Staat die Einnahmen wegbrechen. Die selbst geschaffene Not, zwingt vermeintlich dazu, sich vom so genannten Tafelsilber zu trennen und spült den Gläubigern, die in Geld schwimmen, das nicht mehr verliehen werden kann, die realen Werte des Volksvermögens wie im Schlaraffenland direkt in den weit aufgerissenen Heuschreckenrachen. Erst werden die Staatsunternehmen privatisiert, dann die Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur verkauft und zuletzt jeder Quadratmeter staatlichen Grundbesitzes.

Absehbar ist jedoch:

Wenn in nicht allzuferner Zukunft die letzte Bahn-Aktie verkauft sein wird, ist auch diese Quelle endgültig ausgetrocknet. Dann wird auch der - einer raffinierten Täuschung zum Opfer gefallene - gesunde Menschenverstand zu der Erkenntnis gelangen:

4. Tilgung ist vollkommen unmöglich!

Es stellt sich nämlich heraus, was auch heute bei vernünftiger Würdigung der Sachlage schon erkennbar wäre: Es gibt - aus nur scheinbar unerklärlichen Ursachen - weit mehr Schulden als Geld.

Alleine die Schulden der öffentlichen Hände belaufen sich auf eintausendfünfhundert Milliarden Euro. Der Bargeldumlauf im Wirtschaftsraum der Bundesrepublik Deutschland liegt bei weniger als 100 Milliarden Euro, die Summe der Sichtguthaben auf Girokonten bewegt sich bei etwa 500 bis 600 Milliarden Euro.

Wenn es hoch kommt, stehen also 700 Milliarden Euro Liquidität zur Tilgung von Schulden zur Verfügung. Das ist alles.

Wenn diese 700 Milliarden zur Tilgung verwendet worden sind und keine neuen Kredite ausgereicht werden, ist das Geld definitiv zu Ende.

Die Wirtschaft, des Zahlungsmittels beraubt, fällt zurück auf die Entwicklungsstufe des Tauschhandels - und die Gläubiger können auf Tilgung klagen, so lange sie wollen, davon kehrt das Geld nicht zurück.

Viele Menschen kämen von sich aus niemals auf die Idee, dass ein solcher Fall jemals eintreten könne. Der logische Schluss, es müsse ganz einfach schon deshalb genug Geld geben, um alle Schulden bezahlen zu können, weil das Geld doch auch da war, als es verliehen wurde, überzeugt aber nur bei flüchtiger Betrachtung. Bei näherem Hinsehen entpuppt er sich als ein verhängnisvoller Irrtum.

Dieser Irrtum wurzelt darin, dass vieles, was wir leichtfertig als Geld bezeichnen oder für Geld halten, in Wahrheit gar keines ist.

Aktien, zum Beispiel, sind kein Geld - Aktien sind Anteilsscheine an Unternehmen. Um Aktien zu erwerben, muss man Geld abgeben. Wer als Käufer, statt Geld auf dem Girokonto, danach die Aktien im Depot hat, ist zwar - wenn die Kurse nicht fallen - weiterhin reich, aber er hat eben kein Geld mehr. Das sollte unstrittig sein.

Festverzinsliche Wertpapiere sind ebenfalls kein Geld. Es sind "normierte" Schuldscheine. Wer einen Pfandbrief besitzt, hat dafür Geld hergegeben und erwartet zur Fälligkeit die Rückzahlung von Geld. Auch das ist nicht schwer zu verstehen.

Das Guthaben auf einem Sparbuch ist ebenfalls kein Geld.

Das wird jetzt schwieriger. Schließlich ist der Sprachgebrauch ganz anders. Niemand kommt auf die Idee, sein Sparguthaben als: "Meine im Sparbuch dokumentierte Forderung gegen die Bank", zu beschreiben. Üblich ist stattdessen: "Ich habe ein bisschen Geld auf dem Sparbuch."

Aber weder ist auf dem Sparbuch Geld, noch ist das Sparbuch selbst Geld. Versuchen Sie einfach einmal, mit Ihrem Sparbuch an der Supermarktkasse zu bezahlen. Es funktioniert nicht; ein Sparbuch ist kein Geld.

Das merkt vor allem derjenige, der ein etwas höheres Guthaben auf dem Sparkonto hält, wenn er sein Sparguthaben in Geld umtauschen will. Dann wird ihm nämlich die freundliche Schalterbeamtin geduldig erklären, was es mit der "gesetzlichen Kündigungsfrist" auf sich hat, aber nicht bereit sein, innerhalb eines Monats mehr als 1.500 Euro aus dem Sparguthaben auszuzahlen. Wer mehr abheben will, muss für den entsprechenden Betrag eine dreimonatige Kündigungsfrist einhalten.

Geld das bei Sparkasse oder Bank zur Gutschrift auf ein Sparbuch eingezahlt oder (zumeist) überwiesen wurde, verwandelte sich bei dieser Transaktion von flüssigem Geld in ein Guthaben. Dieses Guthaben stellt aber lediglich einen Anspruch des Sparers auf Geld dar, den er unter Einhaltung der Kündigungsfristen geltend machen kann, wenn das Sparguthaben wieder in Geld zurückverwandelt werden soll.

Diese feine Unterscheidung ist schon etwas schwerer zu verstehen, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, etwas schärfer zwischen allen Arten von Anlageformen einerseits und den liquiden Mitteln andererseits zu unterscheiden, wird sich auch diese Erkenntnis im Denken festigen.

Bleibt festzuhalten:

Bargeld und Sichtguthaben auf Girokonten können als Zahlungsmittel verwendet werden. Man kann damit einkaufen, Steuern bezahlen sowie Zins- und Tilgung entrichten.

Alle nicht sofort und unmittelbar verfügbaren "Geldanlagen" beruhen auf einem Schuldverhältnis, dessen Kern ein (terminierter) Anspruch auf Geld ist. Der Anleger ist hierbei der Gläubiger und in aller Regel ist eine Bank (oder der Staat - seltener ein anderes Großunternehmen) der Schuldner. Wer Anlageformen wählt, deren Nominalwert in Geld ausgedrückt wird, die Bandbreite reicht vom Tagesgeldkonto bis zum Pfandbrief der Hypothekenbank, hat damit lediglich einen Anspruch auf Geld, der erst zum Kündigungs- oder Fälligkeitstermin geltend gemacht werden kann.

Das Geld, das er dafür aufgewendet hat, besitzt er nicht mehr, auch wenn er noch so schöne Dokumente, Zertifikate und Sparbücher in der Hand hält. Das sind alles nur besondere Formen von Schuldscheinen, deren Rückzahlung er verlangen muss, um wieder zu Geld zu kommen.

Der Einfachheit halber (und nur für den Laien irreführend) wird dieses in "Schuldscheinen" angesammelte Vermögen gerne als "Geldvermögen" bezeichnet. Geldvermögen ist also kein Geld, sondern der Anspruch des Gläubigers auf Geld. Folglich gilt:

Dem Geldvermögen stehen
zwangsläufig terminierte Zahlungsverpflichtungen, also Schulden,
in gleicher Höhe gegenüber.

Fatal ist:

Nur Bargeld und Sichtguthaben auf Girokonten können zur Tilgung
von Schulden verwendet werden.

Im Wirtschaftsgebiet der Bundesrepublik Deutschland gibt es etwa 80 Milliarden Bargeld in Form von Banknoten und Münzen und etwa 500 bis 600 Milliarden Euro Guthaben auf Girokonten. Alleine die Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden sind mit 1.500 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch. Der Gesamtstand der Schulden von Öffentlichen Händen, Unternehmen und Privathaushalten kann mit über 4 Billionen Euro angenommen werden.

Es ist also absolut unmöglich, mit dem vorhandenen Geld auch nur die Schulden der Öffentlichen Haushalte zu tilgen.

Und deshalb ist es überhaupt nicht seltsam, dass das Kapital den Tilgungsanstrengungen der Politik in aller Ruhe zusieht.

Es braucht nicht wütend auf die Barrikaden zu gehen, um sich seine Pfründe zu sichern, der Versuch, die Öffentlichen Haushalte zu entschulden ist noch aussichtsloser als Don Quichottes heroischer Kampf gegen die Windmühlen.

Leider kommen immer wieder kluge Volkswirtschaftler daher und erklären das ganze Problem für nicht existent. Ihre Erklärung: Geld gehe durch Tilgung nicht verloren. Die Empfänger von Tilgungsleistungen würden es für Konsum und Investitionen wieder ausgeben, oder es verwenden um eigene Schulden zu tilgen. Und wenn Sie es bei den Banken anlegen, dann stünde es doch zumindest anderen Kreditnehmern wieder zur Verfügung.

Dies ist allerdings falsch.
Es ist sogar doppelt falsch.

5. Tilgung entzieht der Realwirtschaft Geld

Zu behaupten, dass Gläubiger empfangene Tilgungsleistungen regelmäßig und (im Sinne der Argumentation notwendigerweise auch vollständig) dazu nutzen, um damit offene Rechnungen zu bezahlen oder gar um ihrerseits eigene Schulden zu tilgen, geht weit über das hinaus, was noch als eine naiv-vereinfachende Annahme entschuldigt werden könnte.

Die meisten Gläubiger - und vor allem diejenigen mit den größten Ausleihungen - haben doch gar keine Schulden. Ihr Geld sucht, kaum dass es von einer Ausleihung zurückkommt, einfach nur eine neue Anlagemöglichkeit, also einen neuen Schuldner.

Das für Tilgungsleistungen aufgewendete, umlaufende Geld steht also den Kreisläufen der Realwirtschaft so lange nicht zur Verfügung, bis es erneut verliehen wird.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Für einen Großteil des zur Tilgung verwendeten Geldes sieht die Realität noch weit schlimmer aus.

6. Tilgung von Bankdarlehen vernichtet Geld

Ein großer Teil des liquiden Geldes wird im Rahmen von Tilgungsvorgängen tatsächlich vollständig vernichtet. Immer dann, wenn Geld zur Tilgung eines Darlehens einer Geschäftsbank verwendet wird, hört es auf, zu existieren.

Am einfachsten lässt sich das vielleicht am Beispiel einer Überweisung auf ein überzogenes Gehaltskonto erläutern:

Die Behauptung:

"Wenn ein Arbeitgeber am Ende des Monats 2.000 Euro Geld auf das um 3.000 Euro überzogene Gehaltskonto eines Angestellten überweist, so löst sich dieses Geld im Augenblick der Buchung vollständig auf.",

Der Beweis:

Ergibt sich aus den, durch die Gehaltsüberweisung ausgelösten, Veränderungen auf den Konten aller Beteiligten.

a) Das Konto des Arbeitgebers

Das Guthaben auf dem Konto des Arbeitgebers wurde um 2.000 Euro reduziert.

Hier sind definitiv 2000 Euro abgeflossen.

b) Die Bank des Arbeitgebers

Der Anspruch des Arbeitgebers gegen die Bank, nach Belieben über das Guthaben auf dem Girokonto verfügen zu können, hat sich um 2.000 Euro vermindert. Insoweit ist das Vermögen der Bank zunächst gewachsen, doch gleichzeitig ist die Bank verpflichtet, aus ihrem Guthaben bei der Zentralbank 2.000 Euro auf die Bank des Arbeitnehmers zu übertragen. Per Saldo hat sich durch die Verfügung des Arbeitgebers am Vermögen seiner Bank nichts verändert, denn Guthaben und Verbindlichkeiten sind um den gleichen Betrag gesunken.

c) Die Bank des Arbeitnehmers

Dem Zentralbankkonto der Bank des Arbeitnehmers wurden 2.000 Euro gutgeschrieben. Insoweit ist das Vermögen der Bank zunächst gewachsen, doch gleichzeitig hat sich die Forderung der Bank gegen den Arbeitnehmer um 2.000 Euro reduziert, sein Konto ist schließlich nur noch um 1.000 Euro überzogen, statt der vorherigen 3.000. Per Saldo hat sich also auch am Vermögen der Bank des Arbeitnehmers nichts verändert. Die Forderung gegen die Zentralbank ist gewachsen, die gegen den Arbeitnehmer um den gleichen Betrag gesunken.

d) Das Konto des Arbeitnehmers

Das Konto des Arbeitnehmers weist statt einer Schuld von 3.000 Euro nur noch eine Schuld von 1.000 Euro auf. Auf seinem Girokonto sind weiterhin nur Schulden verzeichnet. Es befand sich dort weder vor der Überweisung Geld, noch ist nach Eingang der Überweisung auf dem Konto des Arbeitnehmers Geld zu finden. Verändert hat sich lediglich seine Möglichkeit, sich im Rahmen seines Kreditrahmens neu zu verschulden.

Fazit über alle Konten

Vom Konto des Arbeitgebers 2.000 Euro abgeflossen. Geld, das vorher als liquides Guthaben existierte, hat sich im Augenblick der Haben-Buchung auf dem Girokonto des Arbeitnehmers, gemeinsam mit einer gleich hohen Schuld, in Nichts aufgelöst. Am Vermögen der einzelnen beteiligten Banken hat sich nichts verändert, die Summe der Zentralbankguthaben der beteiligten Banken (und des gesamten Bankensystems) sind unverändert geblieben.

2.000 Euro sind durch Tilgung vollständig aus der Welt verschwunden - genau so geräuschlos, wie sie zuvor im Zuge einer Kreditgewährung entstanden sind.

7. Der wahre Tilgungswahnsinn

Der Versuch, Ausgaben zu begrenzen und Staatsschulden durch Tilgung zu mindern, führt dazu, dass vorhandenes Geld aus dem Umlauf herausgenommen wird. Teils löst es sich, wie vorstehend geschildert, bei den Banken im Zuge der Tilgung in Nichts auf, teils wird es bei anderen Gläubigern (Nichtbanken) angesammelt, wo es in aller Regel festgehalten wird, bis sich jemand findet, der es erneut gegen Zins zu leihen nimmt.

Wird zurückgezahltes Geld erneut verliehen, ist es in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung völlig gleichgültig, wer sich zuvor entlastet hat. Die Gesamtverschuldung und damit die Gesamtzinsbelastung ist, sobald das Geld als neuer Kredit wieder in Umlauf ist, nicht geringer geworden, in aller Regel hat sich die Lage sogar verschärft. Wenn nämlich der Staat wegen seiner Tilgungsmanie als Schuldner ausfällt, müssen Privatpersonen und Wirtschaftsunternehmen als Kreditnehmer in die Bresche springen. Mit denen werden jedoch in aller Regel höhere Zinssätze vereinbart, als mit dem guten Schuldner Staat.

Nur wenn das zur Tilgung verwendete Geld weder erneut verliehen, noch durch neue Bankkredite ersetzt wird, sinkt die Gesamtverschuldung und damit die gesamtwirtschaftliche Zinslast. Gleichzeitig schwindet aber auch die umlaufende Geldmenge, das Ergebnis ist eine deflationäre Entwicklung.

Der grassierende Tilgungswahnsinn führt also dazu, dass Produktion, Dienstleistung und Handel innerhalb weniger Jahre in Schwierigkeiten geraten und nach und nach vollständig zum Erliegen kommen, weil das durch Tilgung stillgelegte - beziehungsweise sogar vollständig vernichtete - Geld nicht mehr zur Verfügung steht, um die wirtschaftlichen Transaktionen im notwendigen und gewohnten Umfang unterstützen zu können.

Die Folge ist ein galoppierender Crash, der nur dadurch aufgehalten werden könnte, dass die stillgelegte Geldmenge durch ausreichende Neuverschuldung ersetzt wird.

Ausreichend ist die Neuverschuldung aber immer nur dann, wenn damit nicht nur das für die Tilgung- sondern auch das für die Zinslasten benötigte Geld regelmäßig und rechtzeitig geschöpft wird. Hierzu hat Alexander Czerny eine hervorragende Analyse geliefert.

Tilgung des Staates, mit dem Ziel, die Öffentlichen Hände zu entschulden, kann also bei Aufrechterhaltung einer ausreichenden Geldversorgung nie mehr bewirken, als die Verlagerung von Zinslasten auf andere Wirtschaftssubjekte. Es handelt sich um ein unsinniges Schwarzer-Peter-Spiel.

Gelingt es aber nicht, die ausreichende Geldversorgung aufrecht zu erhalten, entsteht unweigerlich Deflation.

Die für den gesunden Menschenverstand und jeden interessierten Bürger bittere Erkenntnis lautet also:

Das herrschende Finanzsystem zwingt dazu, entweder die Schulden weiter wachsen, oder die Volkswirtschaft an Geldmangel ersticken zu lassen. Eine dritte Möglichkeit ist innerhalb dieses Systems nicht vorgesehen.

8. Wie entsteht Geld eigentlich?

Der Tilgungswahn der Politik zeugt von weitgehender Unkenntnis über die Entstehung von Geld. Einige provozierende Fragen - und die passenden Antworten dazu - entlarven so manche unsinnige Argumentation:

Schafft Ausgabenbeschränkung Geld?

Ausgabenbeschränkung führt dazu, dass weniger Geld benötigt wird. Aber: Wer kein Geld hat und davon nichts ausgibt, wird trotzdem auch weiterhin kein Geld haben.

Schafft Geldanlage Geld?

Wer Geld anlegt, bekommt dafür in aller Regel Zinsen. Aber Zinsen sind Geld, das, bevor es dem Gläubiger gutgeschrieben werden kann, irgendwo anders entstanden sein muss. Wäre es anders, bräuchte man ja wirklich nur je einen männlichen und einen weiblichen Hundert-Euro-Scheine in den Safe legen und warten, bis sich auf wundersame Weise der Nachwuchs einstellt.

Schafft Arbeit Geld?

Durch Arbeit entstehen Produkte und Leistungen, durch Arbeit werden Bodenschätze gehoben und Ernten eingebracht, aber es entsteht dabei kein Geld. (Die vermeintliche Ausnahme entpuppt sich im übernächsten Absatz als Irrtum.)

Schafft wenigstens unbezahlte Mehrarbeit Geld?

Natürlich auch nicht. Durch unbezahlte Mehrarbeit entstehen ebenfalls nur Produkte und Leistungen, aber kein Geld.

Schaffen die Bundesbank oder die EZB Geld?

Interessante Frage. Zur Geldschöpfung der Zentralbanken sind viele abenteuerlich falsche Annahmen im Umlauf. Die Wahrheit ist einfach und ernüchternd. Die Zentralbanken lassen zwar die Banknoten drucken, aber was da entsteht und im Keller der Zentralbank liegt, ist nichts als bedrucktes Papier. Mehr als bedrucktes Papier können die Zentralbanken nicht herstellen. Erst wenn sich jemand die Scheine leiht, wenn also über einen Kredit ein Guthaben-Schulden-Paar in die Welt gesetzt wird, kommen sie ans Licht und sind damit zu Geld geworden.

Wie also entsteht Geld wirklich?

Geld gibt es in unserem Finanzsystem nur und ausschließlich dadurch,
dass jemand einen Kredit aufnimmt und sich verschuldet.

Die Bank verleiht nicht das Geld der Sparer.

Das Geld, das von den Banken verliehen wird, entsteht per Kreditvertrag mit Hilfe einfacher Buchungen. Es war vorher nicht vorhanden und es verschwindet bei der Tilgung wieder vollständig aus der Welt.

Das ganze ist durchaus keine Hexerei:

Die Bank stellt per Buchung auf dem Kreditkonto fest, dass der Kunde 1.000 Euro Schulden hat, und durch die gleichzeitige Buchung auf dem Girokonto des gleichen Kunden dokumentiert sie, dass er darüber frei verfügen darf. Weder die Bank, noch der Kunde werden durch diesen Vorgang reicher. Der Kunde, der vorher weder ein Guthaben, noch eine Schuld hatte, hat nun beides - und beides gleicht sich per Saldo aus.

Aus der einfachen Formel 0 = 1 - 1
(Aus dem Nichts werden zugleich Guthaben und Schuld - aus Schuld und Guthaben wird bei Tilgung wieder Nichts)

wird das Geld in dem Augenblick freigesetzt, in dem der Bankkunde über das frisch geschaffene Guthaben verfügt. Bei ihm bleibt dann die Schuld alleine stehen, das Guthaben steht einem Dritten (z.B. dem Empfänger einer Überweisung) als freies, unbelastetes Geld zur Verfügung. Er braucht es nicht zurückzahlen, er hat Geld.

Der Schuldner, der das Guthaben als Geld an Dritte abgegeben hat, muss sich allerdings bemühen, selbst wieder irgendwie zu Geld zu kommen, damit er seinen Zahlungsverpflichtungen aus dem Kredit pünktlich nachkommen kann. Er muss also arbeiten, produzieren, dienstleisten, um das ausgegebene Geld rechtzeitig zurück zu erhalten.

Das Prinzip ist eigentlich genial!

Es entspricht nahezu dem Ideal einer geldgestützten Tauschwirtschaft, weil die Geldmenge - bei ausreichender Kreditgewährung - stets ziemlich exakt dem Bedarf der Handelspartner zur Abwicklung ihrer Transaktionen entspricht, also auch weitgehend frei von Geldwertschwankungen bleiben sollte.

Die Sache hat nur einen Haken:

Es gibt nämlich in unserem Geldsystem niemals genügend Geld, um alle Schulden zurückzahlen zu können.

Das erklärt sich ganz einfach daraus, dass auf jede Schuld Zinsen fällig werden. Das Geld, das zur Bezahlung der Zinsen benötigt wird, wird aber bei der Kreditgewährung nicht mit hergestellt - es fehlt.

Und mit jeder Zinsfälligkeit wird der Fehlbetrag größer. So bauen sich Guthaben und Schulden auf, doch das zur Tilgung der Schulden erforderliche Geld fehlt, es kann nur durch neuerliche Kreditaufnahme überhaupt in die Welt gesetzt werden.

So kann es also nicht ausbleiben, dass alleine zur Bedienung der Zinsforderungen regelmäßig neue Kredite ausgereicht und neue Schuldverhältnisse eingegangen werden müssen. Die Verschuldung des Staates und seiner Bürger muss stetig wachsen und tut das auch. Wer versucht, gegen diesen Prozess mit forcierter Tilgung anzugehen, rennt nur noch tiefer in die Falle. Er ist nicht klüger als jener Narr, der sein sinkendes Schiff durch ein zusätzliches Leck vor dem Untergang bewahren will.

Das also, ist das Grundprinzip unseres Geldsystems.

Nun gelangen wir damit an die Grenzen. Das System droht zu kollabieren.

Wieder einmal.

Statt weiter das Heil in einem heillosen Tilgungswahn zu suchen, wäre es an der Zeit, das Übel an der Wurzel zu packen und den Fehler im Geldsystem zu korrigieren.

Wer jedoch auf "Teufel komm raus!" unbeirrbar weiter tilgen will, der sollte wenigstens ganz ehrlich erklären, wer sich - statt der Öffentlichen Hände - verschulden soll, damit diesen das Geld für ihre Tilgungsanstrengungen zur Verfügung steht. Und jene, die unbelehrbar weiterhin behauptet, die Entschuldung der Öffentlichen Haushalte sei zu schaffen, ohne dass deshalb an anderer Stelle neue Schulden aufgenommen werden müssten, die mögen bitte erklären, woher das Geld dafür kommen soll, wenn die maximal verfügbaren 700 Milliarden im Tilgungsloch versenkt sind.

Weder Herr Steinbrück, noch irgendeiner unserer spar- und tilgungsfreudigen Ministerpräsidenten werden diese Fragen auch nur im Ansatz beantworten können.

Allerdings wäre es möglich, dass sie beim ruhigen Nachdenken feststellen, dass es besser wäre, sie würden mithelfen, das Geldproblem zu lösen, als damit fortzufahren, das Land in sinnlosem Tilgungsbemühen kaputt zu sparen.

So viel zur Beschreibung der Situation.

Gibt es eine Lösung?

Das Problem lässt sich weder durch die Flucht in regionale Komplementärwährungen, noch durch ein Zinsverbot, weder durch die Rückkehr zu Tauschhandel und Gutscheinsystemen, noch durch die Privatisierung des Geldes, wie Hayek sie skizziert hat, lösen.

(Die Entnationalisierung des Geldes, Friedrich August von Hayek).

Mein Lösungsvorschlag, dessen wirtschaftsphilosophische Grundlagen und praktische Ausprägungen ich in meinen Büchern "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II und Band III" entwickelt und zur Diskussion gestellt habe, hat die durch den Staat verantwortete, stets ausreichende Versorgung der Realwirtschaft mit Zahlungsmitteln, zur Grundlage.

Es sollte möglich sein, dass eine unabhängige Expertenkommission, wie sie heute z.B. die Wirtschaftsweisen darstellen, bei der Beurteilung der wirtschaftliche Lage regelmäßig auch den Zustand der Geldversorgung der Realwirtschaft ermittelt.

Was spräche dagegen, wenn bei Feststellung von "Geldmangel" über ganz bestimmte, sorgfältig gewählte Kanäle, eine ausreichende Menge - von Zins- und Tilgungspflichten vollkommen unbelasteten - Geldes in den Wirtschaftskreislauf eingespeist würde?

Sollte es wirklich unmöglich sein, an den Beginn einer Geldschöpfung aus dem Nichts ausschließlich die Guthaben-Buchung zu stellen und auf die Buchung einer Schuld zu verzichten?

Sollte es wirklich wirtschaftlichen Schaden verursachen, wenn auf diese Weise Geld, das der Realwirtschaft fehlt, weil es ihr - auf Grund eines Systemfehlers - entzogen wurde, wieder zugeführt wird?

Sollte es ein Verbrechen sein, mit solchem Geld eine drohende Deflation zu verhindern, den Verschuldungsdruck zu mindern und das Erpressungspotential zu beschneiden, das durch die Hortung von Geld da entsteht, wo großen Einnahmen keine entsprechenden Ausgaben gegenüber stehen?

Sollte die Furcht vor Inflation genügen, um sehenden Auges in die Deflation zu rennen, nur weil jenes eine Prozent der Superreichen den Wert ihrer Ansprüche auf Geld stabil halten, bzw. durch die Deflation sogar noch erhöhen will? Und das, obwohl die Deflation für mehr als 99 Prozent der Menschen die weitaus größerer Bedrohung darstellt?

Dabei ist die Inflationsangst unbegründet.

Es könnten einfache Mechanismen geschaffen werden, die zuverlässig gegen eine vom Kapital ausgelöste Geldschwemme wirken. Denn wenn bei Geldmangel Liquidität in den Wirtschaftskreislauf einspeist wird, muss auch überschießende Liquidität wieder abgeschöpft werden dürfen. Eine, aber bei weitem nicht die einzige Möglichkeit dazu, wäre die Einführung einer vernünftig konzipierten Steuer auf größte Vermögen, die ich bereits in einem früheren Aufsatz für den Politik-Poker begründet habe.

Die Frage nach der Lösung lässt sich also beantworten.

Die Konkretisierung des hier nur grob skizzierten Lösungsweges wird zu einem späteren Zeitpunkt als eigener Beitrag für die Seite "Politik-Poker" folgen. Ausführlicher und umfassender als es dieses Podium zulässt, stehen die Grundzüge der Analyse und des Lösungsvorschlages aber seit einiger Zeit auch auf meinen eigenen Seiten online zur Verfügung: www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Sammlung%20Geld.html.

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