Helfen Sie richtig?

23.05.2013 | Heinz J. Fritz

Unser ganzes Leben wird durch den Faktor Hilfe beeinflusst und ist eine wichtige Voraussetzung für unser Zusammenleben. Wie oft jedoch haben Menschen Probleme, zu helfen oder die erwünschte Hilfe zu erhalten.

Kennen Sie Situationen, in denen Sie jemand um Rat fragt und diesen dann nicht annimmt? Oder dass Sie bei einer Sache Hilfe benötigen und niemanden finden, der bereit ist, wirklich zu helfen? Oder stellen Sie fest, nachdem Sie jemandem geholfen haben, dass Sie diese Sache danach immer wieder für ihn machen müssen?

Sorgen Hilfeaktionen in anderen Ländern tatsächlich für Verbesserungen bei denen, die es brauchen? Macht es Sinn, einem verschuldeten Staat zu helfen?

Manchmal bekommt man den Eindruck, dass sich eine Situation durch Hilfeaktionen sogar verschlechtert.

Wie viel Hilfe macht eigentlich Sinn? Sollte man einem Arbeitskollegen helfen oder sollte man besser dafür sorgen, dass man der Beste im Team ist, um bei der nächsten Entlassungswelle nicht dabei zu sein?
Wie gefährlich ist es, jemanden der auf der Straße oder im Bus angepöbelt wird, zu helfen? Gibt man einem Obdachlosen etwas, wenn man nicht weis, ob er im Grunde genommen nicht einfach nur zu bequem ist, um zu arbeiten oder tatsächlich ein schweres Schicksal erlitten hat? Wie viel Hilfe sollte man einem Kind bei seinen Hausaufgaben geben?

Hilfe wirft viele Fragen und Unsicherheiten auf. Aber warum ist das so? Gibt es nicht einfache Regeln bezüglich Hilfe, um erfolgreich und sinnvoll helfen zu können?

Um einen guten Ansatz zu finden, sollte man die unterschiedlichen Dinge, die alle als Hilfe bezeichnet werden, einmal klar unterscheiden.

Retten

Die erste Sache, die wir mit Hilfe bezeichnen, ist: „Jemand oder etwas vor unmittelbaren Schaden zu bewahren und zu verhindern, dass ein Schaden größer wird. Wir sprechen hier von retten."
Dies ist sogar im Gesetz verankert. Ist jemand am Ertrinken, ruft um Hilfe oder hatte einen Unfall, ist man innerhalb der gegebenen Möglichkeiten und ohne sich selbst zu gefährden, verpflichtet, alles zu tun, um einen Schaden oder Folgeschäden zu vermeiden - zumal man in so einer Situation für die Folgeschäden mit verantwortlich ist.

Um festzustellen, ob es sich um eine Rettungssituation handelt, muss man einfach nur feststellen, ob unmittelbar ein Schaden oder Folgeschaden entstehen kann, der vermeidbar ist. Ist dies der Fall muss man sofort helfen, so weit es einem möglich ist. Würde kein unmittelbarer Schaden oder Folgeschaden entstehen, handelt es sich um keine Rettungssituation und man ist auch nicht verpflichtet zu handeln.

Unterstützen

Die zweite Sache ist Unterstützung. Unterstützung könnte man definieren als: „Etwas für jemanden tun oder herstellen, wozu der andere alleine nicht in der Lage ist, ohne selbst dafür etwas zu fordern."

Es ist eine freiwillige Sache, niemand sollte verpflichtet werden zu unterstützen. Jeder sollte frei entscheiden dürfen, was er unterstützt und was nicht. Dies richtet sich nach den individuellen Interessen.
Bin ich daran interessiert, dass Robbenbabys nicht abgeschlachtet werden, werde ich hier vielleicht eine Organisation mit einer Spende unterstützen. Habe ich einen Freund, werde ich ihn wahrscheinlich, wenn es meine Fitness und Zeit erlaubt, bei seinem Umzug unterstützen, wenn er mich darum bittet. Ob ich das tue oder nicht ist aber alleine meine Entscheidung.

Unterstützung sollte daher erbeten und nicht gefordert werden!

Leider wird man häufig dazu gezwungen, bei Unterstützungen mitzumachen. Oder sind Sie daran interessiert, einem Land Geld zu geben, das durch Korruption, Fehlspekulationen und Misswirtschaft Pleite gegangen ist? Wahrscheinlich nicht.

Nur weil es als Rettungsaktion dargestellt wird, heißt dies noch lange nicht, dass es eine ist. Ein unmittelbarer zusätzlicher Schaden bedeutet, dass dieser sofort eintreten würde.

Man sollte auch nicht unterstützen, wenn die betreffende Person oder Gruppe in der Lage wäre, es selbst zu schaffen. Wenn Sie ständig für jemanden etwas tun, was er selbst tun könnte oder sollte, werden Sie bald mit Tätigkeiten überhäuft, die eigentlich im Aufgabenbereich eines anderen liegen. Sie würden Untätigkeit und Faulheit fördern. In Unternehmen sind deshalb Führungskräfte und die fähigsten Mitarbeiter oft am stärksten überlastet.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die dritte Sache ist die Hilfe zur Selbsthilfe. „Jemanden etwas sehen und verstehen lassen, damit er eine Sache, Aufgabe leichter lösen kann."

Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Person es auch verstehen möchte und Sie es die Person selbst erkennen und probieren lassen. Zeigen Sie eine Sache nur vor, wird es meist nicht verstanden. Geben Sie jedoch gute Hinweise, so dass es die Person selbst herausfinden und tun kann, wird die Person durch Hilfe fähiger.

Wann wirkt sich Hilfe schädlich aus?

Trifft man diese Unterscheidungen nicht, kann sich Hilfe schädlich auswirkten oder zur Belastung werden. Wenn Sie Ihr Kind bei den Hausaufgaben unterstützen, indem Sie die Aufgaben lösen, tun Sie ihrem Kind sicher nichts Gutes. Sie sollten ihm besser helfen, es selbst zu können.

Wenn Sie sich verpflichtet fühlen zu unterstützen, werden Sie sich dabei beobachten, dass Sie viele Dinge tun müssen, die Sie eigentlich nicht tun wollen.

In echten Rettungssituationen muss man natürlich sofort handeln, aber nur im Rahmen der eigenen Fähigkeiten und ohne sich selbst dabei in Gefahr zu bringen. Nach dem Motto: Ruf lieber die Polizei, als selbst verprügelt zu werden - aber ruf an!

Beobachten Sie doch einfach einmal bewusst die unterschiedlichen Situationen und stellen Sie für sich fest, um welche Art von Hilfe es sich handelt und wie es möglich ist, richtig zu helfen.

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