Grenzenlose Freiheit?

16.03.2005 | Tina Krüger

Wo fangen Grenzen an? Im Kopf? Auf Karten? Es gibt die unterschiedlichsten Grenzen auf diesem Planeten. Natürlicherweise oder - und das ist meistens der Fall - unnatürlicher Weise. Grenzen, die wir uns selbst geschaffen haben. Grenzen in unseren Köpfen. Grenzen in unserem Denken und Handeln.

Wo enden natürliche Grenzen und wo beginnen die Grenzen gesellschaftlichen Unverständnisses, denen wir immer wieder zum Opfer fallen?

Als ich noch jünger war, gab es für mich auf die Frage, woher ich komme, nur eine einzige plausible Antwort: Ich bin ein Weltbürger. Eine Antwort, die immer und immer wieder angezweifelt wurde. Niedergeschmettert von der Erkenntnis Unverständiger, die mich in den viel zu engen Mantel nationaler Zugehörigkeit zu pressen versuchten.

Sowas wie nationale Zugehörigkeit gab es in meinem Wortschatz nie. Und das nicht nur, weil ich innerhalb der Grenzen eines Landes geboren bin, in dem man Fremden selbst zu heutigen Zeiten noch hinter vorgehaltener Hand zuflüstern muss: "Ich komme aus Deutschland". Was ist deutsch? Bin ich deutsch? Denke ich deutsch, nur weil ich deutsch spreche? Muss man sich mit solchen Fragen überhaupt beschäftigen?!

Mein größter Traum ist es, die komplette Menschheit einmal ins All zu verfrachten. Und wenn diese Erde das Letzte ist, was sie sieht. Um mit dem letzten Atemzug noch einmal einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie beschränkt unser Weltbild eigentlich ist!

Einen Eindruck von diesem kleinen Planeten, der so unbedeutend ist, gemessen an Größe und Inhalt des Universums. Klein, zerbrechlich und dennoch so vielfältig. Vielfältig genug, die Vielfalt in abgesteckte Gebiete zu zwängen. Gebiete, in denen kein Platz für Neues zu sein scheint. Kein Platz in den Köpfen für alles, was nicht schon vorher da war. Oder kein Platz für alles, was schon vorher da war - man denke da nur an die Besiedelung der USA.

Warum zwängen wir uns selbst in Grenzen? Warum verweisen wir unser Weltdenken der Landesgrenze?

Ist es Nationalstolz? Die Sicherheit nach der wir natürlicherweise streben? Evolutionär bedingter Darwinismus ("Survival of the fittest"), der nur einen kleinen elitären Kreis vorantreibt, während schwächere Teile der Erde auf der Strecke bleiben?

Ist es einfältig einzusehen, dass diese Welt zu klein ist, um sie in noch kleinere Häppchen aufzusplitten? Ist es utopisch daran zu glauben, daß wir irgendwann erkennen müssen, daß wir alle der Spezies Mensch angehören, so unterschiedlich wir auch teilweise scheinen mögen?!

Wo also fangen die Grenzen an?

Ich denke im Kopf. Grenzen sind nichts natürliches. Sprachen und Meere, die zwei Hälften einer Welt trennen, sind natürlich. Aber wir haben gelernt, diese Grenzen zu überwinden. Zunächst in Booten. Dann in Flugzeugen. Es ist heutzutage möglich, jeden beliebigen Ort dieser Welt in maximal einem Tag zu erreichen. Und jede beliebige Sprache zu lernen. Und dennoch haben wir anscheinend nichts gelernt. Die Grenzen in den Köpfen sind nach wie vor vorhanden. Und anstatt die Erkenntnis zu nutzen, gemeinsam den selben Planeten zu bewohnen, verhärten sich die Fronten teilweise sogar noch.

Weltbürgerliches Denken mit Rücksicht auf und Verständnis für natürlicherweise entstandene kulturelle Unterschiede wäre schon mal ein erster Schritt, die Grenzen zu durchbrechen, die wir uns selbst geschaffen haben! Wie schon erwähnt. Wir sind längst an einem Punkt angekommen, an dem sich die natürlichen Grenzen problemlos überwinden lassen. Wir müssen nur noch die Grenzen in unseren eigenen Köpfen überwinden!

Nur ein kleiner Schritt für jeden einzelnen - aber ein unheimlich großer für die Menschheit!

Und wer mithelfen will, diese Vision der Grenzüberwindung zu verwirklichen, der kann sich kostenlos bei www.hospitalityclub.org registrieren und Menschen aus aller Welt auf ihren Reisen eine Unterkunft bieten oder auf eigenen Reisen bei Menschen aus aller Welt unterkommen.

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