Die Geldtheorie der EZB und Bundesbank murkst unsere Wirtschaft ab

07.05.2013 | Ulf D. Posé

Nun hat die EZB die Zinsen wieder einmal gesenkt. Wir erleben ein historisches Tief. Warum hat die EZB das getan? Der Grund ist einfach. Sie will damit die Kreditnachfrage ankurbeln. Billiges Geld soll die Wirtschaft ankurbeln. Gleichzeitig soll das gesparte Geld ausgegeben werden, da es ja nur noch Zinsen unterhalb der Inflationsrate bringt.

Hinter der Zinssenkung der EZB steckt das Denkmodell einer Geldtheorie, die auf drei Faktoren fußt:

1. Die Zinshöhe beeinflusst die Kreditnachfrage. Die EZB geht davon aus, übrigens auch die Volkswirtschaftler der Bundesbank, dass ein niedriger Zins Unternehmen, wie auch Privatleute dazu animiert, Kredite aufzunehmen. Jetzt ist das Baugeld billig, also jetzt beim Kredit zugreifen. Jetzt sind die Zinsen niedrig, also in die neue Maschine im Betrieb investieren, es lohnt sich.

Die Schlussfolgerung der Geldtheorie der EZB bezogen auf die Kreditnachfrage führt zur zweiten Annahme der EZB:

2. Die Kreditnachfrage beeinflusst die Geldmenge. Die EZB geht in ihrem Geldmodell davon aus, dass die Kreditnachfrage natürlich die Geldmenge beeinflusst. Je mehr Kredite nachgefragt werden, desto mehr Geld ist in Umlauf.

Diese zweite Annahme führt dann zu einer dritten Komponente in der Geldtheorie der EZB:

3. Die Geldmenge beeinflusst den Geldwertschwund. Die EZB nimmt an, je mehr Geld in Umlauf ist, desto größer die Gefahr einer Inflation. Sobald Unternehmen wie Privatleute über sehr viel Geld verfügen, stiegen automatisch die Preise für Produkte, die Inflation darf galoppieren.

Das scheint mir die Grundlader der Entscheidungen der EZB zu sein. Mit dieser Geldtheorie versteht man die Handlungen der EZB. Das sind sehr gut ausgebildete Volkswirtschaftler, Menschen, die sich in Gelddingen bestens auskennen. Und doch scheint mir ihre Geldtheorie völlig falsch zu sein. Ich halte sie für so falsch, dass sie eher das Gegenteil von dem erzeugt, was mit der Zinssenkung erreicht werden soll.

Also setze ich einmal eine andere Geldtheorie gegen die Theorie der EZB.

1. Nicht die Zinshöhe beeinflusst die Kreditnachfrage, sondern der Zinstrend. Das ist etwas völlig anderes. Ist der Zinstrend negativ, sinken also peu á peu die Zinsen, dann sinkt lustigerweise auch die Kreditnachfrage. Der Grund ist einfach. All diejenigen, die jetzt nicht zwingend einen Kredit benötigen, warten ab. Denn es könnte bei einem negativen Zinstrend doch so sein, dass die Zinsen noch weiter sinken. Und geschieht das, wird der Kredit noch billiger. Und so warten alle ab, die nicht unbedingt Kredite benötigen. Die EZB kurbelt also die Wirtschaft mit ihrer Zinssenkung nicht an, sie murkst sie ab.

2. Damit komme ich zum zweiten Punkt, der Frage, ob die Kreditmenge die Geldmenge beeinflusst. Auch hier gibt es eine andere Theorie. Sieht man einmal von physischem Geld, dem Giralgeld einmal ab, dann wird die Geldmenge beeinflusst durch die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in der Wirtschaft. Da hat die Politik, und schon gar nicht die EZB irgendeinen Einfluss darauf. Die Wirtschaft hält die Geldmenge so groß, wie sie sie braucht.

3. Auch der dritte Punkt ist leicht zu widerlegen. Die Annahme, dass die Geldmenge auch den Geldwertschwund beeinflusst, ist ebenfalls bei etwas moderner denkenden Volkswirtschaftlern nicht die Ursache des Geldwertschwundes. Der Geldwertschwund ist eine psychologische Angelegenheit. Menschen verhalten sich dann inflationär, wenn sie eine Inflation befürchten. Denkt niemand an eine Inflation, dann verhält sich auch niemand inflationär. Der Geldwertschwund bleibt in sehr erträglichen Grenzen. Sobald wir jedoch anfangen, eine Inflation zu befürchten, reden uns die Medien eine Inflation ein, dann entsteht sie auch, das wir sofort meinen, für unser guten Produkte oder Dienstleistungen müssten wir unbedingt mehr Geld bekommen, denn das Geld ist ja heutzutage nicht mehr so viel wert, wie noch vor einem Monat.

So scheint mir die EZB schlecht beraten, eine historisch so einmalige Zinsabsenkung vorgenommen zu haben. Das, was die EZB damit erreichen will, erreicht sie nicht, sie erreicht nur das Gegenteil davon. In der Wissenschaft der Psychologie gibt es ein Fachwort für Menschen, die mit ihren Handlungen genau das Gegenteil erreichen von dem, was sie erreichen wollen. Man nennt sie wahnkrank.

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