Geld ganz kurz

07.06.2006 | Elsi Reimann

Wie unser Geld funktioniert und was wir darüber wissen sollten.

Wenn wir im Lexikon nachschauen finden wir folgende Ausführungen zum Begriff Geld: Geld ist ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel. Ist die Annahmepflicht gesetzlich vorgeschrieben, spricht man von gesetzlichen Zahlungsmitteln. Neben seiner Funktion als Tauschmittel dient das Geld beziehungsweise die Geld-Einheit als Wertaufbewahrungs- und Wertübertragungsmittel, als Wert- und Preismassstab und als Recheneinheit.

Was hier relativ trocken und neutral daher kommt, ist aber bei weitem nicht alles, was wir mit Geld verbinden, wenn wir über Geld nachdenken.

Am liebsten würden wir nicht darüber nachdenken, denn wir denken in den meisten Fällen erst darüber nach, wenn es uns fehlt. Viele denken aber auch darüber nach, wie man es vermehren könnte. In vielen Familien ist das Geld ein Thema, worüber man sich streitet. Wiederum andere sagen: Geld kommt und geht! Mir ist Geld egal ...

Das Geld bestimmt unser Leben von morgens bis Abends und dennoch sprechen wir selten darüber und nur wenige machen sich soviel daraus, dass sie sogar ein Buch darüber lesen würden.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass ich von den Zinsen leben könnte, wenn ich das Geld nicht ausgegeben hätte, ohne darüber nachzudenken.

Wenn wir unser Geld zu 1% anlegen, verdoppelt sich das Kapital in 72 Jahren, bei 3 % in 24 Jahren, bei 6 % in 12 Jahren und bei 12 % in 6 Jahren. (12 % ist ein Durchschnitt, der an der Börse in den letzten Jahren durchaus erreicht wurde.)

Nur, wenn die ganze 68er Generation vor 32 Jahren Fr. 30'000.- zu 5 % angelegt hätte, wer müsste dann für meine Generation arbeiten, damit wir Ende Jahr den Zins abholen könnten?

Stellen sie sich einmal vor: Wenn Josef für Jesus einen Rappen auf einem Bankbüchlein im Jahr Null angelegt hätte zu 5 % Zins, wie viel hätte Jesus im Jahr 1990 von seinem Bankbüchlein abheben können? (134 Milliarden Mal das Gewicht der Erdkugel aus Gold) Das Problem bei dieser Rechnung ist nur, dass es auf der Erde nicht 134 Milliarden Mal die Erde aus Gold gibt. Das Wachstum der Erde ist begrenzt, aber das Wachstum von Zins und Zinseszins ist unbegrenzt.

Wenn wir das Gesetz von Zins auf Zinseszins verstanden haben, dann haben wir verstanden, dass etwas nicht funktionieren kann mit unserem Zinssystem.

Ein Grund für die Schwierigkeit, den Zins- und Zinseszinsmechanismus vollständig zu verstehen, liegt darin, dass seine Folgen verdeckt sind. Die meisten Menschen glauben, nur dann zinspflichtig zu sein, wenn sie Geld borgen, jedoch keine Zinsen zahlen zu müssen, wenn sie sich nicht verschulden.

Der Zins-Anteil schwankt aber bei den Gütern und Dienstleistungen, die wir kaufen, entsprechend der Höhe des jeweiligen Kapitaleinsatzes.

Ein Beispiel: Wenn der Bauer Milch produziert benötigt er Ställe, Häuser und Maschinen. Dazu benötigt er Kredite. Um die Zinsen bezahlen zu können, verlangt er für die Milch einen bestimmten Preis in dem ungefähr 10% Zins enthalten sind. Er bringt die Milch in die Molkerei, die ebenfalls Kredite aufgenommen hat und die wiederum die Unkosten auf den Preis der Milch abwälzt noch einmal 10 %. Die Milch kommt in den Grossverteiler und der Grossverteiler schlägt 10% Zins auf jedes Produkt, um seine Zinsen bezahlen zu können. (Das Beispiel hinkt ein wenig, da sich der Preis der Milch jeweils verändert, aber es geht mir hier nur darum, das Prinzip zu verstehen.)

Dies bedeutet, wenn das Produkt beim Kunden ankommt, bezahlt er 30% bis 50 % versteckte Zinsen auf jedem Produkt.

Kinder, alte Menschen, Kultur und Wissen werfen keinen materiellen Ertrag und dadurch keinen Zins ab. Das ist der Grund, warum heute niemand mehr in sie investieren kann und will.

Die Welt und ihre Vorräte sind nicht unendlich. Bäume und enschen wachsen nicht in den Himmel. Materielles Wachstum ist begrenzt. Nur Krebszellen vermehren sich, indem sie sich in bestimmten Zeitabständen verdoppeln. Das Problem dabei ist, dass die Krebszellen erst absterben, wenn ihr Wirt mit ihnen stirbt. Dies zeigt sich auch in unserem Zinssystem.

Je älter ein Währungssystem aufrecht erhalten bleibt, desto Folgenschwerer sind seine Auswirkungen auf die Natur, und die Menschen. Unser Währungssystem ist seit sechzig Jahren unverändert geblieben, und wir können gut verfolgen, wie die Schraube sich von Jahr zu Jahr weiter dreht. - Es wird immer enger, jedenfalls für 85 % der Bevölkerung.

Es liegt weder an den Politikern noch an der Wirtschaft, sondern an unserem Zinssystem, welches alle angestrebten Veränderungen verhindert.

Das heisst, das schleichende, unterschwellige Krebsgeschwür frisst seit Jahrzehnten an unserem lebendigen Organismus: der Mutter Erde, der dritten Welt, den Frauen und an der arbeitenden und lohnabhängigen Bevölkerung. Es bestimmt unser Leben in einem unglaublichen und unerkannten Ausmass. Wir nehmen die Diagnose hin, als wäre sie gottgegeben, und die Ursache bleibt den meisten verborgen. Daher kann sie auch nicht geheilt werden. Wenn wir aber die Ursachen erkennen, können wir etwas für die Heilung dieser Krankheit tun.

Ein System kann man ändern.

Regionalwährungen

Regionalwährungen sind ein gangbarer Weg, die zerstörerische Dynamik abzumildern, die regionale mittelständische Wirtschaft zu stärken und Kaufkraft zu schaffen - was nicht weniger bedeutet als zurückerobertes Leben.

Momentan werden bei Hunderten von Projekten neue Währungsformen verwendet, die genau diesen Umbruch herbeiführen können. In ihrer Summe deuten sie darauf hin, dass sich unser eigentliches Währungskonzept verändern wird. An einigen Projekten sind mächtige Organisationen und Milliarden Dollar an Investitionen beteiligt. Manche wurden mit sehr wenig Geld von einigen sozial engagierten Idealisten in verschiedenen Ländern auf die Beine gestellt, andere Projekte wiederum sind die Idee eines einsamen »Cyberpunk« in einem Loft in Silicon Valley.

Diese Projekte werden sich durchsetzen und unsere Wirtschaftsweise, unsere Gesellschaft, unsere Zivilisation und unsere Welt für immer verändern.

Weiterführende Links: inwo.de und inwo.ch

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