Frühlings Erwachen

28.05.2005 | Eva Schoch

Die Vorstellung auf der Bühne der Politik dauert und dauert..., das Drehbuch ergötzt sich in Wiederholungen und die Schauspieler diskutieren hitzig ihre Pointen. Korrigiert, mit einem Pflaster versehen - oder gar demontiert - wird der Witz dem Publikum serviert. Verstört, von jenem politischen Theater peinlich berührt drückt sich dieses in die Plüschsessel.

Dass schlechtes politisches Theater abgestraft wird, zeigt nun DIE Wahl. Der gesunde Menschenverstand scheint doch nicht an der Garderobe zu hängen. Doch wie geht es weiter?

Bekanntlich fährt das Fahrzeug dorthin, wohin der Lenker schaut: Die Deutschen scheinen so sehr Abhängigkeiten zu lieben, scheinen so renitent zu sein, dass sie Bürokratie, Massen an Gesetzen, Vorschriften, Erlassen und Anweisungen brauchen. Deutschland nimmt man Maß, Deutschland passt man an, schneidet es zurecht, macht den Bürger transparent - regierbar. Vollbracht. In blockierten Menschen keimen keine neuen Ideen, es keimt nur die Angst und der Verdruss. Deutschland verstaubt.

Perspektivenwechsel. Neue Ideen brauchen ein Klima, in dem sich der Mensch wohlfühlt. Kreativität braucht Entfesselung, zumindest Befreiung von Fesseln. Und neben viel Fachwissen vor allem den gesunden Menschenverstand für die Umsetzung von Ideen. Lust auf Neues? Bereit was zu tun?

Wie wäre es, wenn wir alle zusammen und ganz bewusst die Verantwortung für die Bildung von und die Fürsorge für unsere jungen Menschen übernehmen würden? Wie wäre es, wenn wir uns alle committen würden, der jungen Generation zuzuhören. Mit den jungen Menschen sprechen, diskutieren, bewusst leben muss begehrt werden. Das muss nicht immer mit Geldmitteln in Verbindung gebracht werden. Das ist vor allem eine Frage der Einstellung.

In den Jungen steckt ein enormes Potential an Ideen, Tatkraft, Engagement und an sozialer Kompetenz. Engagierte Mütter und Väter, Erzieher und Lehrer, ehrenamtlich Tätige und kompetente Berufsausbilder wissen es. Die Jungen müssen nur einen Sinn in ihrem Tun erkennen, dann sind sie bereit. Sinn und sinnvolle Ziele sollen wir ihnen dringend und sofort geben. Was sind wir denn für eine Gesellschaft, die sich vertraglich verpflichten muss, junge Menschen auszubilden? Was sind wir für eine Gesellschaft, die junge Menschen zig unbeholfene Bewerbungen schreiben lässt, sie an Hochschulen in überfüllte Seminare, wo man nur noch rezipiert, schickt? Was sind wir für eine Gesellschaft, die junge Menschen ohne Perspektive seelisch verwahrlosen lässt?

Es hilft sich wer kann. Der Darwinismus ist nicht tot zu kriegen. Wir sind sehr nah an der Tatsache, dass unsere jungen Menschen von kundigen polnischen Handwerksmeistern ausgebildet werden, dass hier in Deutschland ausgebildete Krankenschwester, Pfleger und Ärzte vermehrt nach Neuseeland auswandern, obwohl sie dort mehr arbeiten müssen als hier. Sie praktizieren, ob notgedrungen oder nicht, die industrielle Völkerwanderung - es wäre nicht die erste wirtschaftlich bedingte Auswanderung vom deutschen Boden, aber vielleicht die erste Wanderung aufgrund Sinnentleerung!

Junge Menschen besitzen Mut, haben Spaß und Freude. Diese Energie abzurufen und mit ihnen zusammen an sinnvollen Aufgaben zu arbeiten ist das Gebot der Zeit. Wir sind alle aufgerufen, Brücken zu jungen Menschen zu bauen. Jeder wo er kann, in seinem privaten oder geschäftlichen Umfeld. Als Lehrer, als Mentor, als Vorbild, als Mensch. Sie müssen eigene Erfahrungen machen und aus diesen lernen dürfen.

Bildung ist im weitesten Sinne Denken. Die Dinge erkennen und durchdenken können, Situationen angemessen begegnen können, Konsequenzen des eigenen Tuns kalkulieren können, Verantwortung übernehmen wollen, um sich zu prüfen und weiterzuentwickeln. Bildung ist soziale Kompetenz, das erfolgreiche Miteinander, interkulturell in der globalisierten Welt. Bildung ist vor allem, zu erkennen, dass Angst meist die Angst vor dem Angriff auf das Ego ist. Angst blockiert neue Ideen, Angst macht stumm. Starke Persönlichkeiten bestehen viele Stürme, offene, kreative Menschen werden die Zukunft meistern. Unsere jungen Menschen sind unsere Zukunft. Jetzt brauchen sie uns. Noch.

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