Frieden - Wer fängt an?

08.10.2004 | Ilona Mahel

Kein Tag vergeht, an dem nicht von Gewalt berichtet wird: Terrorakte, Vergeltungsschläge, Folter. Fast schon haben wir uns daran gewöhnt. Die Gewalt trifft uns nicht persönlich. Denn das Meiste davon passiert in Gebieten, die von Deutschland weit weg sind.

Was ist aber mit unserer direkten Umgebung? Steine und Bomben werden hier vielleicht nicht geworfen. Aber von Frieden ist auch in Deutschland oft keine Spur.

Wenn sich Politiker im Bundestag anblaffen, dann gehört das zum Geschäft. Oder? So sind die Rollen doch verteilt: Die Regierung macht einen Vorschlag und die Opposition ist dagegen. In Polit-Talkshows gehört es scheinbar zum guten Ton, den Anderen nicht ausreden zu lassen, sondern ihm über den Mund zu fahren. Krieg im eigentlichen Sinne ist das vielleicht nicht. Aber Frieden kann man es auch nicht nennen.

Und auch daran haben wir uns gewöhnt. Politiker debattieren nun einmal. Dafür werden sie doch bezahlt, oder? Ich werde nur das Gefühl nicht los, dass das Wesentliche immer mehr in den Hintergrund rückt. Geht es denen da oben wirklich noch um das Volk? Darum, Probleme wirklich zu lösen? Oder nur darum, die nächste Debatte zu gewinnen? Hat die Ellenbogenmentalität ein für allemal die Überhand gewonnen?

Denn das Problem des Unfriedens betrifft ja nicht nur Politiker, sondern die Gesellschaft insgesamt. Der italienische Dichter Francesco Petrarca (1304-74) hat es auf den Punkt gebracht: "Fünf große Feinde des Friedens wohnen in uns: nämlich Habgier, Ehrgeiz, Neid, Wut und Stolz. Wenn diese Feinde vertrieben werden könnten, würden wir zweifellos ewigen Frieden genießen." Der Mensch selbst ist das Problem. Ob Politiker oder nicht.

"Der Friede beginnt im eigenen Haus", hat der deutsche Philosoph Karl Jaspers (1883-1969) gesagt. Eigentlich eine Binsenweisheit, schließlich weiß doch jeder, dass er bei sich selbst anfangen muss, oder? Der Domino-Effekt, der sich daraus ergeben könnte, wäre nicht zu verachten.

Also, wer fängt an mit dem Frieden?

Sie könnten anfangen! Sie könnten z.B. den Menschen, denen Sie heute begegnen, etwas mitbringen: ein nettes Kompliment, eine duftende Blume oder ein kleines Gebet. Sie könnten auch versuchen, Menschen auf der Straße ein Lächeln zu schenken, statt griesgrämig Ihres Weges zu gehen. Nur heute. Wenn es Ihnen gefällt, können Sie ja morgen weitermachen...

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