Freiheit und Verantwortung

02.10.2008 | Dr. Klaus Armbrüster

Die weltweite Finanzkrise hat einer alten Diskussion neuen Auftrieb verliehen: Kann es (wirtschaftliche) Freiheit komplett ohne Kontrolle geben? Wohin führt es, wenn Freiheit verantwortungs- und rücksichtslos in Anspruch genommen wird?

Eine liberale Gesellschaftsordnung zeichnet sich dadurch aus, dass dem Bürger durch verbriefte Freiheitsrechte ein Raum zur freien Entfaltung seiner Persönlichkeit gewährt wird.

Freiheitsrechte sind im Kern Abwehrrechte gegen die Allmacht des Staates. Diesen Freiheitsraum in Form einer Wirtschaftsliberalität nutzen, aufgrund verfassungsrechtlich vorgegebener Garantien, Unternehmer und alle unternehmerisch handelnden Personen – und damit letztlich auch die angestellten Führungskräfte der deutschen Wirtschaft.

Eine moderne Gesellschaftsordnung kann Freiheit aber nicht monokausal als von allen Bindungen losgelöste Freiheit des Einzelnen verstehen. Freiheit wird immer auch durch die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft bestimmt. Diese Verantwortung des Einzelnen im solidarisch ausgeübten Miteinander schließt Verantwortungsbewusstsein für eigenes Handeln zwangsläufig mit ein.

Trotz aller politischen Gegensätze besteht in Deutschland immer noch ein stabiler Grundkonsens dahingehend, dass Wirtschaftseliten und damit auch Führungskräfte ethisch verantwortungsvoll handeln müssen. Dies bestimmt und rechtfertigt ihre Stellung und ihre darauf aufbauende Wertschätzung.

Die alleinige Maximierung von Gewinnen ohne Rücksicht auf die Folgen kann und darf nicht die Richtschnur des Handelns von Führungskräften sein. Vielmehr müssen die Eliten immer auch Rücksicht auf ihre - im weitesten Sinn zu verstehende - Umwelt oder, um es auf Management-Englisch auszudrücken, die Stakeholder nehmen.

Freiheit und Verantwortung sind zwei Seiten derselben Münze, mit der herausragende Fachkenntnisse und außergewöhnliches Engagement bezahlt werden.

Ohne die Synthese von Freiheit und Verantwortung degeneriert eine liberale Gesellschaft schnell zu einem bloßen Nachtwächterstaat, durchsetzt mit mafiösen Strukturen und Beziehungskartellen. Wir erleben das nicht nur in jungen Demokratien oder Marktwirtschaften, sondern viel zu oft auch in Staaten, die zu Recht auf eine jahrhundertelange Tradition des Liberalismus zurückblicken können. Und wir erleben es leider auch immer wieder in Deutschland, dass ungezügelte Freiheit ohne das rechte Maß an Verantwortung zum Übel wird.

Führungskräfte müssen sich deshalb stets ihrer Verantwortung in dem ihnen eingeräumten Freiheitsraum bewusst sein.

Negative Beispiele von Raffgiermentalitäten und außerhalb der Rechtsordnung und anerkannter Moralvorstellungen stehender Handlungsweisen, wie Schmiergeldzahlungen, auch feststellbar bei Vorständen und anderen gesetzlichen Vertretern von Unternehmen, sind Fehlentwicklungen korrumpierten Verhaltens. Sich davon abzugrenzen, ist auch ein Teil der ethischen Verantwortung von Führungskräften.

Man kann es auf eine einfache Formel bringen: Das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg heiligt nicht alle Mittel. Führungskräfte müssen verantwortungsbewusst und anständig handeln. Nur dies rechtfertigt dauerhaft ihre herausgehobene Stellung!

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