Fortschritt

19.05.2006 | Mario Müller

Was sehen wir eigentlich als Fortschritt an? Was bringt uns Menschen weiter?

Arbeit ... Wenn ich wieder lese, wie die Bundesregierung sich in einer fast manischen Art und Weise auf die Hartz IV Empfänger stürzt, um dort einen Missbrauch einzudämmen, der doch eigentlich locker aufgefangen würde, wenn in den Amtsstuben der Missbrauch verschwände.

Aber ich will hier nicht aufrechnen, oder polemisieren ...
Viel interessanter ist darüber nachzudenken, was Arbeit heute bedeutet.
Wenn man den neuesten Statistiken Glauben schenken darf, verdienen immer weniger Menschen Geld mit Arbeit, andererseits sind aber immer mehr Menschen auf Geld aus Arbeit angewiesen.
Irgendwie beisst sich die Katze hier in das verlängerte Ding am Ende ihres Körpers ...
Ich denke es muss darüber nachgedacht werden, wie die Industrienationen Fortschritt sehen, ob sie einen Weg gehen wollen, der sich dem Kapital unterordnet, oder ob es ein Weg sein soll, der dem Menschen in seiner Lebensqualität hilft.
Wir preisen immer wieder den Fortschritt der heutigen Zeit, aber ist es für den Menschen ein Fortschritt?
Angst zu haben, krank zu werden ...
Angst zu haben, die Arbeit zu verlieren ...
Angst zu haben, nicht Anteil an dem gesellschaftlichen Leben zu haben ...
Angst zu haben, sozial abzusteigen ...
Angst zu haben, wertlos zu sein ...

Und ... und ... und ...

Ist das Fortschritt?

Wenn eine Gesellschaft im Überfluss lebt, warum kommen dann die Überschüsse nicht denen zu Gute, die weniger haben?
Wie krank ist eine Gesellschaft, Menschen verhungern zu lassen und gleichzeitig Nahrungsmittelüberschüsse zu vernichten.
Wenn man davon ausgeht, das das Angebot die Nachfrage regelt ... dann heisst doch Überschuss nichts anderes, als am Markt vorbei zu produzieren?
Ist das die freie Marktwirtschaft? Muss dann die Allgemeinheit dafür bezahlen?
Ich meine nein ...
Es gibt in letzter Zeit eine Menge Diskussionen um die Arbeit und es gibt Denkrichtungen, die aussagen, das wir in eine Zeit kommen, wo Arbeit nicht mehr den Faktor hat wie früher. Wir sollten uns davon lösen, das Arbeit im herkömmlichen Sinne weiter den Lebensunterhalt der Menschen finanzieren kann.
Nur als Beispiel ... wie hat die Steinzeitgesellschaft ihr Einkommen, sprich Nahrung und alles andere verteilt?
Und wie ist es heute?
Was ist in der Steinzeit passiert, wenn Kinder ihre Eltern verloren haben?
Was ist heute?
Was ist in der Steinzeit passiert, wenn jemand als Ernährer ausgefallen ist?
Was ist heute?
Ich habe so manchmal meine Zweifel, ob das Modell Gesellschaft, heute ein besseres ist, als das Gesellschaftsmodell, Steinzeit.
Wer wird jetzt zuerst schreien und mir schreiben ... du denkst ja rückwärts, du verkennst den Fortschritt und was der uns alles gebracht hat.
Nehmen wir Gesundheit ... Fakt ist, die Lebenserwartung in der Steinzeit lag so ungefähr bei 30 Jahren ... heute bei 70 bis 80 Jahren ...
Aber was machen wir aus dieser Lebensqualität?
Wir berauben unsere Kinder um eine glückliche Kindheit, indem wir sie in Schulen zwängen, Stress aussetzen und ihnen Lebensideale predigen, die falsch sind ...
Wir berauben unsere Jugendlichen um ihre Jugend, indem wir sie in Lehrstellen zwingen, ihnen ein Gesellschaftsideal aufzwingen, um sie dann auf der Strasse landen zu lassen ...
Wir berauben die Frauen um die Früchte ihres Seins, indem wir ihre Arbeit als Mutter, als Arbeitnehmerin und als soziales Gewissen nicht anerkennen ...
Wir berauben die Männer um eine Unzahl an Erfahrungen, die hilfreich in der Emanzipation wären, indem wir ihnen den Zwang zur Arbeit aufbürden um als Ernährer dazustehen ...
Wir berauben unsere Eltern um das menschenwürdige Altern, indem wir glauben, das wir uns nicht mehr um sie kümmern können ...
Irgendwie erzeugt diese Gesellschaft, die glaubt das der Kapitalismus die einzige Form ist, die dem Menschen dient, eine Abschiebementalität. Aber die wird ja auch in den freien Markt integriert ... Kindergärten, Vorschulen, Schulen, Berufsschulen, Lehrstellen, Arbeitsplätze, Krankenhäuser, Pflegeheime, Altersheime ... alles Möglichkeiten um Kapital zu schaffen.
Dabei vergessen wir nur eins ... was wir für ein Kapital in uns Menschen haben ...
Was ist ein Lachen wert?
Was ist ein liebes Wort wert?
Was ist Vertrauen wert?
Was ist Liebe wert?
Was ist Ehrlichkeit wert?
Und so weiter ...

Ich denke mal über alles nach ...

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