Ende der Politik - Plädoyer für ein politisches Unternehmertum

24.05.2005 | Dr.-Ing. Artur P. Schmidt

Ende des Kreativitätsstaus

Es geht in diesem Artikel nicht darum, dass es keine Politik mehr geben wird, sondern dass eine Vielzahl bisheriger Verwaltungsfunktionen auf Maschinen verlagert wird. Weiter wird herausgestellt, dass die Funktion des Leadership für das erfolgreiche Regieren immer wichtiger wird.

Im Volksmund wird Politik oftmals mit Leadership gleichgesetzt. Wer sich jedoch die hohen Diäten und die Vielzahl schlechter Resultate von Politikern anschaut, weiss, dass diese Gleichsetzung unzulässig ist. Vielmehr müsste die Gleichung lauten: Erfolgreiche Politik erfordert zwei wesentliche Funktionen Leadership und Management.

Der wichtigste Unterschied zwischen einem Unternehmer und einem Politiker ist der, dass Politiker, wenn Sie Fehler machen, Steuergelder verbraten, der Unternehmer, wenn etwas schief läuft, jedoch sein eigenes Geld in den Sand setzt. Der Politiker wird jedoch für sein Fehlverhalten noch mit einer hohen Rente belohnt, während der Unternehmer im Falle eines Fehlers, möglicherweise alles verliert. Politiker verwalten, bewahren, imitieren, haben ein kurzsichtiges Denken und stellen ihre persönliche Wiederwahl in den Vordergrund, während Unternehmer auf die Leadershipfaktoren Innovation, Kreativität, Entwicklung, langfristige Überlebensfähigkeit und die Förderung der Mitarbeiter Wert legen. Unternehmern geht es nicht um die Bewahrung des Status quo, sondern darum diesen zu verbessern. Politiker sind die Weltmeister im Spielen mit den Ängsten der Bürger und im Unterlassen von Handlungen, während Unternehmer Zuversicht ausstrahlen und etwas unternehmen. Sie sind in der Lage eine Vision zu definieren und damit andere Menschen zu führen und zu motivieren. Da Politiker genauso unfähig agieren wie viele Manager, sollen hier vier Theoreme über den Umgang mit Menschen aufgestellt werden, welche die Eigenschaften eines politischen Unternehmertums erst begründen. Es braucht in der Politik deshalb auch keine Manager, sondern Menschen, die etwas wagen und unternehmen.

Ende der Management-Gurus

Der Bestseller-Autor Hamel, der als einer der weltweit besten Strategieberater hochgejubelt wurde, gibt uns in seinem Buch "Das revolutionäre Unternehmen" genügend Stoff zum Nachdenken. Dort ist nachzulesen, wie exzellent das Vorzeigeunternehmen Enron diversifiziert sei, nachdem es in die Breitbandtechnologie investierte. Enron hat sich und die Branche, wie Hamel es beschreibt, neu erfunden. Dies ist durchaus richtig, nur erfolgte die Selbsterfindung durch kreatives Accounting und die neue Branche heisst Bilanzmanipulation. Das von Hamel vielgepriesene Kontrollsystem von Enron hat leider systematisch versagt und wurde zum Krematorium des Eigenkapitals. Es kommt nicht von ungefähr, dass die aktuellen Finanzkrisen in der Politik auch mit den Krisen bei Consulting-Firmen im Gleichklang verlaufen. Viele Politiker und Consultants halten sich für allwissend, insbesondere wenn sie den Lehrerberuf erlernt haben oder ein MBA ("Mein Bestes Alibi") besitzen. Doch mittlerweile geraten eine Vielzahl gescheiterter Projekte, über die früher der Mantel des Schweigens gehüllt wurde, in die öffentliche Diskussion, wie z.B. die von Roland Berger ausgearbeiteten Strategien für das Bundesland Niedersachsen. Deshalb lautet das 1. Theorem im Umgang mit Steuergeldern: Man glaube keinen Management-Gurus oder anders formuliert: Wer einen Consultant braucht, kann kein politischer Unternehmer sein und verschwendet Steuergelder.

Ende des Blindfluges

Die mit Arbeitsplatzsichersicherheit ausgestatteten Politiker schaffen es heute immer weniger, die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland zu erhöhen. Statt dessen werden unter dem Deckmantel der Wirtschaftspolitik, eine hohe Unternehmensbesteuerung, versteckte Steuererhöhungen, eine Aushöhlung der Lehre an den Universitäten sowie die Schliessung von Ämtern praktiziert. Doch jetzt werden die Politiker mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Während Politiker meinen, dass sie gut sind, wenn diese möglichst viele Wählerstimmen erhalten, kommt es für einen Unternehmer darauf an, möglichst viele Geschäftsbeziehungen lenken zu können. Bei einer derartigen Problemstellung hilft jedoch eine Reduktion der Komplexität nicht weiter, vielmehr kann diese bei unübersichtlichen Situationen sogar lebensbedrohlich werden. Eines der wichtigsten Gesetze der Kybernetik ist Ashby's Law. Es besagt, dass man ein gegebenes System nur mit einem System unter Kontrolle bringen kann, dessen Komplexität mindestens ebenso groß ist, wie die des zu lenkenden Systems. Die Tatsache, dass jedoch nur Vielfalt eine andere Vielfalt lenken kann, macht heute den Einsatz von Computern unverzichtbar.

Mangementinformationssysteme und Management-Cockpits substituieren nunmehr die Politiker. Heute werden Aktionen, die früher von Politikern durchgeführt wurden, in äussert wirksamer Weise durch das E-Government substituiert, wie z.B. in den Bereichen Virtual Voting, Citizien Relationship Management oder G2C-Plattformen. Hierzu lässt sich folgende These aufstellen: Politik konzentriert sich darauf, die Dinge richtig zu tun, während Leadership sich darauf fokussiert, das Richtige zu tun. Die Dinge richtig zu tun, ist jedoch eine Domäne der Maschinen, während das Richtige zu tun, vor allem menschliche Intelligenz erfordert. Deshalb lautet das 2. Theorem im Umgang mit politischen Entscheidungsprozessen: Alle politischen Prozesse, die sich heute automatisieren lassen, sollten auf Maschinen übertragen werden, damit Politiker mehr Zeit für die Suche nach kreativen Lösungen haben. Dann könnte man auf viele Debatten getrost verzichten, deren Argumente der ehemalige Abgeordnete Ehmke am liebsten durchnummeriert hätte, da sich diese eh permanent ohne Neuigkeitswert wiederholen.

Ende der Immunschwäche

Unternehmer ignorieren die Bürokratie, während Politiker, diese für ihre Versteckspiele nutzen, um bei Fehlern nicht zur Verantwortung gezogen zu werden. Während Politiker den Zielen von anderen folgen, übernehmen Unternehmer Verantwortung und schaffen es durch ihre Vision und ihre Kommunikationsfähigkeiten, dass ihnen andere Menschen folgen. Doch gerade die Kommunikationsschwächen vieler Politiker werden heute durch das Medium Internet schonungslos aufgedeckt. Ein weiteres Defizit vieler Politiker ist das fehlende Wissen über komplexe Systeme und lebensfähige Systeme. Dieses Wissen ist jedoch heute grundlegend für den Aufbau eines Immunsystems von Unternehmen, damit Chancen und Risiken frühzeitig erkannt werden können. Der sogenannte wirksame Politiker hat leider eine fatale Eigenschaft, dass er systematisch die Kreatitvität zerstört. Für möglichst wirksame Politik benötigt man deshalb keine Menschen, sondern man kann immer mehr Maschinen einsetzen. Leadership dagegen benötigt Spontanität, Flexibilität und Kreativität. Das 3. Theorem im Umgang mit Menschen lautet deshalb: Es sollten Menschen als Politiker agieren, die Differenzen leben, Querdenken, unbequeme Fragen stellen und ständig nach besseren Lösungen suchen. Unternehmer sind hierbei vor allem Navigatoren und die Unterstützung, die sie hierfür benötigen, sind keine Consultants, sondern innovative Menschen und bessere Navigationsinstrumente, die das Schiff erfolgreich auf Kurs halten können.

Ende des Moralverlustes

Der ehemalige Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, hat sich als Weltmeister in der Vernichtung von Steuergeldern erwiesen. Wenn sich heute das Handeln der Politiker einzig an der Wiederwahl und am Festkleben an Ämtern orientiert, braucht man sich nicht zu wundern, das keine Probleme mehr gelöst werden, sondern nur noch an Symptomen herumkuriert wird. Gerster gehört zum Kreis der Consultologenanhänger, die an alles glauben nur nicht daran, dass man Steuergelder sparen sollte. Beraterhonorare in dreistelliger Millionenhöhe sind verwerflich, da dieses Kapital dem Staatshaushalt entzogen wird und somit die Gesamtverschuldung steigt. Die Bundesanstalt für Arbeit sollte sowieso ersatzlos geschlossen werden. Vielmehr sollte es auf dezentraler Stelle Tausende von kleinen Agenturen für Job-Sucher geben. Schon der Name hätte eine wesentlich grösseren Beruhigungseffekt auf die Psyche der Betroffenen. Statt auf Innovationen als Wachstumsmotor zu setzen, fallen einfallslosen Politikern meist nur Haushaltsumschichtungen, Subventionsabbau und wachstumshemmende Kostensenkungsorgien ein, um sich im Kampf um die Wiederwahl zu positionieren. Zwar sind die Gehälter der Politiker im Vergleich zu Managern deutlich geringer, aber dies kann nicht der Massstab sein, um die moralische Verwerflichkeit der Zukunftsverweigerung zu legitimieren. Die einzige Möglichkeit die Selbstherrlichkeit von Politikern zu unterbinden, ist deren Abwahl. Spätestens seit Berlusconi sollte jedem Bürger klar sein, dass Käuflichkeit kein Kavaliersdelikt ist. Schadensbegrenzung für Deutschland kann deshalb nur dann erreicht werden, wenn Schröder, Merkel, Stoiber & Co. geschlossen zurücktreten. Unternehmer entnehmen dem Unternehmen immer nur soviel, wie diese zum Leben benötigen. Politiker verschulden den Staat jedoch immer um den maximalen Betrag der möglich ist, ohne dass es das Amt kostet. Während Politiker nur kurzfristig denken und auf Wählerstimmen fokussiert sind, setzen Unternehmer auf die langfristige Überlebensfähigkeit. Hier greift das 4. Theorem im Umgang mit Menschen: Unternehmerisches Handeln in der Politik erfordert, alles zu tun, um den inneren Wert eines Landes zu steigern und damit die langfristige Überlebensfähigkeit der Arbeitsplätze sicherzustellen.

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Katharina Tempel

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