Durch die Gesundheitsreform gewinnt die Ökologie eine neue Aktualität

06.08.2005 | Adolf Riedl

Seitdem die Gesundheitsreform uns zu erheblichen zusätzlichen Kosten zwingt, Kosten, die wir selbst aufbringen müssen, gewinnen ökologische Produkte dramatisch an Bedeutung. Was ist an Farben und Materialien, die aus Erdöl hergestellt werden, so kritisch?

Neueste Forschungen haben nachgewiesen, dass solche Produkte neben den Schadstoffen, die sie abgeben, auch noch unsere Luft im Raum grundlegend verändern. Wenn wir uns am Meer oder auf einem Berggipfel aufhalten, atmen wir Luft ein, deren Ionen vorwiegend negativ geladen sind, und wir saugen diese Luft gierig in uns hinein und fühlen uns rundum wohl. Wir können von dieser Luft gar nicht genug bekommen.

In unserer Wohnung jedoch sorgen Plastikmöbel, Fußbodenbeläge und Gegenstände (Computer etc.), Acrylanstriche, PVC usw. dafür, dass die Ionen unserer Atemluft vorwiegend positiv geladen sind, besonders in der kalten Jahreszeit, wenn wir nicht immer die Fenster geöffnet lassen können. Diese Luft ist für unser Immunsystem schädlich, und man weiß heute, dass Krankheiten nur dann ausbrechen, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Diese positive Ladung gilt übrigens genauso für die freien Radikale in der Nahrung.

All dies bedeutet also, dass wir gut beraten sind, die positive Ladung unserer Luft zu vermeiden, um von vornherein Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen. Vor über 20 Jahren habe ich aus diesen Gründen eine Produktionsstätte in Sehestedt gegründet und viele Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt oder weiterentwickelt. Produkte, die der Maler, der Tischler und natürlich auch der Heimwerker benötigt. Bis in die siebziger Jahre wurden die "Naturfarben-Hersteller" Deutschlands belächelt oder gar verspottet, heute ist ein Wandel eingetreten. Nicht zuletzt das langsam ins Bewußtsein tretende Versiegen des Erdöls trägt dazu bei, dass sogenannte alternative Produkte attraktiver werden. Immer mehr setzt heute die Großindustrie für ihre Baumarkt-Produkte auf das Zauberschlagwort BIO.

Zunehmend fühle ich mich verpflichtet, zum Thema Gesundheit meinen Teil beizutragen, wenn ich Fernsehsendungen zum Thema Gesundheit sehe oder Beschreibungen neuer Medikamente für unsere unzähligen Zivilisationkrankheiten lese. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bei meinen Beschwerden nie die Ursache dafür, die Grundursache der Erkrankung behoben wird, weil nicht danach gesucht wird. Würden die Ärzte uns fragen, wie wir denn leben, und uns sagen, was Gesundheit überhaupt ist, was zum Leben in Gesundheit dazugehört, wären zumindest unsere Zivilisationskrankheiten, - und das ist die Mehrzahl aller Krankheiten, ausgemerzt. Das muß nicht heißen, dass man nur noch wie ein Asket leben muß, aber was z.B. völlig außer Acht gelassen wird, ist das Thema: Regelmäßige und kontinuierliche Entschlackung. - Aber wie? Und was ist zu beachten? Ich habe mich immer gefragt, warum Ärzte selbst unter Knieschmerzen oder Tennisarmen leiden. Wieso heilen sie sich nicht selbst? Wissen sie nicht, was ihre Schmerzen verursacht?

Schaut man nur die betroffenen Körperteile an, ist die Diagnose klar (für mich aber höchst oberflächlich): Verschleiß- und Operation. Aber in den allermeisten Fällen ist nach der Operation das Übel nach einiger Zeit wieder da. Warum wohl?

Wir müssen die Antwort selbst finden. Es gibt nur eine Gesundheit, aber viele Krankheiten. Diese eine Gesundheit heißt es für uns alle zu finden und zu erhalten. Ich helfe den Kunden dabei.

Die Firma Sehestedter Naturfarben hat neben der Produktionsstätte der Farben, Kleber und Pflegemittel auch ein Verkaufs- und Ausstellungsgeschäft im Ort, welches von vielen Bauherren, Handwerkern und Architekten aus ganz Schleswig-Holstein besucht wird, wenn ökologisch und gesund gebaut oder renoviert werden soll. Oft sind es Menschen, in deren Familien Allergien oder andere Zivilisationskrankheiten ausgebrochen sind, und die sich von einer gesunden Bau- und Wohnweise Besserung oder Erleichterung ihrer Beschwerden versprechen. Ganzheitlich gesehen macht uns jedoch eine saubere Farbe noch nicht gesund, dazu gehört eben der ganze Mensch, und darum habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, jeden Kunden ausführlich zu beraten. Meine erste Frage an den Kunden lautet stets: "Was möchten Sie erreichen und was haben Sie sich vorgestellt?"

Ich bezeichne mich manchmal als den Drogeristen auf dem Lande, den unsere Großväter noch kannten, bei denen der Maler seine Rohstoffe einkaufte, um selbst die zu verarbeitenden Farben anrühren zu können, bei dem unsere Großmütter ihre Kräuter einkauften und sich so manchen Rat für ihre Koch- und Konservierungskunst sowie für die Renovierung ihrer Wohnung holten. Auch in der Zukunft werden regionale Institutionen wie mein Unternehmen ihre Berechtigung haben und vom zukünftigen mündigen Verbraucher gewünscht werden. Großmärkte können dieser Aufgabe heute nicht gerecht werden und werden sie auch in der Zukunft nicht übernehmen, und von den Politikern kommen wie stets nur Informationen, wenn sie ihrer eigenen Profilierung dienen. Dabei haben doch beinahe ausschließlich die Politiker aller Parteien die Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben.

Über die notwendige Reform unseres Gesundheitswesens könnte der Staat einiges bewirken und die Staatskosten senken. Da hilft natürlich wenig, den Bürgern zusätzliche private Versicherungen zu empfehlen. Vielmehr müßte es dem Bürger einfacher gemacht werden, seine eigene Gesundheit zu pflegen und zu erhalten. Produkte, die die Gesundheit erhalten, sollten gegenüber solchen, die das Gesundheitssystem belasten, billiger angeboten werden können. Ein staatliches Instrument hierfür ist die Mehrwertsteuer. Selbst die Grünen plädieren heute für eine Erhöhung der MWSt. Denken sie aber auch daran, dieses Instrument entsprechend einzusetzen? Da genügt es nicht, einen niedrigeren Satz für Lebensmittel zu fordern. Verhungern wird niemand in unserem reichen Land, aber krank werden viele durch das, was sie täglich essen. Wäre es da nicht attraktiv, die MWSt für ökologische und gesundheitsfördernde Lebenssmittel niedriger anzusetzen?

Wäre es nicht eine Überlegung wert, auch für alle nachhaltigen Produkte eine niedrigere MWSt anzusetzen? Schließlich verursachen Verbraucher solcher Produkte keine Folgekosten für die Allgemeinheit. Mit ihren Steuern bezahlen sie aber sehr wohl die Folgekosten nicht ökologischer Produkte mit. Im Grunde genommen würden alle hierbei gewinnen. Wenn die Volksgesundheit sich bessern würde, wäre die Gesundheitsreform kein Problem mehr und würde keine zusätzlichen Kosten verursachen.

Mit Hilfe der Mehrwertsteuer könnten auch die nachhaltigen Produkte, die ich produziere, preislich günstiger werden. Meine Forderung an die Politiker in den letzten Jahren war nicht, gebt mir Subventionen sondern, bleibt nicht nur dabei, die nachhaltig produzierenden Unternehmen zu loben, geht mit gutem Beispiel voran. Wenn alle Schulen, Krankenhäuser und Rathäuser nur in Schleswig-Holstein mit meinen Farben gestrichen würden, brauchte ich nicht ums Überleben zu kämpfen, könnte ich sogar einige Arbeitsplätze schaffen. Stattdessen wird das Baurecht und die Ausschreibungspflicht (der billigste bekommt den Zuschlag) vorgeschoben. Das zuletzt Gesagte soll aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als stimme ich hiermit in den Chor der Jammernden und Klagenden ein. Vielmehr möchte ich darauf hinweisen, dass der Ausweg aus unserer deutschen Misere darin zu suchen ist, dass wir die ökologische Frage ernster nehmen sollten. Am Beispiel meiner Produkte will ich versuchen, dies zu verdeutlichen:

Alle Produkte, die ökologisch hergestellt werden, das heißt aus nachwachsenden Rohstoffen und mit einem Mehraufwand an Arbeit, müssen teurer sein als alles aus dem Rohstoff Erdöl hergestellte. Und das aus dem einzigen Grund, weil das Eröl zu billig ist im Gegensatz zu den nachwachsenden Rohstoffen und das weltweit. Das ist das eigentliche ökologische Problem und für uns Wohlhabenden natürlich sehr bitter. Nun wird das Erdöl in den nächsten Jahrzehnten immer knapper und damit teurer werden, also wird das Jammern noch zunehmen. Der Ausweg wird deutlicher. Wenn Reformen, dann bei den Wurzeln beginnen. Eine Hinwendung zur Ökologie würde das Nord-Südgefälle weltweit aufheben. Denken Sie nur an die nachwachsen Rohstoffe, die in der Dritten Welt produziert werden könnten und den vielen Armen der Welt Arbeit und Brot bringen könnten. Aber auch bei uns würde sich vieles ändern. Wir hätten mehr Arbeit. Alles würde zwar teurer werden, aber wir würden gesünder leben und dadurch sparen. Und wir brauchten keine Angst mehr vor der Zukunft zu haben. Eine solche Reform wäre angebracht, aber die muß in unseren Köpfen beginnen.

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