Die Zukunft der Menschheit

18.11.2004 | Adolf Tscherner

Eine kurze Vorbemerkung

Christian bat mich in einer eMail, meine Gedanken zur zukünftigen Gestaltung der Gesellschaft für das Forum Politik-Poker aufzuschreiben. Besonders interessiere es ihn, wie ich mir die Politik von morgen vorstelle, welche Ideen und Vorschläge ich habe. Ich empfinde dieses Ansinnen als Ehre, und werde versuchen, so gut es geht, diesem Wunsch nachzukommen.

Eines muß ich allerdings vorausschicken. Mein Beitrag ist nicht als eine Betrachtung besonnter heutiger und glorifizierter künftiger Verhältnisse konzipiert. Die aktuelle gesellschaftliche Gegenwart ist von Lügen und Geheimnissen durchtränkt, und es ist nicht meine Absicht, hier einen Schleier der Nachsicht über diese Mißlichkeiten zu breiten. Auch was die Zukunft der Menschheit betrifft und den Weg dorthin, werde ich in aller gebotenen Klarheit gemäß meinen Einsichten darlegen.

Daß diese an manchen Stellen unkonventionell, ja gegen jede Regel gerichtet, erscheinen mögen, bitte ich zu entschuldigen. Ich billige mir auch keinesfalls ein gesteigertes Erkenntnisvermögen zu. Deshalb stehen all meine Ideen und Konzepte offen zur Kritik. Eine Vorstellung, die nicht zu verteidigen ist, gehört in meinen Augen weggeworfen und durch eine bessere ersetzt.

1 Die heutige Situation

1.1 Die gestellte Aufgabe.

Liest man die Vorstellungen von Wissenschaftlern und solchen, die es zu sein vorgeben, so werden, bei ihrem Blick auf die Zukunft, in der Regel künftige technische Errungenschaften vorgestellt, die das Leben geradezu märchenhaft einfach gestalten sollen. Der Phantasie sind da offenbar keine Grenzen gesetzt. Man verzeih es mir - ich halte das ganze für völlig sinnlos und überflüssig.

Gewiß werden auch in Zukunft erhebliche technische Fortschritte gemacht, sofern die Menschheit überhaupt existiert. Das aber ist der wunde Punkt: vor jedem Fortschritt, der die Situation der Menschheit verbessert, kommt bisher immer noch ein Erfolg der Militärwissenschaft. Und solange dieser Trend nicht gestoppt ist, ist es beinahe ausrechenbar, wann die Menschheit einem Gesamtsuizid zum Opfer fällt.

Dieses Faktum ignorierend nehme ich jetzt trotzdem einmal an, daß die Menschheit sich in mittlerer Zukunft nicht selbst auslöscht. Dann muß das natürlich einen Grund haben, denn so, wie die Dinge im Augenblick laufen, wird die Gesellschaft von Jahr zu Jahr grimmiger und intoleranter. Diese negative Entwicklung hängt ganz offensichtlich mit der zunehmenden Sinnentleerung zusammen, die letztlich alle Völker in irgendeiner Weise erfaßt hat.

Der Grund für ein Weiterbestehen der Menschheit kann dann nur in einer Änderung der geistigen Beschaffenheit der Menschen liegen. Eine Vorschau auf künftige Verhältnisse muß als zentralen Punkt die geistige Ausrichtung der kommenden Generationen aufzeigen, aber auch aufspüren, was die gesellschaftliche Entwicklung in andere Bahnen lenken könnte.

Was macht nun die derzeitige Situation der Menschheit so gefährlich? Es sind vor allem drei Phänomene, die die politische Landschaft prägen, und die jede für sich ein bedeutendes Risikopotential darstellt:

  • das Patriarchat als heutige Herrschaftsform,
  • die Plutokratie als heutige Wirtschaftsform,
  • der Kampf von Staaten um schwindende Ressourcen und der dabei geübte Staatenterrorismus.

Diese drei Erscheinungen sollen näher betrachtet werden.

1.2 Das Patriarchat als heutige Herrschaftsform

Wir haben es uns angewöhnt, die Realität mit den Augen des Mannes zu sehen. Das muß keinesfalls so sein, ist in der Vergangenheit nicht immer so gewesen. Nur hat die Männerherrlichkeit mit Beharrlichkeit alle Zeugnisse von Frauenherrschaften getilgt. Daß das nicht ganz und gar gelang, erscheint schon als ein rechtes Wunder.

Jede Herrschaftsform bringt bestimmte Ausprägungen der politischen Realität hervor. Diese können den Erfordernissen der Zeit entsprechen oder ihnen entgegenlaufen. In der jetzigen Zeit sind viele der vom Mann inspirierten Eigenheiten des politisch-wirtschaftlichen Systems als lebensbedrohende Defekte unserer Welt anzusehen.

Zu diesen Defekten gehört die Verherrlichung der Gewalt, die aus der urmännlichen Vorstellung fließt. Eng damit verbunden ist die Anerkenntnis des Krieges und des Terrors als Mittel der Politik. So fällt es den herrschenden Männern offensichtlich schwer, die Gewaltkriminalität wirksam zu vereiteln.

Da der Mann die aggressive Aneignung bevorzugt, sind ihm Raubbau an Natur und deren Zerstörung zunächst kein Thema. Erst durch die Einsicht in die damit ausgelösten fatalen Folgen ist er zu einer Umkehr zu bestimmen. Dann ist es oft schon zu spät. Die von der Frau verfolgte Vorstellung des Bewahrens von wertvollen Dingen wird bei ihm nicht zum Thema.

Die Gesellschaftskonstruktionen Kapitalismus, Faschismus, Kommunismus müssen als Organisationsformen gewertet werden, die aus einem aggressiven Veränderungsbestreben heraus gebildet wurden, die der Gesellschaft Wohlstand und Sicherheit versprechen und das Versprechen in keiner Weise halten.

Besonders mißlich sind die Konstruktionen Kommunismus und Nationalsozialismus, weil sie bereits in ihren Anfängen von der ihnen zugrunde liegenden Idee ins negativ geformte Gegenteil pervertierten. Dies haben sie mit dem Christentum gemein, welches mit der Vorstellung von Gewaltlosigkeit und Liebe begann, um in den Kreuzzügen und Hexenverfolgungen ins Gegenteil gepolt zu werden.

All diese Konstrukte männlicher Machtausbreitung verblassen aber gegenüber dem extrem männlich polarisierten Kapitalismus. Er ist in solcher Stärke an männliches Selbstverständnis gebunden, daß das Patriarchat es ablehnt, eine Alternative überhaupt in Erwägung zu ziehen. Für männliches Denken war der Untergang der kommunistischen Systeme Nachweis dafür, daß Kapitalismus ohne Alternative ist.

Dieser Nachweis ist absurd. Kommunismus ist so, wie er sich präsentierte, nur als Verkleinerungsform des Kapitalismus anzusehen. Sein Untergang ist also eher Kennzeichen, daß dasselbe dem Kapitalismus geschehen wird. Dies ganz besonders jetzt, wo der Kapitalismus zunächst zum liberalen, dann gar noch zum globalen Kapitalismus mutierte.

Ein so gewandelter liberaler, globaler Kapitalismus kann nur mit der Bezeichnung Plutokratie belegt werden. Also mit der Herrschaft des Geldes, die zum Tode der Zivilisation führt. Im nächsten Abschnitt soll dies näher ausgeführt werden.

1.3 Die Plutokratie als heutige Wirtschaftsform

Wir befinden uns in einer Plutokratie, also der Herrschaft des Geldes. Das ist die Folge der Globalisierung des Kapitaleinsatzes. Es bestehen heute praktisch keine Restriktionen, Kapital aus einem Land in einem anderen Land zu investieren. Wichtiger ist, Kapital aus einem Land abzuziehen. Das macht die Länder allesamt durch das Kapital erpreßbar. Die Staaten müssen letztlich alle nach der Pfeife des Kapitals tanzen.

In der Plutokratie wird Macht anonym über den Aktienbesitz ausgeübt. Das bedeutet: Verantwortung wird nur gegenüber den Mitaktionären getragen. Wenn überhaupt. Falls dieser Besitz nicht dazu dient, eine feindliche Übernahme von anderer Unternehmensseite aus zu inszenieren. Es ist also ein Kampf aller gegen alle, wohlgemerkt: aller Besitzenden gegen ihresgleichen.

Eine Verantwortung gegenüber der Gesamtheit ist da nicht vorgesehen, auch nicht beabsichtigt. Falls sie in politischen Institutionen verankert ist, gilt es, sie zu minimieren und schließlich ganz auszulöschen. Und sie wird minimiert und sukzessive ausgelöscht. Schließlich geht sie ganz verloren. Am Ende dieses Prozesses wird die Menschheit zum Spielball der Interessen und kriminellen Machenschaften Einzelner.

Dieser Entwicklung stellte sich bisher eine merkwürdige Institution entgegen. Sie nennt sich Demokratie, obwohl sie mit der Herrschaft durch das Volk nur entfernt etwas zu tun hat. Denn das Volk hat nur die Möglichkeit, zur Durchsetzung seines Willens Mandatsträger zu wählen. Ob diese dann den Willen des Wählers respektieren - das ist per Gesetz Angelegenheit des Mandatsträgers. Also sitzt das Volk in jedem Fall am schwächeren Hebel.

Dennoch war diese Einrichtung geeignet, eine gewisse Rücksichtnahme des Großkapitals gegenüber der Politik zu garantieren. Nun aber fühlt sich die Geldmacht so gestärkt, daß sie die Defekte in der Konstruktion der Demokratie hemmungslos zur Aushöhlung demokratischer Institutionen ausnutzen kann. Denn die heutige Demokratieform besitzt keine Abwehrmechanismen gegen die langfristig betriebene Manipulation der Gesellschaft und ihrer staatlichen Institutionen durch die Insidergruppe des Großkapitals.

In Amerika, wo man Entwicklungen stets ein Stück voraus ist, ist die Manipulation der Wahlen mit Hilfe der Medien offensichtlich. Denn das Kapital beherrscht die Medien. Wer da ausschert, beendet seine Karriere als Politiker. Hinzu kommt der direkte Kauf der Gerichte und der Abgeordneten durch die Hochfinanz.

In Europa geschieht die Machtausbreitung des Kapitals über die Drohung, Produktionsstätten in andere Länder, vor allem Länder mit niedrigem Lohnniveau, zu verlegen. Dem kann man solange nichts entgegensetzen, wie man Liberalisierung des Handels und Globalisierung des Kapitaleinsatzes positiv wertet.

Globaler liberalisierter Kapitalismus bringt also einen Kampf der Staaten gegeneinander hervor, der sich zunächst auf wirtschaftlichem Gebiet vollzieht, dann aber in Kriege gegen wehrlose Staaten ummünzt. Da dies auch immer eine Verschiebung der Einflußsphären der mächtigen Staaten untereinander bedeutet, ist abzusehen, wann hier die Interessen solcher Staaten zu offenen Konflikten zwischen Atommächten führen.

1.4 Terrorismus als Defekt unserer Zivilisation

Der Terrorismus ist als ein weiterer Defekt unserer Zivilisation anzusehen. Die Gefährdung der Menschheit geht aber zunächst nicht von terroristischen Gruppen, sondern von Staaten aus, die sich terroristischer Methoden bedienen. Dieser Staatenterrorismus ist deshalb für unsere Zivilisation so gefährlich, weil er den Staat auf das Niveau einer Extremistengruppe hinabdrückt. Zum mindesten ist ein solcher Staat nicht mehr als humanitär zu bezeichnen. Er ist in seiner Prägung den faschistischen Staatskonstruktionen gleichzusetzen.

Da liegt man mit den Methoden Hitlerdeutschlands auf einer Linie. Denn auch damals schon wurde etwa bei einer erfolgreichen Partisanenattacke die Bevölkerung des besetzten Landes zur Zielscheibe von Racheakten der Besatzer. Ähnliches kann man heute dort beobachten, wo Gebiete zwar besetzt oder annektiert sind, es aber nicht gelingen will, sie zu befrieden.

Die eigentliche Gefahr liegt einmal darin, daß ein Staat, der sich terroristischer Mittel bedient, langsam aber sicher demokratischen Boden verläßt und seine Aktionen auf dem Rücken derjenigen austrägt, die sich nicht in entsprechender Weise zur Wehr setzen können. Zunächst! Doch diese fehlende Gegenwehr ist nicht von Dauer. Selbstverständlich finden sich immer Leute entsprechender Denkungsart, die mit terroristischen Mitteln eine Gegenwehr organisieren. Wen sollte das wundern.

Dies Faktum wird dabei von terroristischen Staaten übersehen: das ist der mißliche Nebeneffekt, daß man mit staatlichem Terrorismus recht eigentlich erst den Terrorismus von Gruppen und Extremisten erzeugt und anwachsen läßt. Man führt terroristischen Gruppen schließlich Methoden vor, die sie mit Erfolg anwenden können.

Terroristen lernen schnell. Und irgendwann werden sie Atomwaffen in die Hand bekommen, und entgegen der Gewohnheit heutiger Supermächte, diese als Drohung einzusetzen, um bestimmte systemkonforme Ziele zu erreichen, werden sie diese Waffen erst einsetzen, und erst danach nach Sinn und Ziel ihres Handelns fragen.

Dann hat man ein Problem, das man aus männlicher Sicht nicht lösen kann. In einer Staatengesellschaft, die nur deshalb im relativen Gleichgewicht verharrt, weil jeder jeden durch Abschreckung an einer zukunftsträchtigen Lösung hindert, muß ein solcher Schlag eine Destabilisierung des politischen internationalen Gleichgewichts auslösen, der die Nationen in völlige Ratlosigkeit stürzt.

Denn da man nur eine begrenzte Zahl von Atombomben explodieren lassen kann, ohne daß der nukleare Winter sich auf die Menschheit herabsenkt, und die Terroristen vielleicht schon zwei Drittel von diesem Kontingent verbraucht haben, so bleibt für Gegenwehr nicht mehr viel Spielraum.

Terrorismus von Staaten zerstört auf Dauer nicht nur alle Menschlichkeit und Moral in der Gesellschaft. Er macht die Menschen aggressiv, intolerant und züchtet letztlich Terroristen heran, deren man nicht mehr Herr werden kann.

Es erfolgt eine Verwahrlosung der gesamten Gesellschaft. Die Menschen werden schließlich zu allem fähig. So ist das Bombardement von Städten, die bereits militärisch besiegt sind, Kennzeichen einer Gesinnung, die alle Errungenschaften unserer Zivilisation außer Funktion setzen will.

Man wendet dann auch Folter als Racheinstrument an. Und man bombardiert Kulturgüter der Menschheit, deren Vernichtung nicht wiedergutzumachen ist. Es ist der graue Materialismus der hier wütet, und er ist untrennbar mit den letzten Zuckungen des Patriarchats verbunden.

2 Die Überlebensstrategie

2.1 Die wichtigste unmittelbare Aufgabe

Der sich in den Handlungen der Staaten zeigende Trend, politisches und militärisches Handeln ohne sittliche Einschränkungen zu vollziehen, könnte so nicht geschehen, würde dies nicht grundsätzlich von der Gesellschaft toleriert oder gar gut geheißen.

Die Bevölkerung tendiert weltweit zu einer Handlungsnorm, die es jedem erlaubt, sich auf Kosten anderer zu bereichern. Andererseits werden durch die Globalisierung Länder wie China und Indien in die Lage versetzt, am bisherigen Wohlstand der reichen Nationen zu partizipieren.

Da die Güter der Welt nicht beliebig vermehrt werden können, bedeutet das den Zwang für die Menschheit, eine globale Umverteilung der vorhandenen Ressourcen durchzuführen. Und zwar, ohne daß der Aspekt der Macht eine Rolle dabei spielt. Das ist bei der Sinnentleerung, die die Menschheit ergriffen hat, ganz aussichtslos, denn man huldigt der Doktrin: der Mächtigste ist machtvoll nur dann, wenn er die Güter vergeudet.

Man wird zugeben müssen, daß eine solch egozentrisch gepolte Handlungsgrundlage nicht gerade die Überlebensfähigkeit der Menschheit steigert. Und wozu auch. Nach dem Tode des Einzelnen ist für ihn ja doch alles vorüber. Dem Augenblick gehört das Bemühen. Was später kommt, ist ohne Belang. Wenn die Menschheit dabei verdirbt, was kümmert es den, der ohnehin sein Leben in Kürze beendet.

Die heutige Sinn-feindliche Grundhaltung, die insgeheim bei Ungläubigen wie Gläubigen vorhanden ist, gestaltet sich zu einer Blockade von Handlungen, ohne die ein Überleben der Menschheit unmöglich ist. Die Menschheit ist wie in einem bösen Traum gefangen, in welchem sie sehenden Auges in ihr Verderben rennt. Ohne zwingende neue Einsicht ist da keine Veränderung möglich. Zu stark sind die ichbezogenen Antriebe, die ein Ausbrechen aus dem bisher geübten Verhalten verhindern.

Vielleicht schafft eine Wirtschaftsdepression es, die Plutokratie als größte je erschienene Gefahr für die Menschheit zu entlarven. Vielleicht! Selbst wenn man die Plutokratie bzw. den globalen, liberalen Kapitalismus beseitigt, bleibt da noch das große Umweltproblem und die Notwendigkeit, eine Solidargemeinschaft völkerübergreifend zu bilden. Ob das auf Basis heutiger Vorstellungen gelingen kann, darf bezweifelt werden.

2.2 Die große Lüge

Zusammenfassend kann man konstatieren: die Menschheit befindet sich in einer Vorstellungswelt, die als grob materialistisch zu bezeichnen ist. Dies korrespondiert mit der Perspektivlosigkeit des heutigen Menschen, was sein Leben nach dem Tod betrifft. Er ist in innerster Seele verunsichert, und diese Orientierungslosigkeit treibt ihn zu Handlungen, die nicht nur sinnlos sind, sondern ein erfülltes Leben zu führen verhindern.

Die einzige Überlebensmöglichkeit der Menschheit ist die positive Beantwortung der Sinnfrage. Das bedeutet Anerkenntnis der Existenz Gottes oder wenigstens der Unsterblichkeit der Seele. Allein ein Konsens, der die Sinnfrage positiv beantwortet, kann den Zerfall der menschlichen Zivilisation stoppen.

Die ärgste Behinderung bei der Lösung dieses Problems ist das, was ich die große Lüge nennen möchte. Sie ist eigentlich in allen Bereichen anzutreffen, besonders natürlich in Politik und Wirtschaft. Beispiele sind die skandalösen Lügengeschichten, die um den schwarzen Freitag, den Tod John F. Kennedys und die Zerstörung des WTC in New York herum, dem Publikum präsentiert wurden. Und die Menschen glauben all das, obwohl es Zeugnisse genug gibt, die die Wahrheit erschließen lassen.

Nicht so spektakulär sind die Unwahrheiten der Physik und an einem speziellen, aber äußerst wichtigen Punkt der Mathematik. Es ist an dieser Stelle schwer, das begreiflich zu machen, worum es hier geht, ohne tief in die Grundlagendiskussion der Physik einzusteigen. Nur soviel sei gesagt: Es handelt sich um die Vorstellung von Raum, der von Einstein in ganz unzulässiger Weise definiert wurde.

Er sprach dem Raum die Eigenschaft ab, Objekt zu sein. Und die einzige Begründung, die von ihm für dieses Vorgehen geliefert wurde, war die, daß die Annahme eines dinglichen Raumes zu größerer Kompliziertheit in den Berechnungen führen würde, als durch die von ihm geschaffene Relativitätstheorie. Na gut, wenn das so ist, warum sollte man ihm da nicht beipflichten.

Die Physik konnte bei dieser einen Unwahrheit nicht stehen bleiben. Denn eine Unwahrheit zieht weitere nach sich. So kam es zu der absurden Heisenberg'schen Fehldeutung der Ungenauigkeitsphänomene. Und zu der lächerlichen Konstruktion von Elementarteilchen, die zwar ungeteilt, aber doch teilbar sein sollen.

Man könnte nun meinen, solche Konstruktionen seien eben als Schritte hin zu einer in sich geschlossenen, wahren physikalischen Theorie. Man müsse eben noch einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte warten. Dann würde schon Klarheit in die heute skuril anmutende physikalische Wissenschaft kommen.

Das Problem ist nur, daß die Physik ihre Arbeitsmodelle als unwiderlegbare Wahrheiten verkauft. Damit ist eine Philosophie im klassischen Sinne nicht mehr möglich. Denn alle Philosophie geht letztlich immer von Vorstellungen aus, die die Existenz der Objekte betreffen. Und dieser Weg ist von nun an nachhaltig verbaut.

Nach Schaffung der Relativitätstheorien vermochte die Philosophie noch einige Jahrzehnte zu überdauern, in dem sie existentielle Probleme bezüglich der neuen physikalischen Weisheiten bearbeitete. Heute ist sie, streng genommen, nicht mehr vorhanden.

Diese Kapitulation der Philosophie vor allem ist schuld an der geistigen Misere heutiger Zeit. Man hat es einfach unterlassen, von der Philosophie her die Ungereimtheiten der Physik unter die Lupe zu nehmen. Man ließ sich von den Erfolgen der Nukleartechnologie beeindrucken, ohne zu begreifen, daß Technik mit Wissenschaft nur entfernt etwas zu tun hat. Diese Unterlassung hat die Menschheit an den Abgrund der Selbstvernichtung geführt.

2.3 Die Beantwortung der Sinnfrage

Sollte die Menschheit die Sinnfrage in der Weise beantwortet haben - es gibt keinen Gott, endet das Leben des Menschen, erlischt auch seine seelisch geistige Existenz - dann ist die Sache sehr einfach. Der Menschheit bleibt dann noch geschätzt so etwa 30 bis 50 Jahre. Und dann ist eben Schluß. Das wäre dann auch gut so, weil es völlig gleich wäre, ob die Menschheit etwas länger oder weniger lange überdauert.

Geht man allerdings von der Existenz Gottes aus und begreift die Seele des Menschen als ein grundsätzlich unzerstörbares Subjekt, dann tun sich zwei sehr unterschiedliche Alternativen auf, für die es sich lohnt, daß sie näher betrachtet werden.

Eines ist klar. Gott stellt, falls er existieren sollte, in jedem Fall die Weichen für die kommenden Geschehnisse. Und das Ende der großen gesellschaftlichen Umwandlung, die ansteht, wäre in jedem Fall bereits durch göttlichen Willensakt im beabsichtigten Umfang festgelegt.

Denn existiert Gott, so wird eines seiner Hauptziele bezüglich des Planeten Erde sein, den Lebensraum der Tier- und Pflanzenwelt und die Zivilisation der Menschheit zu erhalten.

Was aber offen ist, und was, physikalisch gesprochen, die noch vorhandenen Freiheitsgrade der Gesellschaft anlangt, das ist die Art und Weise, wie der Umwandlungs- und Reinigungsprozeß ablaufen wird.

Da gibt es die Möglichkeit der kleinen, mittleren oder großen Katastrophe. Je nachdem, welche geistige Beschaffenheit die Gesellschaft im kritischen Augenblick vorweist. Für eine Verbesserung der inneren Beschaffenheit wäre es schon nützlich, sich über die Existenz Gottes Klarheit zu verschaffen, um sich nicht auf einen Glauben beziehen zu müssen, den man innerlich ohnehin nicht mehr akzeptiert.

Und das wäre in dreifacher Weise möglich. Einmal durch einen theoretisch philosophischen Beweis. Das erscheint von vornherein aussichtslos. Bedenkt man aber, daß alles was existiert, in einem Wirkungszusammenhang miteinander verbunden sein muß, so kann Gott unmöglich die Geschicke der Welt lenken, ohne daß man Spuren seiner entfalteten Einwirkung aufzuspüren vermag. Hat man die erst einmal geortet, ist der Existenzbeweis beinahe schon erbracht.

Wesentlich griffiger, dafür allerdings diffamierenden Anfeindungen in erheblichem Maß ausgesetzt, sind empirische Untersuchungen, die die Reinkarnation der menschlichen Seele beweisen. Hier liegt ein ungeheures Material vor, welches im Falle einer seriösen Untersuchung allemal fähig ist, wenigstens die Existenz eines jenseitigen Bereichs nachzuweisen.

Schließlich kann der Einzelne eine Verfolgung seiner vorgeburtlichen Vergangenheit in der Hypnose vornehmen. Da sich dieser Mensch kaum selbst belügen wird, ganz sicher nicht in der Hypnose, kann er also im engen Rahmen der Kette eigener Leben Gewißheit über die über den Tod hinausreichende Existenz der eigenen Seele gewinnen.

Für alle diese Ansätze ist es jedoch notwendig, daß man die Untersuchung auf Sinn oder Nichtsinn menschlicher Existenz tatsächlich in Angriff nimmt. Vielleicht sogar Akzeptanz des Ansatzes, daß die Untersuchung der Sinnfrage höchste Priorität besitzt und mit Nachdruck voranzutreiben ist. Denn ohne eine solche ernsthafte Untersuchung tappt die Menschheit bis auf weiteres im Dunkeln, bis Gott durch einen Akt der Selbstoffenbarung alle Zweifel der Zweifler beseitigt.

3 Die Zukunft der Menschheit

3.1 Die geistige Basis der kommenden Zeit

Da Nichtexistenz Gottes den Letalfaktor für die menschliche Zivilisation bedeutet, kann man also bei Weiterbestehen der Menschheit von Gottes Existenz ausgehen, darüber hinaus von einer Selbstoffenbarung Gottes. Denn Unklarheit in der Frage der Existenz Gottes würde in der Menschheit einen permanenten Spannungszustand erzeugen, mit der Möglichkeit für negative Menschen, ihre Destruktion auf die ganze Erde auszudehnen.

Nur die Einsicht solcher negativ gepolten Individuen, daß mit Vernichtung der Menschheit unsagbare Pein den Verursacher trifft, ist der Schutzschild gegen die Machenschaften von Destruktivisten geschaffen. Denn Destruktivisten gibt es und wird es weiterhin geben. Wenn sie nicht vor dem Äußersten zurückschrecken, bilden sie eine ungeheure Gefahr für die Menschheit. Ich denke da an die Kubakrise, in der das Schicksal der Menschheit am seidenen Faden hing, und die auch von einer Gruppe von Menschheitsfeinden ausgeheckt wurde.

Der Mensch der Zukunft ist also von der Existenz Gottes überzeugt. Und zwar deshalb, weil sie ihm theoretisch und empirisch bewiesen ist. Darum übernimmt auch jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft willig die Verantwortung für eigenes Handeln. Und zwar ohne Ausflucht und künstlich geschaffene Bedingungen. Vor allem treten die eigenen Interessen in den Hintergrund.

Denn mit der Idee der Existenz Gottes ursächlich verknüpft ist die Einsicht, daß der Mensch nicht allein zu Spaß und Tollerei auf der Erde ist, sondern daß mit der irdischen Existenzform die Aufgabe der Selbstveredelung und der Vergeistigung gestellt ist. Das bedeutet nicht, daß die Gesellschaft sich nun alle Freude versagen soll, Erotik in puritanischem Ernst zu meiden hat. Im Gegenteil. Sexualität wird von der Last des Verbotenen und nur in legalen Verhältnissen akzeptierten befreit.

Vor allem geht es dem künftigen Menschen um die Etablierung einer allumfassenden Verantwortung des Einzelnen und der Gemeinschaft. Verantwortlichkeit bedeutet ja, ethische Grundsätze zu befolgen. Diese Forderung richtet sich dann auch an Politik und Wirtschaft. Nicht nur die fremden Interessen werden den eigenen gleichgestellt, sondern auch der Erfolg der eigenen Unternehmung wird nicht auf Kosten anderer Unternehmungen gewonnen. Und in der Politik wird die Wohlfahrt der Völkergemeinschaft und der Völker darin mit gleichem Gewicht vertreten wie die des eigenen Volkes.

Das bedeutet als erstes, daß die Völker sich in Frieden zu einer Völkergemeinschaft vereinen. Und diese Völkergemeinschaft ist in wahrer Demokratie und Solidarität geeint. Sie allein hat die Befugnis, Zwangsmaßnahmen gegen einzelne Staaten zu verhängen. Dies kann nur auf Aktivitäten von Staaten hin geschehen, die sich direkt gegen das Wohl anderer Staaten richten.

Die dabei der Völkergemeinschaft zur Verfügung stehenden Mittel und die zu einem Vorgehen oder gar gewaltsamen Vorgehen berechtigenden Verstöße gegen das Völkerrecht werden streng und für alle Staaten in gleicher Weise definiert. Eine dem Terrorismus ähnliche Methode in den Zwangsmaßnahmen, bei der die Bevölkerung des zur Rechtmäßigkeit gezwungenen Staates großen Schaden nimmt, ist dabei ausgeschlossen.

Daß Krieg in der Zukunft zu ächten ist, ist wohl jedem klar. Daß aber auch ein ökonomisches Engagement für andere notwendig ist, erscheint dem heutigen Menschen wie eine völlig utopische Vorstellung, die jenseits aller Realisierungsmöglichkeit liegt. Doch Grundidee einer solchen Verhaltensweise ist nicht ein nebulöser Altruismus, sondern das Bemühen, Realität ganzheitlich zu sehen und seinen Herausforderungen entsprechend zu begegnen.

Erst wenn die Gesellschaft ihr Dasein als Existenzform begreift, welche nur im Verbund mit anderen Menschen zu verteidigen ist, kann von einer Zukunft der Menschheit gesprochen werden. Denn bekommt die Menschheit die ökonomisch-ökologische Situation nicht in den Griff, wächst im Hintergrund ein Aufbegehren heran, das zu einem kriegerischen Konflikt eskalieren kann. So kommt durch die Hintertür das zustande, das man grundsätzlich und mit allen Mitteln verhindern wollte.

Diese aus ideeller Sicht geprägte ganzheitliche Auffassung der Politik erhält im materiellen Bereich seine Entsprechung. Nicht nur ganzheitliche Politik, auch eine ganzheitliche Ökonomie gehört zur Stabilisierung der Gesellschaft hinzu. So wird es keine Produktion mehr geben, in der auf die Natur keine Rücksicht genommen wird. Die in allen Verfassungen verankerte Bestimmung, den Einsatz von Kapital verantwortungsvoll zu tätigen, wird wirklich und mit Nachdruck in die Tat umgesetzt, und nicht wie heute gänzlich ignoriert.

Ganzheitliche Ökonomie bedeutet auch, alle Probleme des Schadstoffanfalls und der Entsorgung verbrauchter Produkte befriedigend zu lösen. Auch die Steigerung der Lebensdauer und der Reparaturfreundlichkeit von Gebrauchsgegenständen gehört dazu. Auch darf keine Produktion durchgeführt werden, zu der eine ökonomisch oder ökologisch günstigere Alternative vorhanden ist.

Gesamtwirtschaftlich bedeutet ganzheitliche Ökonomie Abkehr vom Wachstumswahn. Jedes Wachstum verschärft die Umweltbelastung durch die notwendigerweise anfallenden Schadstoffe. Unkontrolliertes Wirtschaftswachstum ist die verbrecherische Begleiterscheinung des als kriminell zu wertenden global liberalisierten Kapitalismus und deshalb abzulehnen. In der Zukunft führt ein nicht von der Völkerregierung vorher genehmigtes Wachstum einer Unternehmung zur drakonischen Bestrafung seiner Urheber.

3.2 Die Zukunft der Menschheit heißt Matriarchat

Die Zukunft der Menschheit ist von der Ächtung des Krieges, und der Durchsetzung einer ganzheitlichen Ökonomie geprägt. Religionen verlieren ihre Berechtigung, da die Existenz Gottes als Erkenntnis vorliegt. Kapitalismus, der zu globalem liberalen Kapitalismus degenerierte, ist passé. Damit ist der Plutokratie die Grundlage ihrer Wirkungsmöglichkeit entzogen. Die Macht der Hochfinanz wird gebrochen.

Das beseitigt zunächst für eine gewisse Zeit die Macht mächtiger Einzelner. Damit dies dauerhaft so bleibt, muß die bisherige lineare in eine zyklische Machtstruktur umgewandelt werden. Denn sie allein kann das Wiedererstarken einzelner Machtbesessener stoppen. Das bedeutet aber den Übergang vom Patriarchat zum Matriarchat.

Das ist gemäß Hegels Antithetik auch angesagt. Denn zu lange schon hat die männliche Herrschaftsform gedauert. Sie ist über die Jahrtausende hin bestimmend gewesen. Nun ist sie verbraucht und degeneriert. Ein Durchschlagen der alten Herrschaftsform des Patriarchats in die entgegengesetzte des Matriarchats ist unumgänglich notwendig.

Was bringt nun die neue Herrschaftsform? Ganz klar: Es wird eine Weltregierung geben, welche die großen Ziele der menschlichen Gemeinschaft festlegt. Das wird aber nicht in der Weise geschehen, daß man, wie bei der Mannesherrschaft, ein Mandat an eine Person gibt, die dann die Sache in die Hand nimmt.

Nein, so läuft das im Matriarchat nicht. Die Machtstruktur ist, wie gesagt, zyklisch. Das bedeutet, daß eine Führung nur für relativ kurze Zeit an eine bestimmte Person fällt. Dann gibt sie das Zepter an ein nächstes Mitglied der Runde ab.

Da das aber nur dann durchführbar ist, wenn alle in der Runde prinzipiell mit der Materie vertraut sind, und die Entscheidungen wirklich von allen, und nicht nur vom Vorsitzenden getragen werden, kommt eine völlig veränderte Art der Politik zustande. Die Führung der Gesellschaft erfolgt kollektiv. Die Vorsitzende ist Prima inter Pares.

Ja, man hat richtig verstanden. Die leitenden Institutionen der Menschheit werden von Frauen, deren oberste Gremien von Müttern, besetzt. Daran geht kein Weg vorbei. Denn man ist der Meinung, daß allein Frauen in der Lage sind, Krieg, Gewalt und übermäßige persönliche Bereicherung nachhaltig zu verhindern. Ganz besonders dann, wenn sie bereits Kinder zur Welt gebracht haben.

Denn welche Frau möchte schon einen Menschen, den sie geboren und aufgezogen hat, auf Schlachtfeldern dahingemordet sehen. Noch dazu, wo all diese kriegerischen Aktionen einzig dem Zweck dienen, der unterlegenen anderen Seite das mühsam Erarbeitete unrechtmäßig zu entwenden. Damit ist nun ein für allemal Schluß.

Es gibt also eine Weltregierung und die ist demokratisch gewählt. Da die Männer, wie wir sehen werden, in der Minderzahl sind, ist diese Regierung hauptsächlich aus Frauen gebildet. Das ist die Folge der Demokratie. Denn der Grundaufbau bzw. die Wahl der Institutionen im Matriarchat ist demokratisch.

Abweichend allerdings von heutiger Gepflogenheit sind Manipulationen des Wählerwillens durch finanzielle Machenschaften verboten. Verstöße hiergegen werden als Schwerstdelikt geahndet. Im übrigen gibt es keine Parteien mehr. Bestenfalls Wählervereinigungen, die aber nach einiger Zeit durch andere ersetzt werden.

Selbstverständlich ist dort Schluß mit der Demokratie, wo der Bestand des Matriarchats in Gefahr gerät. Hier werden sich die Frauen auf keine Kompromisse einlassen. Das Mittel, das sie zur Stabilisierung ihrer Herrschaftsform einsetzen werden, heißt Reduktion des Anteils der Männer an der Gesamtbevölkerung.

Wie das zustande kommen soll? Ganz einfach. Entweder wird eine Geschlechterauswahlpille gefunden, mit deren Hilfe sich das Verhältnis Frauen zu Männern regulieren läßt, oder überflüssige männliche Föten werden ganz einfach abgetrieben. So oder so: auf einen Mann kommen im Matriarchat zwei bis drei Frauen. Da ist der Bestand der Frauenherrschaft kein Thema mehr, denn bei Abstimmungen geben allemal Frauen den Ausschlag.

Diese Regelung bringt mit sich, daß jede Frau nicht mehr zwei Kinder (plus Schwundfaktor) zur Welt bringen muß, damit die Menschheit nicht ausstirbt, sondern meist nur ein Kind. Das macht die Mehrheit der Frauen beruflich weit flexibler als bisher. Denn das ist auch notwendig. Denn schließlich müssen die Frauen jetzt das tun, was bisher ausschließlich Männersache war: Nicht nur arbeiten, sondern Tätigkeiten koordinieren bzw. managen. Da würden zwei Kinder leicht zum Problem.

Auch Männer werden in gesetzgebende Gremien gewählt. Nur wird ihr Anteil zu gering sein, um Abstimmungen zu entscheiden. Dafür werden sie verstärkt als beratende Instanz für die Entscheidungsfindung herangezogen. Sie erarbeiten die Grundlagen und machen die Vorschläge. Die eigentlichen Entscheidungen wird aber in den gesetzgebenden Gremien gefällt. Und dort haben die Frauen das Sagen.

Was wäre noch über das öffentliche Leben zu sagen? Klar! Es gibt einen internationalen Gerichtshof als letzte Rechtsinstanz, dessen Spruch für alle Menschen des Planeten verbindlich ist. Und dieses Gericht entscheidet tatsächlich so, daß Entscheidungen von den Einzelmitgliedern gebildet werden und dann erst ein Konsens zustande kommt. Und nicht wie heute, wo der Vorsitzende das von ihm gebildete Urteil hinauskräht und sich die übrigen Mitglieder des Kollegiums seiner Meinung anschließen.

Wichtiger als die institutionellen Besonderheiten sind die auf Menschen bezogenen Eigenheiten der Gesellschaft, oder sollte man sagen Gemeinschaft, die nun der Menschheit ein ganz anderes Aussehen geben. Denn von nun an gilt:

  • Die Individuen in Staat bzw. Gemeinschaft und die Staaten untereinander sind solidarisch miteinander verbunden. In der Menschheit der Zukunft wird niemand mehr verhungern.
  • Etablierung einer ganzheitlichen Ökonomie. Darin werden die Kosten insgesamt eines Produkts bis zu seiner Verschrottung bzw. Entsorgung minimiert, wobei ökologische Notwendigkeiten voll berücksichtigt werden.

Wäre noch etwas über das tägliche Leben im Matriarchat zu sagen. Da ein erheblicher Frauenüberschuß angesagt ist, wird es so etwas wie eine heutige Familie nicht geben. Die Familie wird durch eine Frauenkommune ersetzt, an die die Männer locker angegliedert sind. Das könnte dazu führen, daß Männer überhaupt kein Eigentum erwerben können, da alles Eigentum solchen Kommunen zugeordnet ist.

Im übrigen ist von nun an kein Grund mehr vorhanden, die Institution Familie am Leben zu erhalten. Sie war ja nur dazu da, dem Mann zu garantieren, daß ihm keine Kinder anderer Väter untergeschoben wurden. Von nun an ist die Vaterschaft ganz unwichtig, denn nur die Mutter zählt. Außerdem hat man ja noch die Genanalyse.

Die weitere Folge des Frauenüberschusses besteht in der erheblichen Steigerung lesbischer Beziehungen. Da Männer fehlen, muß man miteinander vorliebnehmen. Da man aber Frauen nicht ohne weiteres in Lesben verwandeln kann, die der Gleichgeschlechtlichkeit negativ gegenüberstehen, wird sich eine starke Promiskuität herausbilden.

Dies dürfte sich sporadisch zu sexuellen Massenexzessen steigern, die gemäß der weiblichen Vorliebe für natürliche Szenarien auf dem freien Feld stattfinden. Diese Orgien würden dann ein Ventil für aufgestauten Frust abgeben. Denn reibungslos wird das Matriarchat niemals funktionieren. Das verbietet schon die Spontaneität, die der Frau innezuwohnen scheint.

Diese Massenveranstaltungen würden zwar zügellos, aber doch in einer Art Planung ablaufen. Sie hätten neben der rein sexuellen Funktion auch einen Ersatz für Religion zu bieten. Denn die heutige Hochreligion als Instrument der Sinnfindung ist ein Auslaufmodell und wird durch das Wissen um die Existenz Gottes ersetzt.

Was aber als Defizit bleibt, ist die Neigung des Menschen, in kultischen Handlungen einen emotionalen Zugang zur Welt des Jenseitigen zu finden. Die Lücke wird durch eine Art Naturreligion ausgefüllt. Dort ist der bisherige Personenkult um die Religionsschöpfer ausgelöscht. Und es gibt keine Dogmen. Dafür Ekstase, die sich hervorragend für die Festigung der allweiblichen Ideen nutzen läßt.

3.3 Negativseiten und Defekte des Matriarchats

Keine Herrschaft ist vollkommen, denn sie ist immer mit Unfreiheiten der Beherrschten verbunden. Das mag notwendig sein, bringt aber immer und grundsätzlich Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten hervor.

Sicher ist: es wird kein Paradies auf Erden entstehen. Dazu müßten die Menschen hoch vergeistigt werden, was eine große Zeitspanne innerer Bemühungen verlangt. Dann würden sie sich mit dem bescheiden, was sie vorfinden. Das aber ist noch nicht angesagt. Das Matriarchat will, daß sich die Verhältnisse nach seinem Plan ändern.

Dieser Plan verlangt die Auflösung großer Vermögen. Nach einer Übergangszeit wird es keine Milliardäre mehr geben. Das sind sich die Frauen schuldig.

Jegliche Autorität wird abgelehnt. Beschlüsse kommen nur über einen zermürbenden Kampf widerstreitender Ansichten zustande. Eine aristokratische Herkunft wird fast wie ein Delikt behandelt. Denn sie wird als Konservierung ehemaliger Autorität verstanden.

Innovation, in welcher Richtung auch immer, ist nicht Sache der Frau. Sie scheut das Risiko der Ungewißheit. Innovation, die mit irgend jemandes Interesse in Konflikt gerät, ist kaum durchzusetzen. Das hat nichts mit dem technische Fortschritt zu tun, der vehement vorwärts schreitet.

Kunst und Kulturgüter werden nicht mehr geschaffen, sondern nur noch verwaltet. Man muß froh sein, wenn man das Vorhandene für die Zukunft retten kann. (Siehe H. Hesse: Glasperlenspiel)

So wie männliche Sieger einer Schlacht erst ihren vollkommenen Sieg zu feiern glaubten, wenn sie die Frauen des Gegners vergewaltigten, so ist der Triumph der Frau über den Mann erst vollkommen, wenn sie die Männer kastrieren, die sich den Zielen der Frauenherrschaft in den Weg stellen. Gesellschaftlich bedeutet das die Entmachtung des Mannes, strafrechtlich Kastration männlicher Gewaltverbrecher.

Der Mann verliert allen Einfluß und alle Macht. Die Ideale der Männer werden herabgewürdigt. So werden der Kampfsport incl. Weltmeisterschaft und Olympia, die Preise für besondere Leistungen, so der Nobelpreis und der Oskar, abgeschafft. Alle Höchstleistungen gelten als anrüchig. Das Genie blüht bestenfalls im Verborgenen.

Zusammenfassend kann man sagen: das Matriarchat bewahrt die Menschheit zwar vor dem Untergang. Die Lösung aller weiteren Probleme ist aber weiterhin der Bemühung des Einzelnen überlassen. Dabei werden die Schwierigkeiten und Defekte des Patriarchats durch die des Matriarchats ersetzt, die eine gewisse Chaotik in das künftige Leben hineinbringt. Da hilft die weiter vorwärts schreitende EDV auch nur bedingt. Was der technische Fortschritt schafft, wird durch Unfähigkeit zur Konsensbildung aufgezehrt.

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