Die Qual der Wahl

24.09.2009 | Jens Mannheim

Und alle Jahre wieder stellen wir uns die Frage auf ein Neues: wen sollen wir wählen? Oder wir stellen uns diese Frage nicht, weil wir schon immer die gleiche Partei gewählt haben und aus der Tradition heraus das Kreuzchen an der gleichen Stelle machen?

Eventuell gibt es auch überzeugte Nichtwähler/Innen unter den Leser/Innen, die rein aus Protest heraus den Wahlzettel überhaupt nicht erst abgeben oder ihn durchgestrichen und damit ungültig am Wahltag in die Urne werfen?

Politikverdrossenheit der Generation Praktikum

Es ist auffallend, dass immer weniger zur Wahl gehen, besonders signifikant ist hier die Personengruppe von Bundesbürger/Innen jüngeren Alters. Mein persönlicher Eindruck ist allerdings weniger, dass die junge Generation unter Politikverdrossenheit leidet. In meinen Augen ist sie vielmehr müde von den selbst verherrlichenden Reden der Politiker/Innen, deren Inhalte und Versprechungen sich innerhalb kürzester Zeit wie in Luft auflösen.

Die Alten von morgen erwarten von der Jugend von gestern mehr denn je ehrliche Worte und keinerlei Schönfärberei. Sie wünschen sich authentische Persönlichkeiten, die nicht nur über ein imposantes Artikulationsgeschick verfügen, sondern zu ihren Worten auch längerfristig stehen und intensivere Bemühungen zeigen wirklich etwas für die Gesellschaft und der in ihr lebenden Menschen tun und verändern zu wollen.

Kritiker/Innen der Wirtschaft fordern auf kurzfristige Geldanlagen mit hoher Rendite zu verzichten und anstelle dessen in längerfristigere, nachhaltige und vernünftige Geldanlagen zu investieren. Mit genau der gleichen Weitsicht müssen auch die Politiker/Innen umdenken lernen und anders handeln. Wer im Wahlkampf mit teilweise utopischen Wahlversprechen auf Stimmenfang geht, letztlich diese Versprechen aber nicht halten kann, sollte lieber von vorneherein weniger große Veränderungen heraufbeschwören, dafür aber mit beiden Beinen realistisch auf dem Boden der Tatsachen stehen und klar aufzeigen, was geht und was nicht geht.

Umdenken in Politik und Wirtschaft

Sowohl im Wirtschaftsleben als auch in der Politik scheint es immer wieder ein gleiches, wiederkehrendes Muster von Versprechungen und der Anwendung bestimmter Handlungsformen zu geben. Was wir benötigen ist Qualität und nicht rein zufällig steckt im Wort Qualität auch das kleine Wörtchen Qual. Wer qualitativ hochwertig arbeiten möchte, der muss sich dazu auch ein wenig quälen. Von nichts kommt nichts. Nachhaltig wirkende Erfolge können nur dann erzielt werden, wenn über die Legislaturperioden von vier Jahren weit hinaus gedacht wird und schon heute der Grundstein für die Veränderungen von morgen gelegt und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Selbstkritische Bürger/Innen

Umdenken ist schwer und es ist einfach die Schuldigen stets bei den anderen zu suchen. Grundlegende Veränderungen beginnen meiner Meinung nach aber bereits bei jedem Einzelnen von uns. Bürger/Innen müssen sich zunächst einmal selbst kritisch unter die Lupe nehmen und sich fragen, was sie anders machen können. Bei aller Kritik gegenüber der Wirtschaft und Politik müssen sicherlich auch Teile der Bevölkerung ihrerseits politische wie wirtschaftliche Zusammenhänge besser verstehen lernen, um darüber realistischere Einschätzungen vornehmen zu können.

Wir leben in einer Zeit großer Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Das wissen wir alle und erleben diese im Zeitalter der globalen Medienpräsenz im Sekundentakt rund um die Uhr praktisch im Liegen vom eigenen Wohnzimmersofa aus. Es würde den Personen(-gruppen) der Generation Praktikum gut tun Politiker/Innen um sich haben, die nicht nur auf den Fehlern der anderen herumhacken und ihren eigenen Ego zur Schau stellen, sondern sich als engagierte Persönlichkeiten zu erkennen geben, die nicht allwissend, dafür aber bereit sind mögliche Fehler einzugestehen und den Mut haben auf Missstände im bestehenden System hinzuweisen und zwar auch dann, wenn sie Gefahr laufen dabei vom Machtimperium einer gewaltigen Lobby massiv angeprangert und öffentlich ins Abseits gestellt zu werden.

Auch wenn es manchmal den Anschein erweckt, dass es sich lohnt lediglich alle vier Jahre vor den anstehenden Landtags- Bundestags- oder Europawahlen politisch aktiv zu werden, sollte uns allen doch auch klar sein, dass man beim Nichtwählen auch den Erfolg rechtsextremistischer Parteien indirekt fördert. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich möglichst viele dazu durchringen könnten wählen zu gehen und von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen.

Zukunftsaussichten

Vielleicht schaffen wir es längerfristig über Volksentscheide nicht nur die Vertreter/Innen des Volkes auf Landes-, Bundes- und Europaebene zu wählen, sondern über dieses Wahlverfahren auf Basis der direkten Demokratie in viel kürzeren Zeitabständen in noch viel interessantere Entscheidungsprozesse involviert zu werden. Siehe auch die Erklärungen zu Volksentscheidungen unter http://de.wikipedia.org/wiki/Volksentscheid.

Der Wahl-O-Mat

Wer seine eigenen politischen Ansichten und Positionen einmal mit denen der anderen Parteien vergleichen möchte, dem empfehle ich den von der Bundeszentrale für politische Bildung (http://www.bpb.de) entwickelten sog. Wahl-O-Mat anzuschauen:

http://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2009/main_app.php

Es lässt sich über den Wahl-O-Mat verhältnismäßig schnell herausfinden, wo man inmitten der Parteienlandschaft aufgestellt ist. Nach der Wahl ist vor der Wahl und vor der Wahl ist nach der Wahl und unabhängig von irgendeiner Wahl und irgendwelchen Werbesprüchen ist es allemal eine sehr interessante und spannende Angelegenheit sich mit den persönlichen Ansichten im Kontext bestehender, anderer Meinungen aktiv auseinanderzusetzen.

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