Deutsche Schulen

30.10.2004 | Martin Beims

Man sollte meinen, dass nach ausschweifenden Diskussionen, ausgelöst durch eine Studie namens Pisa, die Verantwortlichen der Schulen in diesem Land auf dem Weg wären. Sie sind es wohl auch weitgehend. Nur wohin? Da liegt es wohl das Problem: Man hat sich auf den Weg gemacht und zwar mit Vollgas. Wohin aber, dass scheint nebensächlich.

Schulleiter arbeiten hektisch an neuen Konzepten, ohne ihre Ziele selbst zu kennen. Man muss ja gut dastehen im Vergleich. Der Sinn dieser Konzepte ist da vorerst nebensächlich. Er interessiert niemanden wirklich. Beeindrucken muss man, dass ist schon wichtiger. Und zwar vor allem jene, welche noch mehr Verantwortung tragen. Schließlich gilt es, dass eigene Fortkommen zu sichern, die eigene Schule - Ja, eigene Schule, so wird es wohl gerne betrachtet - in den Vordergrund zu schieben und einen möglichst großen Brocken der immer knappen Mittel weiter zu sichern.

Man richtet sich ein unter Kollegen, betreibt Marketing. Schöne Flugblätter mit den Errungenschaften der eigenen Schule werden produziert. Die Eltern sollen ja auch beeindruckt sein - und still, wenn es geht. Neue Schüler werden begrüßt, im privaten Gespräch und mit eigens erstellten Broschüren und netten Spielen. Prima, denken die Eltern, wie engagiert die doch sind an dieser Schule. Eine gute Wahl. Die sind wirklich interessiert. An uns, an unserem Kind.

Welch ein Engagement, denkt man und was für ein Aufwand! Da bleibt nicht viel Zeit für Anderes. Anderes? Da war doch noch was? Ach ja, die Schüler. Na, die müssen schon auch dazu beitragen, dass alles reibungslos funktioniert. Wer kann denn vom sowieso knapp bemessenen Kollegium bitte noch erwarten, dass auf einzelne Schüler individuell eingegangen wird? Werte vermitteln? Antworten geben auf die Fragen, die das Leben so stellt, wenn man dreizehn ist, vierzehn oder fünfzehn? Wäre ja noch schöner. "Als ob wir nicht genug um die Ohren hätten", hört man.

Mängel in der Vermittlung von Wissen und Werten werden kaschiert, auf die Schüler projiziert. Überforderte Kollegen werden gedeckt, belächelt oder einfach nicht wahrgenommen. Schüler werden demotiviert, nicht ernst genommen statt Anreize zu schaffen, zu motivieren. Es wird versucht Wissen "einzufüllen". Nach verstaubten Lehrplänen, denn schließlich muss ja der Aufwand, müssen die Kosten minimiert werden. Anreize zur Veränderung gibt es keine. Ein Wettbewerb unter den Schulen findet praktisch nicht statt. Lehrer werden keinerlei Leistungskontrollen unterzogen.

Nein, es ist natürlich nicht so, dass es immer an den Lehrern liegt, wenn ein Mangel auftritt. Nur sind diese die Verantwortlichen für die Vermittlung der Bildung, nicht die Schüler. Lehrer sind ausgebildete Pädagogen. Sie sollten es zumindest sein und da ist es nicht hinnehmbar, wenn sie sich vermehrt und immer häufiger zu beobachten auf das Niveau ihrer Schüler begeben. Da werden trotzig unliebsamen Schülern schlechte Benotungen als Erziehungsmittel angedroht, werden offen persönliche Streitereien mit Kindern (!) ausgetragen.

Aber auch die Familien sind hier in der Pflicht. Oft resignieren gebeutelte Lehrkräfte schlicht an der Unfähigkeit der Schüler, sich in eine Gesellschaft - und nichts anderes ist in kleinem Rahmen eine Schulgemeinschaft - zu bewegen. Einfachste Grundvoraussetzungen für ein erträgliches Miteinander; Werte wie Respekt, Kommunikationsfähigkeit oder ein Mindestmaß an Willen zur Integration lassen diese Kinder oft gänzlich vermissen. Hier liegen die Defizite schon außerhalb der Schulen, in den Familien. Auch hier gilt es nach den Gründen und nach Wegen der Verbesserung zu suchen.

Ein weiter Weg, ist man geneigt zu denken, liest man von allen diesen Problemen. "Stimmt!" lautet sie Antwort auf diese Frage. "Zeit zu handeln" mag man rufen. "Auf geht's!". Nur sollte es dabei nicht bleiben. Zielgerichtetes Handeln ist die Devise. Das Gebot der Stunde muss also sein, zunächst einmal die Ziele zu definieren, denen dieses Handeln dienlich sein soll. Und eines sollte nicht vergessen werden. Der Mittelpunkt dieses Handelns kann nur ein Thema sein: Die Schüler!

Auf geht's!

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