Das Trauma der Versteckten und was wir dagegen tun müssen

17.01.2007 | Siegfried Pater

In Deutschland wird die Zahl derer, die sich im Dunkeln verbergen müssen weil sie keinen Aufenthaltsstatus haben, auf eine halbe bis 1,5 Millionen geschätzt - für Bonn und Umgebung sprechen Schätzungen von 3 000 bis 4 000 Menschen ohne Papiere. Sie werden in der Öffentlichkeit oft auch als "Illegale" bezeichnet. Sie selbst sehen sich daher als "Illegalisierte", da kein Mensch illegal sein kann.

Die Gründe, warum diese Menschen ihre Heimatländer verlassen und sich in eine ungewisse Zukunft begeben, sind vielfältig: Abgelehnte Asylbewerber, Flüchtlinge, die nach Ablauf der Duldung nicht in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, Menschen aus den Ländern der so genannten Dritten Welt, die in ihren Heimatländern keine Perspektive mehr sehen.

Grundsätzlich gelten die Menschenrechte auch für sie, aber diese Rechte, wie der Anspruch auf ärztliche Behandlung oder der Anspruch auf einen Schulbesuch ihrer Kinder, lassen sich in der Praxis oft nur unter dem Risiko einer Abschiebung durchsetzen. Menschen ohne Papiere sind daher bemüht, Gefahren aus dem Weg zu gehen, um nicht aufzufallen. Dies gelingt ihnen so lange, bis sie in eine Notsituation geraten.

Wachsende Armut in der Dritten Welt wird zu größerem Andrang von Migranten führen. Die Dritten Welt kommt sozusagen zu uns. Wir werden diese Verzweifelten nicht mit Stacheldraht und Gewehren abhalten können.

Natürlich wäre eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung und eine wirksamere Entwicklungshilfe notwendig, um die Probleme bei den Ursachen anzugehen, damit die Menschen ihre Heimat gar nicht erst verlassen müssen.

Die Illegalisierten müssen endlich von der Politik wahr genommen werden. Bis heute will man sie entweder nicht sehen, da die Auseinandersetzung mit ihnen nicht imagefördernd sei, wie es viele Politiker sehen, oder sie werden nach dem Grundsatz "Ordnungsrecht vor Menschenrecht" behandelt, wie es Cornelia Bührle vom Europäischen Jesuiten-Flüchtlingsdienst ausdrückt.

Andere europäische Länder zeigen Lösungen auf. So gab es in Spanien schon mehrere große Legalisierungswellen, ebenso in Griechenland oder in den Niederlanden. Statt Abschiebehaft wären Hilfen für die Rückkehr ins Heimatland angebracht, wie es auch einige EU-Länder praktizieren.

Übrigens gilt unter den "Illegalen" Deutschland als das Land mit den schärfsten Gesetzten und der größten Hilfsbereitschaft durch die Bevölkerung.

In vielen deutschen Städten gibt es Gruppen und Netzwerke von ehrenamtlich Mitwirkenden, die eine wertvolle Arbeit leisten - zumeist im Stillen, da oft am Rande der Legalität. In Bonn zum Beispiel der Mirganet-Arbeitskreis "Menschen ohne Papiere" und die Medizinische Vermittlungsstelle für Flüchtlinge, MigrantInnen und Menschen ohne Papiere (MediNetz). Sie brauchen Unterstützung, da sie als vertrauensvolle Mittler zwischen Betroffenen und Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Behörden fungieren.

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