Bürger zur Sonne, zur Freiheit - Das Solarzeitalter beginnt

06.11.2005 | Dr. Franz Alt

Die humanste Vision für ein gutes 21. Jahrhundert heißt Solarzeitalter. Wir können es schaffen, in den nächsten 40 Jahren zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien umzusteigen. Wir brauchen kein Öl aus Arabien, kein Gas aus Sibirien, kein Uran aus Australien.

Wir haben alle Energieträger, die wir künftig brauchen, direkt vor der Haustüre: Sonne, Wind, Wasserkraft, Erdwärme und Bioenergie vom Acker und vom Wald.

Warum sollten wir rasch den Weg ins Solarzeitalter gehen?

  • Auch am heutigen Tag produzieren wir wie an jedem Tag durch das Verbrennen von Kohle, Gas und Öl weltweit 100 Millionen Tonnen Treibhausgase.
  • Jeden Tag produzieren wir wegen des Treibhauseffektes 30.000 Hektar Wüste. Wir verwüsten unseren schönen Planeten mit unserem falschen Energieverhalten.
  • Jeden Tag verlieren wir durch Erosion 86 Millionen Tonnen fruchtbaren Boden und werden zugleich täglich eine Viertelmillion Menschen mehr.
  • Jeden Tag rotten wir zur Zeit bis zu 100 Tier- und Pflanzenarten aus. Damit zerstören wir unsere eigene Lebensgrundlagen.

Aber dennoch gibt es einen Fluchtweg aus dem Treibhaus.

Nach einer Studie der Europäischen Kommission könnte der Energieverbrauch im Jahr 2050 so aussehen:

Hier wird der Weg zu einer preisgünstigen, umweltfreundlichen und für alle Zeit möglichen und friedlichen Energieversorgung aufgezeigt. Auch Ölmultis wie Shell und BP haben intern bereits ähnliche Energie-Szenarien erarbeitet.

Öl, Benzin, Kohle und Strom werden immer teurer, zerstören die Umwelt und gehen in wenigen Jahrzehnten zu Ende. Es ist intelligenter, rechtzeitig umzusteigen, als den Planeten weiter zu ruinieren. Richtig ist, dass die solare Energiewende Geld kostet, aber keine Energiewende kostet die Welt.

Die schrecklichen Folgen des Klimawandels haben die Klimaforscher seit etwa 20 Jahren vorhergesagt. Doch wir haben die Prognosen verdrängt. Aber alles, was wir verdrängen, holt uns irgendwann ein. Wir können nur ernten, was wir säen.

Inzwischen nehmen Stürme und Überschwemmungen zu, die Öl- und Benzinpreise steigen ins Grenzenlose, die Naturkatastrophen sind bald nicht mehr finanzierbar. Und die Fieberkurve des Planeten steigt weiter.

Die alten Energien sind bald nicht mehr bezahlbar, weil sie immer knapper werden und irrsinnige Folgekosten nach sich ziehen.

Aber Sonne, Wind, Wasserkraft, Erdwärme und Bioenergien stehen uns "ewig", preiswert und umweltfreundlich zur Verfügung. Sie sind die Rohstoffbasis unserer Zukunft. Und alle profitieren davon: Das Klima, die Wirtschaft, die Arbeitsplätze, Sie und ich und erst recht unsere Kinder und Enkel.

Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland, Europa und der Welt hoch, die Wirtschaft stagniert - doch erneuerbare Energien sind bereits weltweit eine Wachstumsbranche. Beispiele:

  • China hat 2004 über 18 Millionen Quadratmeter Sonnen-Kollektoren installiert.
  • Japan hat die größten Solarkonzerne der Welt und damit bereits Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen (weitgehend mit Hilfe deutscher Solartechnik).
  • Österreich gewinnt bereits 20 Prozent seiner Energie aus heimischen, nachwachsenden Rohstoffen.
  • Deutschland ist Weltmeister in der Produktion von Windrädern. Sechs Prozent des Stroms kommt 2005 bei uns bereits aus Windmühlen.
  • Kalifornien will unter seinem Gouverneur Arnold Schwarzenegger bis 2020 bereits ein Drittel seiner Energie aus Erneuerbaren Energiequellen gewinnen und die Philippinen wollen bis dahin sogar bei 40 Prozent sein.

Die solare Energiewende ist möglich und das Solarzeitalter hat bereits begonnen.

Ist das alles auch finanzierbar?

Der große ökonomische Vorteil der ökologischen Energiegewinnung ist, dass Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme keine Rechnung schicken. Der Stoff steht uns fast überall dort, wo wir ihn brauchen - also ohne weltweite Transportwege - zur Verfügung. Was wir brauchen ist Massenproduktion der neuen Energie-Technologien. Deren Preise sind seit 1995 um die Hälfte gefallen - und die Kosten der alten Energien haben sich in derselben Zeit mehr als verdoppelt. Wer heute Holzpellets statt Heizöl verbrennt, zahlt etwa die Hälfte.

Zurzeit haben die Erneuerbaren Energien zwischen 16 Prozent und 30 Prozent Zuwachs pro Jahr. Und dieser Boom ist keine Blase wie die New Economy vor einigen Jahren, denn die ganze Welt braucht immer mehr Energie - auch zur Überwindung des Hungers. Wenn jedoch die alten Energien allesamt - auch Uran zum Betreiben von Atomkraftwerken - in den nächsten Jahrzehnten zu Ende gehen, dann haben wir gar keine andere Wahl, als uns so rasch wie möglich und zu 100 Prozent auf neue und erneuerbare Energien umzustellen.

Statt Öl aus Arabien kaufen wir Strom von hiesigen Windmühlen. Schon heute exportiert Deutschland als Windweltmeister jährlich Tausende Windräder nach China und Indien, nach Indonesien und Taiwan, nach Japan und Brasilien, nach Frankreich und Osteuropa. Zwei Drittel der hier produzierten Windräder geht bereits ins Ausland - auch in die USA.

Statt Atomstrom zu kaufen, gewinnen wir künftig Strom vom eigenen Dach oder der Hauswand. Und wer kein eigenes Haus hat, kann sich an Gemeinschaftsanlagen beteiligen, wie es in Bayern schon viele Eltern auf den Schuldächern ihrer Kinder oder auf sonstigen öffentlichen Gebäuden tun. Tausende Bauern erzeugen ihre Energie bereits selbst - entweder durch Solarstromanlagen (Photovoltaik) auf ihren Scheunen und Solarwärme-Anlagen (Sonnenkollektoren) auf ihren Häusern und Biodiesel oder Windstrom auf ihren Äckern.

Weil immer mehr Menschen auf Solarenergie umsteigen, baut die junge deutsche Solarbranche ihre Produktionskapazitäten bis 2006 um 350 Prozent aus.

Die Erneuerbaren Energien sind die Wachstumsbranche Nummer eins.

Im Angesicht dieser Erfolgsstory sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank drastisch an die Adresse mancher Bedenkenträger in Politik und Medien: "Wer jetzt noch auf Erneuerbare Energien eindrischt, hat nicht alle Tassen im Schrank."

Mit einem Bruchteil des Aufwandes, der betrieben wird, um einen Menschen auf den Mars zu schicken, wird Industrieländern wie Deutschland, den USA oder Japan auch der Durchbruch zur solaren Weltwirtschaft gelingen.

Damit haben wir endlich die Voraussetzung zur Lösung der Umwelt- und Klimaprobleme geschaffen. Wer in den Industriestaaten im großen Stil die Sonne anzapft, wird rasch viele Nachahmer in der gesamten Dritten Welt finden.

Allein die Sonnenstrahlen, die am heutigen Tag die Erde erreichen, können theoretisch den Energiebedarf unseres Planeten für 180 Jahre decken. Es gibt gar kein wirkliches Energieproblem, es gibt nur falsches Energieverhalten und weltweit eine falsche Energiepolitik. Die Lösung des derzeit größten Problems auf dieser Erde steht am Himmel. Zum Glück für die Menschheit scheint die Sonne noch 4,5 Milliarden Jahre - aber das Öl ist in 40 Jahren verbraucht und noch viel früher nicht mehr bezahlbar. Autofahren mit heutigen Antriebssystemen wird bald Luxus für wenige, weil unbezahlbar, werden.

Im Wahlkampf hat freilich weder der Autokanzler Gerhard Schröder noch die Herausforderin Angela Merkel den Wählern die Wahrheit, dass Autofahren immer teurer werden wird, zumuten wollen. Beim Auto ist die Schmerzgrenze der Wahrheit für deutsche Spitzenpolitiker - Ausnahme sind die Grünen und die ÖDP - ganz schnell erreicht.

Dabei wäre es einfach und auch wahltaktisch intelligent, endlich die riesigen Vorteile der Erneuerbaren Energien - auch als Antriebsenergien in Fahrzeugen - in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen zu stellen.

Der Leiter des Instituts für Mobilitätsforschung, Walter Hell, hat zusammen mit 50 Wissenschaftlern soeben prognostiziert: "In 20 Jahren ist Autofahren Luxus für Wenige".

Wenn wir nicht endlich ernsthafter und schneller als heute auf Alternativen umsteigen, dann ist es nicht gut bestellt um die Zukunft des liebsten Kindes der Deutschen, des Autos. Je früher wir aber die Weichen für eine ökologische Verkehrs- und eine solare Energiewende stellen, desto besser wird es uns in der Zukunft gehen.

Energie-Autonomie führt nämlich nicht nur zu mehr Wohlstand, sondern auch zu Frieden und Freiheit. Energiesparen und neue Energien sind die Voraussetzung für ein neues, ökologisches Wirtschaftswunder.

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