Das Bildungsproblem

25.11.2011 | Klaus Reichl

Das dieser Tage in Österreich abgehaltene Volksbegehren hat die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass ein wichtiges Thema zum Erhalt unserer Existenz der Aufbau von Wissen ist. Im Hinblick auf eine Zukunft, die allen Menschen auf diesem Globus eine Existenz ermöglicht, meine ich, wir sollten das Thema Bildung wesentlich umfassender, aber auch grundlegender betrachten, als es zur Zeit von Behörden, Medien und interessierten Menschen getan wird.

Wir beschäftigen uns mit der Frage, ob Kinder mit unterschiedlicher Intelligenz gemeinsam ausgebildet werden sollen, warum sich sogenannte Ober- und Unterschichten nicht damit beschäftigen, ob nicht ohnehin alles wunderbar ist, da scheinbar viel zu wenige Menschen sich bei der Befragung für die geforderten Änderungen interessiert haben, etcetc.

  • Faktum ist, dass es Menschen mit unterschiedlicher Intelligenz gibt, dass Menschen unterschiedlich leistungsfähig sind, dass Menschen unterschiedliche Begabungen haben.
  • Faktum ist, dass die meisten Schulen - zumindest in Österreich - wenig bis keine Rücksicht in der Ausbildung auf die zuvor genannten Tatsachen nehmen.
  • Faktum ist, dass wir nach den hochtalentierten Personen in unseren Gesellschaften suchen, da diese mit ihrem Talent unsere Wirtschaft stärken sollen - diese erhalten dann hochbezahlte Jobs, der große Rest der Bevölkerung hat vielleicht Glück, eher aber nicht.
  • Faktum ist, dass Familien mit entsprechendem Einkommen ihren Kindern eine Ausbildung in Privatschulen mit zumeist höherer Unterrichtsqualität bieten - Studien sprechen von deren wesentlich höheren Zukunftschancen; der breiten Zahl der Bevölkerung steht ein Schulsystem zur Verfügung, das sich keine Elite-Professoren leisten kann. Für Kinder sozialer Unterschichten stellt Schule eher Bestrafung als Zukunft dar, die Schulbildung wird oft vernachlässigt, und Immigranten haben oft auch noch mit Sprachproblemen zu kämpfen.
  • Faktum ist, dass die Psyche von jungen Menschen in Schulen oft dadurch beschädigt wird, dass Kinder von anderen gemobbt werden, sie dadurch Selbstvertrauen verlieren, dass ihre Leistung durch Noten aber oft auch von Lehrern verbal und öffentlich als unzureichend dargestellt wird.
  • Faktum ist, dass wir Bildung erhalten, ohne dass junge Menschen Sinn darin sehen, sondern im bestehenden Schulsystem oft nur mit Frustration den Unterricht mitmachen.

Nach dem Blick auf die Probleme des bestehenden Bildungsansatzes (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit), ein paar Gedanken wie es sein könnte.

  • Bildung sollte auf die Möglichkeiten jedes Schülers in Bezug auf Leistungsfähigkeit und Begabung Rücksicht nehmen, die Gesellschaft jedem Menschen dann die Arbeitsmöglichkeiten bieten, die ihm entsprechen.
  • Bildung sollte pädagogisch geschulte Lehrer bieten, welche Wissen so anbietet, dass Schüler davon begeistert werden und gerne lernen.
  • Bildung sollte jungen Menschen Halt und psychische Stärke geben und den Aufbau von Selbstwert bieten.
  • Bildung sollte den Menschen auch ihre Vorzüge begreiflich machen, und wieviel wir davon in unserer Zukunft profitieren können.

Bis dahin haben wir eindeutig noch einen weiten Weg.

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