Reform Ja - Heftpflasterpolitik Nein

23.08.2005 | Anne Koark

Gehen wir davon aus, dass jeder Mensch in unserer Gesellschaft Steuerzahler ist - egal ob Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, Insolvente oder arbeitender Mensch, da wir alle Lebensmittel einkaufen und damit die Umsatzsteuer mittragen. Andere Konsumgüter werden auch von allen Vertretern unserer Gesellschaft gekauft. Damit kommen Gelder in die öffentlichen Kassen.

Es ist leicht, über Sachen zu urteilen, von denen man selber nicht betroffen ist. Arbeitslose sind schon längst nicht Menschen, die nicht arbeiten wollen. Wäre dies der Fall, würde die wahnsinnige Einführung von ICH AGs überhaupt keinen Zulauf gefunden haben. Und die Schwarzarbeit boomt geradezu - also können die Leute nicht faul sein! Vermutlich die letzte Chance am Markt angesehen zu werden und seine Selbstachtung durch Arbeit zu steigern! Deshalb finde ich eine despektierliche Diskussion der Arbeitssuchenden - egal aus welcher Gruppe nicht in Ordnung.

Wenn man die Reformen anschaut, muss man meiner Meinung nach eher über eine Begünstigung der Beschäftigungsquota als über die Arbeitslosen und Sozialhilfe diskutieren, denn Letzeres würde sich von selber lösen, wenn man die Beschäftigungsquota höher wäre. Bei der Schwarzarbeit spielen die Anzahl der wöchentlichen Arbeitsstunden und die Arbeitszeiten an sich überhaupt keine Rolle. Der, der arbeiten möchte, arbeitet zu allen möglichen Zeiten. Warum ist Schwarzarbeit interessant? Natürlich, weil man keine Steuern entrichten muss. Warum denn kommt keiner darauf, dass die Lohnnebenkosten sich erübrigen würden, wenn wir die Einkommenssteuer zusammen mit allen anderen Steuern abschaffen würden. Warum gehen wir nicht einfach dazu über, nur eine einzige Steuer für Alle einzuführen - nämlich eine Umsatzsteuer, die höher ist. Es gibt Berechnungen, wonach durch den Wegfall der Verwaltungskosten für Steuererklärungen und aufwendige Lohnsteuerberechnungen Firmen derart viel Geld sparen könnten, dass sie mehr Leute beschäftigen könnten. Durch mehr Geld in der Tasche würde auch ein Konsum angeregt, das dann Arbeitsplätze naturgegebenerweise auch kreiert. Neue Firmen hätten bei ihrer Gründung weniger Belastungen zu bewältigen und somit eine höhere Chance Eigenkapital (das dann nicht besteuert werden würde) sich anzueignen. Deutschland würde als Investitionsland für viele Firmen interessanter werden, weil sie dann Leute günstiger beschäftigen könnten. Rechnet man das Ganze durch würden die Produkte auch nicht teurer sein, weil die Firmen so viel Geld an Bürokratie sparen würden. Jeder Tourist würde Deutschland durch seine Einkäufe besser unterstützen. Und die Schwarzarbeit gäbe es bedingt durch das System über Nacht nicht mehr - wozu wenn man Brutto für Netto sein Geld so wie so bekommt?

Alleine durch Insolvenz haben wir circa 1,2 Mio Arbeitsplätze in 24 Monaten verloren. Es ist Zeit nachzudenken, wie Arbeitgeber erhalten und Arbeitsplätze für jede Firma wirklich finanzierbar gemacht werden können.

Statt dessen beschäftigen wir uns mit der Stigmatisierung von jedem Bereich, die keinem helfen, sondern jeden in einer Ecke drängen, so dass wir irgendwann einen echten Stilstand erreichen. Wollen wir das?

Wollen wir Arbeit in Deutschland, müssen wir über echte Reformen nachdenken, die keine Heftpflasterpolitik sind und das Problem an der Wurzel angehen. Ist aber ein Politiker dazu mutig genug, wirklich einen anderen Weg zu gehen, der wirklich helfen könnte? Ich hoffe ja!!!

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