Bildungspolitik

17.02.2012 | Jörn-Erich Winguth

Eigentlich bin ich ein großer Freund von Föderalismus und dem Subsidaritätsprinzip: Ich halte grundsätzlich wenig davon wenn eine Zentralregierung bestimmt, wo in der Provinz wie welche Brücke gebaut wird und den Betroffenen keine Möglichkeit gegeben wird, deren lokale Expertise mit einfließen zu lassen.

Aufgrund der im Laufe der in letzten Jahrzehnten gewonnen Lebenserfahrung hat sich diese Position aufgeweicht. Insbesondere in der Bildungspolitik. Es wird von den Menschen immer mehr Flexibilität gefordert. Die Möglichkeit, diese einzugehen wird aber nicht gefördert, um nicht zu sagen geradezu konterkariert. Auch hier wieder insbesondere in der Bildungspolitik. War es schon zu meinen Studienzeiten, also vor zwei Dekaden, während des Studiums einfacher ins Ausland zu wechseln als an eine andere deutsche Hochschule, setzt sich dieser Trend mittlerweile im Schulbereich innerhalb eines Bundeslandes fort.

Ursächlich kommen dafür unter anderem zwei Entwicklungen in Frage: Mehr Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheiten auf Ebene der einzelnen Schulen unter gleichzeitiger Ausdünnung der zentralen Verwaltungsstrukturen sowie eine demografische Entwicklung mit sinkenden Schülerzahlen. Die gut gemeinte Intention, die Schulen aus ihrer Vollkaskolethargie zu reißen und im Wettbewerb ums Überleben der Schule kreative Angebote zu entwickeln, führt, im Zusammenhang mit einer „Little Giant“-Mentalität auf der Nachfrageseite (sprich Eltern), dazu, dass einige Schulen Konzepte anbieten, wie z.B. gesellschaftpolitische Fächer in einer Fremdsprache unterrichten, während andere das wiederum nicht tun, dafür vielleicht andere Schwerpunkte setzen. Das hat zur Folge, dass ein Wechsel von einer Schule zu einer anderen Schule gleichen Typs innerhalb eines Bundeslandes erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht wird, weil die Schüler nicht die gleichen Voraussetzungen haben. An einen Schulwechsel von einem Bundesland zu einem anderen möchte ich erst gar nicht denken.

Dieses passiert, wenn mit gesundem Halbwissen die Gesellschaft ökonomisiert wird. Denn jeder Student der Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre lernt, jedenfalls zu meiner Zeit, das Prinzip der Pareto-Optimierung kennen. Einfach gesprochen: Kein Marktteilnehmer kann sich verbessern, ohne dass sich ein anderer dabei verschlechtert. Dazu bedarf es einer langfristigen Sichtweise. In Zeiten des merkelinistischen Schielens nach kurzfristigen Umfragewerten eher die Ausnahme.

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