Aufbruch zu Neuem

07.08.2004 | Daniel G. Hoffmann

Jede Zeit benötigt ihre eigenen Antworten. Dieses Zitat von Willy Brandt steht für Aufbruch und Mobilmachung. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts meinte Mobilmachen noch die Formierung zum Krieg. Das hat sich verändert. Heute meint Mobilmachung, dass sich eine Gesellschaft, und zwar die gesamte Gesellschaft mit all ihren Fassetten gemeinsam bemühen muss, um Großes zu vollbringen.

Wir kommen nur gemeinsam voran, wenn jeder aus seinem Willen und Geist, seiner Individualität und Schaffenskraft das Optimale erreicht. Ich bin der Meinung, dass wir uns selbst zu wenig damit beschäftigen. Aber auch die Firmenbosse und Manager, die mittlere Führungsebene, die Politiker und alle anderen Verantwortlichen in diesem Land begreifen diese Chance nicht bzw. nur in einem geringen Maße.

Wie kann ich Menschen begeistern sich einzubringen und eine möglichst hohe Wertschöpfung zu erreichen?

Zum Begriff Wertschöpfung zählt meines Erachtens nicht nur die Entwicklung von Produkten des Konsums, sondern auch die gesellschaftliche verlässliche Weiterentwicklung der Gesellschaft aus volkswirtschaftlicher Sicht. Diese Wertschöpfung erfolgt auch, wenn ein junger Mensch im Verein Verantwortung übernimmt und Jugendtrainer wird. Oder wenn der Dachdecker Überstunden macht. Wertschöpfung ist somit Verantwortung. Ich sehe darin eine Chance. Chancen zur Verantwortung haben wir genug. Denken Sie alleine nur an bestehende Weiterbildungsmöglichkeiten (Fernstudium, Teilzeitmodelle, 2. Bildungsweg). Es fehlt vielen Menschen nur an Mut dies auch zu vollbringen. Wir glauben nicht an uns.

Warum kann die Politik keinen Mut geben? Haben die Politiker keinen Mut? Nehmen Sie das Problem der Arbeitslosigkeit. Die Politiker müssten mit jedem 2. Satz sagen, wie wichtig ihnen die individuelle Wertschöpfung im gemeinschaftlichem Kollektiv sei. Stattdessen kommen pauschale Behauptungen, dass junge Menschen faul sind, über 50 jährige für den Arbeitsmarkt 'Abfall' sind, und dass man die Grenzen für Migranten noch weiter schließen muss.

Das Problem der Arbeitslosigkeit ist hausgemacht. Die intellektuellen und forschenden Menschen diesen Landes üben keine verantwortungsvolle Wertschöpfung aus. Wo üben diese Menschen an dem Verhalten von einigen Politikern Kritik? Wo ist deren Lobby? Ich rede nicht von Gewerkschaftlichen oder Arbeitgebervertretern. Ich rede von den Leuten, die anders denkend, weil nicht in starren Strukturen ausgerichtet, ihren Mund aufmachen. Big Brother oder Baywatch sind da wirklich keine Hilfe. Wo sind die Herren Grass, Niemöller und Hesse der heutigen Generation?

Die intellektuelle Schicht hat lange genug geschwiegen, oder nur mit sich selbst beschäftigt. Sie reden nicht mehr mit den Menschen. Ihre Aufgabe, durch eine Wertschöpfung jene gesellschaftliche Unterschicht mittragen zu können, kommen sie nur unzureichend nach. Viele Abiturienten suchen nach der Reifeprüfung ein Stück Sicherheit in ihrem Leben, und verzichten lieber aufs Studium. Viele Menschen sind mit dem Erreichten zufrieden und wollen gar keine Veränderung. Dann spricht man von Besitzstandsdenken. Es fehlt am gemeinschaftlichen Zeitgeist, um weltweit federführend an neuen Innovationen mitzuwirken.

Stattdessen herrscht in Deutschland vielerorts eine Mentalität, die auf Neid und Missgunst schließen lässt. Warum reden wir immer über das Elend der Arbeitslosen? Ich will lieber über Erfolge und Fortschritt reden. Dazu gehört Flexibilität, Erfindergeist, Antworten auf bohrende Fragen. Warum stoßen wir die Menschen, die aus sich nicht das optimale 'rausholen' als Verlierer der Gesellschaft ab?

Warum zeigen wir ihnen nicht, wie man effektiv sich am gesellschaftlichen Wertzuwachs beteiligen kann?

Warum können wir sie nicht dauerhaft beschäftigen?

Weil es zuwenig Jobs gibt. Wobei es Arbeit genug gibt! Und warum gibt es keine Jobs? Weil in vielen Branchen und Firmen keine Wertschöpfung erfolgt, die eigene Arbeitsplätze für die Mittel- und Unterschicht bietet. Stattdessen steigen die Löhne der Manager überdurchschnittlich an, während die Löhne der Angestellten und Arbeiter abnehmen. Der Verlierer ist der Staat. Der Fiskus wird dieses Jahr sehr wenig Steuern einnehmen. Profitabel für die Menschen, die auf den Staat nicht angewiesen sind. Warum beginnt hier nicht das Umdenken?

Doch woher kommt dieser Neid der Menschen? Warum begeben wir uns in diese Niederungen des menschlichen Zusammenlebens? Wäre es nicht sinnvoller im Paradiese zu stehen?

Und da bin ich wieder am Anfang: 'Jede Zeit braucht ihre Antworten'. Politik in diesem Jahrzehnt muss wieder wertschöpfender werden. Wenn sie das noch überhaupt kann.

Weiterlesen / Weiterempfehlen

← zurück | Arbeitspolitik | Daniel G. Hoffmann | weiterempfehlen →