Auf dem Weg zu einem gerechten Geldsystem

22.12.2004 | Ulrich Rosemeyer

Überall fehlt uns heute das Geld. Warum eigentlich? Der Volksmund sagt: "Über Geld spricht man nicht". Warum denn nicht? Wer profitiert eigentlich von diesem Schweigen?

Wirtschaften heißt Werte schaffen. Und die Wertschöpfung in einer Wirtschaft geschieht ausschließlich durch unsere Arbeit. Geld an sich hat keinen Wert. Es ist nur der rechtliche Anspruch auf Teilhabe an der gemeinsamen Wertschöpfung und wird durch diese gedeckt. Geld kann uns nur dann zu mehr Freiheit, Wohlstand, Glück und Frieden verhelfen, wenn wir es ausschließlich als ein öffentliches Tauschmittel einrichten. Wenn wir es zulassen, dass Geld als Privateigentum aufgefasst und zur leistungslosen Selbstvermehrung genutzt werden kann, dann zerstören wir unsere wirtschaftlichen Lebensgrundlagen. Dies hat uns die Geschichte immer wieder gelehrt. Wann lernen wir daraus?

Die Erfindung des Geldes hat uns ursprünglich mehr Freiheit gegeben. Das herrschende Geldsystem jedoch verursacht immer wieder Armut, Hunger, Massenarbeitslosigkeit und Kriege. Weil dies systematisch verschwiegen wird und "Geld" ein Tabu ist, wissen es auch zu wenige. In der ganzen Welt laufen erfolgreiche Experimente mit gerechten Geldsystemen. Auch in Deutschland gibt es bereits einige Projekte.

Was ist eigentlich Geld und wozu brauchen wir es?

Geld ist die rechtliche Vereinbarung zwischen Menschen, etwas in ihrer Gemeinschaft als Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen zu akzeptieren. Geld wird durch Leistung erworben, es sei denn, man bekommt es geschenkt. Der Erwerb von Geld ist damit nichts anderes als ein rechtlicher Anspruch auf Gegenleistung in der Gemeinschaft, in der dieses Geld akzeptiert wird. Die Erfindung des Geldes war nötig, als die Menschen seßhaft wurden und von der familiären Selbstversorgung zur produktiveren Arbeitsteilung übergingen. Wenn der eine Nahrung, der andere Kleidung und ein weiterer Möbel herstellt, braucht man ein zählbares gestückeltes Geld als Wertmaßstab, um den Tausch bequem, zügig und gerecht vollziehen zu können. Die Erfindung des Geldes hat also zunächst in der Gemeinschaft zu mehr Freiheit, Kreativität und Wohlstand geführt. Anerkanntes Tauschmittel und bequemer Wertmaßstab sind die beiden wichtigen und nützlichen Funktionen des Geldes.

Nun wurde das Geld im Laufe der Geschichte aber auch deshalb immer begehrter, weil man es über tausende von Jahren durch die Verwendung wertvollen Materials, wie etwa Gold oder Silber, so konzipierte, dass es selber einen langlebigen Wert darstellte, wo doch nur die menschliche Arbeit für die Gemeinschaft einen Wert hat und sie am Leben erhält. Geld kann bekanntlich weder arbeiten noch kann man es essen. Wirtschaften heißt Werte schaffen, und Werte werden nur durch Arbeit geschaffen. In dem Maße, wie man einem Tauschmittel, dass doch nur die Wirtschaft am Leben erhalten soll, einen höheren Wert als die Arbeit beimisst, wird der Mensch dazu verleitet, dem Besitz von Geld den Vorzug vor der Arbeit zu geben. Dieses Denken haftet auch heute noch dem Papiergeld an.

Indem das Geld zu einer wertvollen Ware wurde, entstand eine dritte, aber wirtschaftsschädigende Funktion des Geldes: Es wurde zum Wertaufbewahrungsmittel. Diese Funktion steht im krassen Widerspruch zur Tauschfunktion, da das Aufbewahren und Horten von Geld den Wirtschaftskreislauf in der Gemeinschaft unterbricht. Gegen das private Aufsparen von momentan überflüssigem Geld ist solange nichts einzuwenden, wie es einer nur verschobenen aber beabsichtigten Verwendung dient. Sammelt man es aber nur wegen eines ihm zugedachten eigenen Wertes in großen Mengen, wird der Gemeinschaft ein großer Schaden zugefügt, denn es fehlt ja nun als wichtiges Tauschmittel im realen Wirtschaftskreislauf.

Wer glaubt, Geld hätte einen höheren Wert als die Arbeit, mit der doch die Werte überhaupt erst geschaffen werden, schadet der Gemeinschaft, weil er die positiven Errungenschaften des Geldes, wie zunehmende Freiheit, Kreativität und Wohlstand, in ihr Gegenteil verkehrt. Immer wenn dieses machtversessene und selbstgenügsame Verhalten in der Geschichte ein gewisses Ausmaß überschritt, hat es sich verselbständigt und ganze Völker in Armut, Hunger, Versklavung, Verdummung und Kriege gestürzt. Die allermeisten Kriege wurden und werden heute noch dadurch ermöglicht, dass wir zu wenig über das Wesen und die Wirkung des Geldes wissen. So führte der Glaube an das Geld zu einem Religionsersatz. Geld bekam den Charakter des Ewigen, des ewig Gültigen. Es wurde zum Heiligtum. Trotz zahlreicher Wirtschaftskrisen in der Geschichte konnte dieser Glaube an die Macht des Geldes bis heute nicht hinreichend erschüttert werden. So wie das Geld vergöttlicht wurde, so galten die Krisen als gottgegeben. Das ist die geheimnisvolle Kraft des religiösen Glaubens. Eine solche Kraft kann man wohl kaum besiegen, aber man kann sich ihrer bewusst werden und sich ihr öffnen.

Die Entstehung des Zinses durch die Wertaufbewahrungs-Funktion

Geld wird ja eigentlich nur gebraucht, um es überall und jederzeit gegen Waren und Dienstleistungen eintauschen zu können. Diese räumliche und zeitliche Unabhängigkeit ist mitunter ein Aspekt der neu gewonnenen Freiheit durch das Geld. In einer Gemeinschaft ist aber nur dann ein Maximum an Freiheit erreicht, wenn alle über das höchstmögliche Maß an Freiheit verfügen. Niemand darf in seiner Freiheit eingeschränkt werden, wenn dies vermeidbar ist. Zudem sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Die Einsicht in die Freiheit und Gleichheit aller Menschen erfordert im wirtschaftlichen Handeln einen Ausgleich von persönlichem Gewinnstreben und dem Gemeinschaftswohl. Wirtschaften heißt Werte schaffen. Werte, an denen allen Menschen das gleiche Recht auf Teilhabe zusteht.

Die Wertschöpfung entsteht allein durch unsere Arbeit. Das Geld ermöglicht und regelt nur die Teilhabe an den Werten. Geld, dem wir einen höheren Wert zudenken als unsere Arbeit, wird immer dazu verleiten, sich von den gemeinsamen Idealen zu verabschieden, sich selbstsüchtig zu verhalten und Geld als Machtmittel zu missbrauchen. Ein solches Geld ist gegenüber unseren Waren und Dienstleistungen immer im Vorteil. Diese müssen möglichst schnell auf den Markt gebracht werden, da sie entweder mit der Zeit verderben, rosten, Lagerungskosten verursachen, von anderen bald günstiger angeboten werden oder aus der Mode gekommen sind. Nur wertüberlegenes Geld unterliegt nicht diesem Angebotszwang. Es verdirbt nicht, verursacht keine Lagerkosten und wird jederzeit nachgefragt. Der Geldnutzer ist im einseitigen Vorteil. Die Freiheit und die Gleichheit des Verkäufers wird unzulässig eingeschränkt. Wie löst man also das Problem?

Eine Marktwirtschaft kann nur funktionieren, wenn Geld nicht als Eigentum sondern als ein öffentlicher Nutzen angesehen wird. Der Umgang mit Geld muss allen Menschen gleichberechtigt dienen. Als Eigentum aufgefasstes Geld erlaubt es dem Geldbesitzer, den Kauf solange hinaus zu zögern, bis ihm der gewünschte Preis angeboten wird. Langfristig sinken dadurch die Löhne. Ein Geldbesitzer, der soviel Reichtum angehäuft hat, dass er einen Teil nicht mehr braucht, kann für das Ausleihen von Geld hohe Zinsen verlangen. Dieser einseitige Vorteil macht ihn nur durch Verleihen, nicht durch Arbeit, immer reicher. Das Geld für die Zinsen und Zinseszinsen hingegen muss von den Arbeitenden zusätzlich erwirschaftet werden, denn es kommt ja nicht mit dem Kredit in die Welt. Und weil immer mehr zurückgezahlt werden muss, als man bekommt, türmen sich immer mehr Schulden in der Gemeinschaft auf. Irgendwann fehlt überall das Geld infolge der Umverteilung von der Arbeit zum Besitz.

Das Anwachsen von Vermögen durch Zins und Zinseszins folgt einer exponentiellen Wachstumskurve. Das heißt, es verdoppelt sich regelmäßig. Und auf der anderen Seite entstehen gleich hohe Schulden, die irgendwann nicht mehr bezahlt werden können. 2004: In Deutschland ist allein die Staatsverschuldung auf über 1400 Milliarden Euro angewachsen. Zinsbedingt wächst der Schuldenberg zurzeit um etwa 2600 Euro pro Sekunde!! Die "Neuverschuldungen" dienen seit Jahren nur noch zur Abzahlung dieser Zinslast. Warum lassen wir es zu, dass unsere Kinder hochverschuldet in die Welt kommen? Denken Sie mal darüber nach, wenn Sie wieder lesen oder jemand hören, "die Wirtschaft müsse wachsen, wachsen, wachsen..." oder "die Arbeit sei zu teuer" oder "Wir leben über unsere Verhältnisse". Wer lebt denn hier über wessen Verhältnisse? Was ist denn wirklich zu teuer, die Arbeit oder der Schuldendienst? Und ist ein ewiges Wirtschaftswachstum wirklich die Lösung?

Wachstum, Wachstum über alles ?

Das Geld, das wir durch unsere Wertschöpfung erwirtschaften, kann immer nur einmal verteilt werden. Geld, das für den Zinsendienst aufgebracht werden muss, fehlt bei der Entlohnung der Menschen, die an der Wertschöpfung teilgenommen haben, denn es gibt nur Personalkosten (Arbeitskräfte) und Kapitalkosten (Maschinen, Material, Gebäude, Zinsen...). Umgekehrt gibt es nur Arbeitserträge (Löhne, Gehälter) und Kapitalerträge (Zinsgewinne). Da die Zinslast in der Gemeinschaft immer zusätzlich erwirtschaftet werden muss, steigt der Anspruch des Kapitals am Sozialprodukt ständig weiter an. Für die Arbeiter- und Unternehmerlöhne bleibt immer weniger übrig. Im realen Wirtschaftskreislauf fehlt immer mehr das Geld. Dies ist die wahre Ursache der hohen und weiter steigenden Verschuldung, Arbeitslosigkeit und wachsenden Armut in einem der reichsten Länder der Welt. Die Globalisierung der Finanzmärkte, die große Flucht des Geldes in die Billiglohnländer wurde durch die zinseszinsbedingte Anhäufung riesiger Geldvermögen überhaupt erst möglich.

Diese Tatsachen werden von unsreren so genannten Volksvertretern und auch von den Wirtschaftsfachleuten systematisch verschwiegen. Sie ignorieren sie einfach oder erklären sie für nicht existent. Viel lieber tun sie so, als könne uns nur ein ewiges Wirtschaftswachstum erlösen. Da haben wir wieder diesen Ewigkeitsglauben. Jetzt wird uns die Anbetung eines wundersamen Wirtschaftswachstums eingeimpft. Dabei ist ein solches Wachstum keine Lösung, sondern selbst ein Problem! Ständiges Wirtschaftswachstum würde ja bedeuten, immer mehr zu produzieren und zu konsumieren, wo doch der Markt heute schon längst übersättigt ist. Und mit dem Export haben wir als entsprechender Weltmeister anscheinend auch keine Probleme. Zu einem echten Problem dagegen wird die daraus folgende Umweltzerstörung und die unsinnige Ressourcenverschwendung auf Kosten unserer Kinder und Enkel. Unendliches Wachstum stößt auf einer endlichen Erde auf eine natürliche Grenze, die von unseren Politikern und Ökonomen beharrlich ignoriert wird.

Das Wirtschaftswunder der 1950er und 1960er Jahre hat ja nur deswegen funktioniert, weil die zinseszinsbedingte, exponentiell steigende Vermögenswachstumskurve damals noch unterhalb der ansteigenden Produktivitätskurve entlang schlich. Weil immer noch genügend Geld investiert werden konnte und die Nachfrage sehr groß war, fielen die ansteigenden Zinslasten nur wenigen Menschen auf. Es gab immer einige Menschen, die davor gewarnt haben, so weiter zu machen. Aber sie wurden entweder belächelt oder denunziert. Den Preis für diese Ignoranz und für diesen Aberglauben an die heiligen Kräfte eines wertvollen Geldes und an ein wundersames Wirtschaftswachstum bezahlen wir jetzt schon. Statt "Wohlstand für alle" gibt es nur Reichtum für wenige. Statt zunehmender Lebensqualität wächst die Lebensangst. Statt Bildung immer mehr Verdummung. Statt mehr Arbeitsplätze immer mehr Arbeitslose, und statt "blühender Landschaften" immer mehr Naturzerstörung.

Durch den Zins und Zinseszins wurde in Deutschland eine lautlose Umverteilungsmaschine von unten nach oben in Gang gebracht, die im Laufe der letzten 50 Jahren das gemeinsam erwirtschaftete Volksvermögen immer mehr in die Hände von Wenigen geschaufelt hat. Mit Neid hat das alles nichts zu tun, vielmehr mit staatlich geduldetem Betrug. Das Thema "Geld" darf nicht länger ein Tabu bleiben. Wir brauchen kein quantitatives Wirtschaftswachstum, sondern ein qualitatives Wissenswachstum!

Wissenswachstum statt Wirtschaftswachstum !

Nochmal: Geld ist die rechtliche Vereinbarung zwischen Menschen, etwas in ihrer Gemeinschaft als Tauschmittel für ihre Waren und Dienstleistungen zu akzeptieren. Der Erwerb von Geld ist ein rechtlicher Anspruch auf eine Gegenleistung in der Gemeinschaft, in der dieses Geld akzeptiert wird. In einem gerechten Geldsystem wird also die Gemeinschaft darauf achten, dass Geld nicht einseitig als Ware oder Eigentum betrachtet werden kann. Unser herrschendes Geldsystem hat aber einen Konstruktionsfehler: Geld wird weniger zum öffentlichen Tausch, sondern viel mehr zur privaten Selbstvermehrung eingesetzt. Denn es kann gegen Zinsen ausgeliehen werden, weil ein Geldverleiher das Recht hat, das Geld so lange zurück zu halten, bis die hieraus resultierende Knappheit den Zinssatz in eine Höhe getrieben hat, die es dem Verleiher profitabel erscheinen lässt, das Geld wieder in den Wirtschaftskreislauf einfließen zu lassen. Wer die Wirtschaft schädigt, wird auch noch dafür belohnt! Wo gibt es das sonst im Rechtsleben?

Ein Unternehmer kann nun das Geld nur in ein Geschäft investieren, das den Aufwand für die Zinsen mindestens kompensiert. Sonst rentiert es sich nicht und er geht irgendwann pleite. Dadurch wird sein wirtschaftliches Denken und Verhalten auf Kurzfristigkeit und unbedachte Verschwendung von Ressourcen ausgerichtet. Dieser zinsbedingte Rentabilitätsdruck führt zum oft beklagten massiven Abwandern des Geldkapitals in die billigsten Produktionsländer. Hierzulande will man uns weismachen, deswegen immer sparsamer und anpruchsloser sein zu müssen. Wir sollen uns doch bitte den neuen ökonomischen "Sachzwängen" anpassen. Überall herrscht das reine Effizienzdenken. Und trotzdem fehlt immer mehr das Geld. Denkt denn da keiner nach?

Geld kann nur dann seine Tauschmittelfunktion optimal erfüllen, wenn es unter dem selben Angebotszwang wie Waren und Dienstleistungen steht. Der einseitige Vorteil des Geldes, der marktwidrige und wirtschaftsschädigende Zinsen verursacht, muss neutralisiert werden. Dies erreicht man durch eine Nutzungsgebühr auf das hortbare Bar- und Giralgeld, die wieder an die Gemeinschaft zurückgeführt wird. Langfristige Spareinlagen blieben davon unberührt. Diese sind ja sinnvoll, weil sie das Volumen für die laufenden Investitionen erst ermöglichen. Spar- und Investitionsvolumen müssen im Gleichgewicht gehalten werden. Aber das Geld zur täglichen Räumung des Marktes würde in geregeltem Tempo stetig umlaufen, um die Gebühr zu minimieren. Die Gebühr fließt als "öffentliche Spende" in den Haushalt, womit sich sogar Steuern einsparen lassen, weil sie allen zugute kommt. Es gäbe auch keine gefährliche Inflation oder Deflation mehr, weil sich für den Umlauf am Markt eine optimale Geldmenge einpendelt.

Dies wurde in der Geschichte schon oft erfolgreich praktiziert. Man hat ein stabiles Geldsystem mit einer stabilen Kaufkraft. Dann wäre auch der Staubsauger Marke Zinseszins abgeschaltet, der unser Geld immer mehr von der Arbeit zum leistungslosen Besitz umleitet und damit die heißen wertlosen Spekulationsblasen erzeugt. In einer solchen Marktwirtschaft wäre die notwendige Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit erfüllt. Geld könnte nicht mehr mit Geld sondern nur noch mit Arbeit verdient werden, durch den Verkauf von Waren und Dienstleistungen, an denen andere Menschen interessiert sind und für die sie den Preis zu zahlen bereit sind, der sich aus dem natürlichen Kräftespiel von Angebot und Nachfrage ergibt. Erst auf dieser Basis eines störungsfreien Geldumlaufes lässt sich vernünftig und nachhaltig wirtschaften, weil nicht mehr das destruktive Prinzip des exponentiellen Wachstums, sondern das konstruktive Prinzip des dynamischen Gleichgewichts gilt. Die weltweit gewachsenen und auch in Deutschland zunehmenden regionalen Zweitwährungen weisen dazu den richtigen Weg.

Sinn und Potenzial von Regionalwährungen

Regionalwährungen zirkulieren in den Regionen parallel zum Euro. Solange sie noch nicht staatlich "von oben" installiert sind, arbeiten sie "von unten" auf der Basis von Gutscheinsystemen. Eine Abwanderung des Zweit-Geldes in entfernte Regionen wird durch die dortige Nichtakzeptanz unmöglich oder durch hohe Umtauschgebühren unattraktiv. Sie vermitteln somit zuerst regionale Waren und Leistungen. Jeder, der Regionalgeld annimmt und es zum Einkauf nutzt, fördert die Wertschöpfungskette in seiner Region.

Regionale Wirtschaftskreisläufe verkürzen die Transportwege, sind preiswerter, umweltverträglicher und fördern die Unabhängigkeit vom Mineralöl und machen Investitionen in die Entwicklung alternativer Treibstoffe rentabel. Jeder Produzent wird bemüht sein, auch seine Lieferanten mit diesem Geld zu bezahlen, wodurch auch diese in erster Linie regionale Lieferanten nutzen. Regionales Geld fördert also regionale Produkte und regionale Wirtschaftskreisläufe, was zugleich allen Bürgern zugute kommt: Bestehende Arbeitsplätze werden gesichert, neue können entstehen. Mehr Umsatz bei regionalen Steuerzahlern erhöhen die Einnahmen im kommunalen Haushalt, der Planungsspielraum wird vergrößert.

Auf dieser Basis einer größeren wirtschaftlichen Autonomie, die Regionen mit Hilfe eines solchen Geldes erreichen können, wären auch politische Reformen denkbar. So ist aufgrund der fortschreitenden Entmündigung der Bürger die Einführung einer Direkten Demokratie auf allen Ebenen längst überfällig. Regionales Geld ist somit nicht nur ein wirtschaftliches sondern auch ein politisches Gestaltungsmittel. Da der Euro heute über den pervertierten globalisierten Finanzmarkt immer mehr aus den Regionen in Richtung Billiglohnländer abwandert und so die hiesigen Probleme wie Massenarbeitslosigkeit und Armut fördert und verschärft, empfiehlt es sich als Selbstschutz für die Menschen, zukunftsfähige Alternativen zu installieren. Komplementäre Regionalwährungen sind ein solcher Schutz, praktikabel und nachhaltig.

(Dieser Text zitiert stellenweise aus HUMONDE.)

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