Alles bleibt anders

31.08.2004 | Norbert Rost

Politik war in der Neuzeit immer in erster Linie der Streit darüber, wie die Wirtschaft zu führen sei. Die 'großen' politischen Systeme, genannt 'Sozialismus' und 'Kapitalismus', unterscheiden sich in erster Linie in ihren ökonomischen Grundsätzen, nach denen sie 'betrieben' werden.

Auch heute hat die Politik nichts besseres zu tun, als die Wirtschaft auf Linie zu bringen. Für viel mehr hat der gemeine Politiker heute keine Zeit. Was würde von dieser Art der Politik übrigbleiben, wenn die Wirtschaft ihre heutigen Probleme namens 'Wirtschaftskrise', 'Massenarbeitslosigkeit' und 'permanente Geldknappheit' verlieren würde?

Die Politik von morgen wird auf dem Spielplatz namens 'Wirtschaft' bestimmt. Bleibt die Menschheit auf dem Weg, den die Globalisierungstendenzen des Kapitalismus vorgeben, so wird die Politik von morgen wohl eher von totalitären Regimes dominiert sein, die versuchen müssen, die verarmenden Massen in Schach zu halten. Auch die Idee des Sozialismus war zumindest in den vergangenen Experimenten immer von totalitären Elementen beherrscht. Was in beiden Systemen zu kurz kommt, ist schlicht der Mensch.

Vielleicht wird die Politik von morgen aber auch durch eine Fortsetzung der 'Aufklärung' bestimmt, in deren Schlepptau die wirtschaftlichen Zusammenhänge erkannt werden. Die Politik von morgen wird dann in erster Linie durch die Menschen in den Regionen geprägt, nicht von monströsen Bürokratien, an deren Spitze überforderte 'Experten' stehen. Der Schlüssel zu dieser Entwicklung können regionale Währungen sein. Eine Währung, die nur in einer bestimmten Region genutzt wird, kann nicht wirklich aus dieser wegfließen. Heute fließt der Euro oder der Dollar um den ganzen Globus und die Menschen wundern sich, warum ihnen das Geld ausgeht und sie ihren Sozialstaat abbaün sollen. Regionale Währungen bieten den Menschen in den Regionen deshalb die Chance auf größere wirtschaftliche Autarkie, auf eine Abkopplung von der zerstörerischen Globalisierung, auf einen Machttransfer weg von der 'großen' hin zu der 'kleinen' Politik: Einer Politik von den Menschen für die Menschen.

Die Politik von morgen wird demnach nicht von für den Einzelnen unbeeinflussbaren, riesigen Apparaten wie Parteien bestimmt, sondern sie wird vom Individuum selbst mitbestimmt sein. Die Konzepte der Direkten Demokratie bieten hier die Grundlagen: Bei wichtigen Fragen wird das Volk selbst abstimmen, in welche Richtung die Politik sich zu bewegen hat. Die Abhängigkeit des Einzelnen vom lobbytomierten Willen redegewandter Parteifunktionäre und nur bedingt gewählten Volksvertretern wird ersetzt durch öffentliche Debatten. Bereits heute zeigt das Internet mit der entstehenden Blogger-Gemeinde (in welcher jeder Teilnehmer seine Meinung und seine Sicht auf die Welt übers Internet verbreitet), welche Möglichkeiten dem 3. Jahrtausend der dominierenden Zeitrechnung angemessen sind. Diese Internet-Seite namens Politik-Poker.de, auf der verschiedene Menschen ihre Idee einer 'Politik von morgen' darlegen können, ist ein Schritt in diese Richtung.

Die Politik von morgen wird dann geprägt sein von Wissen und nicht von parteipolitischem Kalkül. Sie wird geprägt sein von Ideen und nicht von Kohl'schen Ehrenwörtern. Sie wird ein Werkzeug für alle Menschen werden und nicht nur für eine Handvoll karrieregeiler Hierarchisten und ihre Hintermänner. Die Politik von morgen wird eher einen Hauch anarchistischer Kunst haben als wie heute gepflastert zu sein mit nichtssagenden Parolen und Gute-Laune-Verbreitern. Die Politik von morgen ist das, was schon immer die Politik von morgen war: Ein weiterer Schritt in Richtung der Freiheit der Menschen.

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