2008 - Was war und was wird

30.12.2008 | Christine Ax

Trügerische Ruhe in den Wohnzimmern, die Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger von morgen kaufen ein. Wer weiß, wie lange sie es noch dürfen. Diejenigen, die das Malheur angerichtet haben, erklären, dass es sich um ein unabwendbares Geschick gehandelt habe und greifen noch tiefer in das Schatzkästlein.

Die Welt hofft auf den Stern von Chicago, der uns allen in diesem Jahr als Zeichen der Hoffnung gesandt wurde. Obama muss alles richten.

Satire, das ist, wenn wir den Tönen des Autoradios lauschend darüber lachen, dass "wir so lange in die Wärme geflogen sind, bis es auch bei uns warm genug war". Was werden die Nachgeborenen über uns denken? Was denken die Mütter, Väter und Kinder auf den Neupapuea, die von den Folgen betroffen sind: von real existierenden Riesenwellen. Menschen, die keine Häuser und kein Trinkwasser mehr haben.

Das Eis, auf dem wir tanzen, wird immer dünner. In den Orchesterpausen lauscht das Publikum verträumt auf das Grollen und Knirschen unter unseren Füßen. Alles wird gut? Ein Wintermärchen.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Die Konzernlenker unter den anderen Sternen, die noch im letzten Jahr von fetteren Autos träumten, setzen auf das Elektroauto. Mit der einen Hand nehmen sie die Glückwünsche für dieses Umdenken entgegen, während sie die andere Hand aufhalten, damit die Menschen, die sie um ihre Zukunft betrogen haben, die Fehler bezahlen, die sie gemacht haben.

Und noch nie war der alte Spruch so wahr wie heute: Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten! Die Arbeiterklasse wurde von ihr zur Unterschicht und „bildungsarmen Schicht“ umgedeutet, mit der niemand etwas zu tun haben möchte. Sie schon gar nicht.

Diese gut bezahlten Sozial-Bürokraten und Funktionäre, Beamten und Angestellten sitzen satt und vermeintlich gut abgesichert in ihren Mittelstandshäusern und lassen Alarmanlagen einbauen, damit der Frieden nicht gestört wird. Während vor allem die Familienunternehmer und Entrepreneurs schlecht schlafen, denn sie wissen nicht, wie sie ihren langjährigen Mitarbeitern, die sie persönlich gut kennen, erklären sollen, dass nun auch für sie bald Schicht im Schacht ist. Noch lauscht die Welt ungläubig staunend den Bänkern, die uns im Fernsehen immer noch die Krise und die Welt erklären dürfen anstatt sie zu verantworten.

Wie lange noch? Die Zeiten, in denen die Welt über die Almosen geredet hat, die von den Tischen der Superreichen an die Ärmsten verteilt wurden, sind vorbei. Es geht ab sofort nicht mehr um Almosen. Es geht um Gerechtigkeit. Die Eliten haben versagt.

Die Milliarden, die jetzt für die Banken und die Automobilindustrie benötigt werden, werden bezahlt werden. 2009 wird ein politisches Jahr.

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