2006 wird besser!

31.12.2005 | Dr. Joachim Betz

Eigentlich gäbe es ja genügend Gründe, am Ende dieses ereignisreichen Jahrs 2005 mit sorgenvoll umwölktem Blick in die Zukunft zu schauen: Die deutsche Wirtschaft ist ein weiteres Mal – wenn überhaupt – nur schwach gewachsen. Der Arbeitsplatzabbau ist in vielen Branchen ungebremst weitergegangen. Betroffen davon sind immer auch Führungskräfte.

Nach langem Hängen und Würgen hat Deutschland seit Mitte November eine neue Regierung. Union und SPD sind mit einer Art heiterer Resignation in die Arbeit gestartet und haben für ihren Koalitionsvertrag viel Prügel bezogen, zum Teil sicher zu Recht, teilweise aber auch unverdient.

Warum dann trotzdem meine Zuversicht, dass 2006 ein gutes Jahr wird?

Diese stützt sich zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf die Fußballweltmeisterschaft, die Deutschland zum zweiten Mal nach 1974 ausrichten darf.

Wir haben damals, wie schon bei den Olympischen Spielen 1972, die Welt zu deren eigener Überraschung davon überzeugt, dass die Deutschen auch richtig gut feiern und Spaß haben können. Es gibt keinen Grund dafür, dass wir das 2006 nicht wieder schaffen sollten.

Wenn uns der Wettergott keinen allzu dicken Strich durch die Rechnung macht, werden wir von Anfang Juni bis Anfang Juli eine richtig große Party in Deutschland feiern. Darauf dürfen wir uns jetzt schon freuen, davon können wir danach noch eine ganze Weile zehren.

Und wir sollten vor allem uns selbst zeigen, dass zwischen Flensburg und Oberammergau die Stimmung auch mal besser sein kann als die Lage. Wozu eine Stimmung führt, die permanent (noch) schlechter als die Lage ist, haben wir in den zurückliegenden Jahren erlebt: Jedenfalls nicht dazu, dass die Lage besser wird.

Die WM wird für eine Sonderkonjunktur sorgen, wahrscheinlich wird auch der private Konsum wieder deutlich anziehen. Ich kann aber die Berufspessimisten schon wieder hören: "Das bringt doch alles nichts, weil zum Jahresanfang 2007 die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht werden wird. Die Leute sind immer noch unsicher über ihre Zukunft und werden dann wieder mit dem Angstsparen beginnen. Der Staat ist ja sowieso pleite!"

Manche "Experten" sind wirklich Meister im Entwerfen von Horrorszenarien. Ein Bevölkerungsforscher hat sich neulich zur der Behauptung verstiegen, die Auswirkungen einer alternden Bevölkerung würden "schlimmer als der Dreißigjährige Krieg".

Ein wenig erinnert mich dieser Professor an eine Figur, die in keinem Katastrophenfilm der 70er- und 80er-Jahre fehlen durfte: Der völlig hysterische Mitreisende, der, sobald Flugzeug/Schiff/Zug in Schwierigkeiten geraten, nur noch rumrennt und schreit "Wir werden alle sterben!" und seine Mitreisenden so lange wahnsinnig macht, bis sie ihn ruhigstellen.

An die Adresse dieser Fachleute und der Politik: Wenn ihr nur entmutigt und Angst macht, dann braucht ihr euch nicht zu wundern, wenn die Menschen mutlos und ängstlich werden.

An die Adresse der Bürger: Es gibt keinen Grund, in Angststarre zu verfallen. Deutschland ist immer noch ein tolles Land mit allen Zukunftschancen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen ruhigen Jahreswechsel und ein klasse Jahr 2006 ... hoffentlich mit Deutschland als Fußballweltmeister.

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