geb. 1952, wuchs in Süddeutschland auf und studierte in München Naturwissenschaften und Philosophie, 1968-77 ausgedehnte Reisen in Europa und Südasien, seit 1985 Verleger, Inhaber und Herausgeber von 'connection', 'connection Special' (1987), 'connection books' (2003) und 'connection Spirit' (2005), Seminarleiter Kreativ Schreiben und Schreibcoach im Einzeltraining oder bei Schreibblockaden.
Langfristig gesehen sind wir alle tot, sagte John Maynard Keynes 1923, vermutlich als Antwort auf die dubiose Prognose eines Wirtschaftsweisen. Das wurde seitdem zum viel zitierten geflügelten Wort, immer dann, wenn es darum ging, allzu spekulative, weitreichende Zukunftsprognosen zurück auf den Teppich zu holen. Genau genommen aber heißt es sowas wie »nach mir die Sintflut«: Ist mir doch egal, was nach meinen Tod passiert; jetzt treibe ich Raubbau an der Erde und ihren Ressourcen, in 20 oder 50 Jahren bin ich tot.
Die Jungen lösen die Alten ab, so ist das überall, auch in der Politik. Und auch dort kann man von den Alten lernen – manches, aber nicht alles. Einiges muss von den Jüngeren völlig neu durchdacht werden. Helmut Schmidt gehört zu den »Ältesten« (the elders) der deutschen Politik. Er wird gehört und gelobt für seine weise Vorausschau. Doch auch hier braucht es eine Ablöse.
Mit allem Respekt für die Weitsicht des Alten, der nun jenseits von Parteipolitik und fast schon jenseits des Nationalen über die Zukunft der Menschheitsprobleme nachdenkt, antwortet hier ein Jüngerer und findet, dass ein Kernthema fehlt – die Identität.
Wenn es denn einen Konsens gibt unter den Religionen und religiösen Bewegungen, dann ist es wohl der, die Erkenntnis der Einheit in der Vielfalt, des Ich (oder Selbst) und des Ganzen zu erlangen. Auf dem Weg zu diesem hohen Ziel gibt es jedoch keine Einheit unter den Einheitsuchern, sondern Unterschiede, Missverständnisse und Streit. Denn der Kontinent, den diese Sucher aufgebrochen sind zu erforschen, ist noch immer der große Unbekannte.
»Ich hab wieder was gelernt«, sagt man nach einer schmerzlichen Erfahrung. So wie politisch Bewegte einst sagten, sie seien »progressiv«: Man wähnte sich zugehend auf etwas, das besser ist als das hier, jetzt. Heute ist man »spirituell unterwegs«. Gut so, aber wohin denn? Sind wir Menschen nicht schon gut – oder wenigstens akzeptabel –, so, wie wir sind? Bildung und Erziehung sind die klassischen Worte für das Streben des Menschen sich zu bessern.
Vom Kinderreim über den gesellschaftlichen Tratsch bis zur Erwartung eines himmlischen Paradieses oder dem Entwurf einer politischen Vision ist unsere Kultur auf Geschichten aufgebaut. Wie wahr – oder sonstwie gehaltvoll – aber sind diese Erzählungen im einzelnen? Und wie viel Raum lassen sie, Neues zu erschaffen?
Es gibt heute circa 27 Millionen Sklaven, in absoluten Zahlen mehr als je in der Geschichte der Menschheit, sagt der US-amerikanische Journalist Benjamin Skinner, der vermutlich beste Kenner dieses Themas und der einzige, der je so lange darüber forschte: fünf Jahre lang. Im Interview aber sagte er etwas, das mich stutzig machte: Noch schlimmer als selbst die brutalste physische und psychische Sklaverei sei "die Zerstörung der Identität".
Ist diese Gesellschaft reformierbar? Ist sie wenigstens offen? Nicht wirklich. Es flutscht da zwar so einiges raus und rein – Ideen, Personen, vor allem Waren – was in geschlossenen Gesellschaften (Iran, Saudi Arabien, Nordkorea) nicht möglich wäre. Aber bei alledem bleibt diese Gesellschaft doch ungerührt. Sie bewegt sich nicht.
Vor ein paar Tagen las ich auf der Seite "Wissen" der SZ, dass Meditation gut ist. Wie schön, das zu lesen! "Meditation gegen Stress – Entspannung kann die Gehirnleistung verbessern" steht da in der Überschrift. Das reduziert Meditation zwar auf ein Mittel zur Leistungsverbesserung, aber immerhin wird diese Jahrtausende alte Praxis hier als etwas Nützliches dargestellt und nicht als eine Verirrung von Spinnern und Sektenmitgliedern.
Vorgestern kam die Montagsausgabe der SZ, aber ohne die New York Times Beilage. Ich war enttäuscht, denn das beste fehlte. Das beste? Erstens ist diese Beilage auf Englisch, zweitens hat sie nicht viel mit unserer Region zu tun (Oberbayern, Deutschland, Europa); sie enthält sogar eine Seite die sich nur mit der Stadt New York beschäftigt.
Heute erreichte mich die Nachricht, dass Radovan Karadzic gefasst ist und nun offenbar sehr schnell an das UN-Kriegsverbrecher-Gericht in den Haag ausgeliefert werden soll. Gut so. Auch, dass gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al Baschir Klage erhoben werden soll, wegen des Völkermords in Darfur. Aber da könnten wir gleich noch weitermachen.
Neulich las ich in der New York Times, die als die beste Zeitung der Welt gilt (zu Recht, meine ich), einen Bericht über NATO-Truppen in Afghanistan. Die Militärs rückten in eine Gegend vor, die sie von Taliban frei machen sollten: "(to) clear it of Taliban insurgents".
Kurt Tucholsky, warum hast du zu Hitler nichts gesagt? Warum hast du geschwiegen? Wie konnte es soweit kommen, dass der schärfste und witzigste Satiriker der Weimarer Republik, dieser großartige, linksintellektuelle Publizist und Pazifist seine Berliner Schnauze hielt, als Hitler an die Macht kam und ganz Deutschland faszinierte?
Grad hab ich im ZDF das Dokudrama "Die Hölle von Verdun" gesehen. Dachte, es geht 45 min lang, und es ist ein Dokumentarfilm. Es ging dann aber über 90 min und stellte sich als Dokudrama mit sehr starken Spielfilmanteilen heraus. Emotional zu hoch dosiert, fand ich diesen Film; eventuell angemessen für abgebrühte TV-Zuschauer, mir aber hätte auch eine weniger drastische Anwendung der szenischen Mittel gereicht. Der Film hat mich aufgewühlt und wird mich noch tagelang beschäftigen. Ein paar Gedanken hierzu.
"Du weißt ja wie das ist mit den Bestsellern", sagte er zu mir. "Du kennst das Geschäft ja auch". – "Ja, ich weiß", antwortete ich. Nur ein Bestseller trägt einen Verlag, der ganze Rest der Titel wird mitgezogen. Wer nicht wenigstens einen Bestseller produziert, kann einstecken.
Immer häufiger lese und höre ich über Politiker sie seien Populisten". In Lateinameria soll es zur Zeit viele von dieser Sorte geben, aber auch bei uns in Europa und überall auf der Welt. Das Wort klingt ein bisschen abschätzig, nach "Volksverführer". Es kommt mir vor wie die moderne, etwas mildere Variante des anklagenden "Demagoge", das man früher gerne gebrauchte, um politische Gegner zu diffamieren, deren Charisma man sich unterlegen fühlte.
Wenn wir über die Globalisierung jammern, vergessen wir gerne, dass sie im Kolonialismus wurzelt. Jahrzehnte lang ist in Deutschland Jahr für Jahr der Lebensstandard pro Kopf angestiegen. Nun stagniert er und nahm letztes Jahr sogar um circa 1% ab. Aua, das tut weh!
Immanuel Kant definierte die Aufklärung des 18. Jhd. als »Aufbruch des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit« (so habe ich den Wortlaut in Erinnerung). Dieser Aufbruch aber sparte einen wichtigen Bereich aus: die Religion. Bis heute glauben die meisten Menschen, ihr religiöses Dasein hätten sie höheren Mächten zu verdanken (bzw. die Schuld dafür dort zu suchen). Als religiöse Wesen sind wir unmündig geblieben bis heute.