Gedanken zu unserem gegenwärtigen System: Einem schnell fahrenden Fahrzeug, das auf eine Mauer zurast, wobei der Zeitpunkt des Beginns einer wirksamen Vollbremsung bereits erheblich überschritten ist. Und warum Schluss das Ende des einen - aber der Anfang von etwas anderem ist.
13.05.2006 | Staatspolitik
Von Michael Bergmann
"Die Herrschaft der Dummen ist unüberwindlich, weil es so viele sind, und ihre Stimmen zählen genau wie unsere", ergibt sich bei näherer Betrachtung, dass diese Aussage heute immernoch gilt, dass sie alle Aus-Bildungskreise, alle Funktionsträger, kurz, die gesamte moderne Menschheit umfasst.
"Dumme" im Sinne von unwissend, nichts-denkend, einfältig, sind aber nun vielfach unbelehrbar. Man kann sie informieren, man kann Beweise führen, man kann Konsequenzen aufzeigen - es hilft nichts - sie bleiben dumm.
Die wahrscheinliche Möglichkeit, dieses Verhalten zu ändern, wäre meiner Meinung nach ein Zwang, ausgeübt durch die Umstände, die auf die Dummen infolge ihrer "Dummheit" einwirken.
Nicht zu verwechseln mit den Dummen sind die Ignoranten, die wider besseres Wissen handeln, die "nicht wissen wollen", weil dann Konsequenzen zu ziehen wären.
Nun haben Paul R. Ray und Sherry Ruth Anderson, USA, das Buch geschrieben:" The Cultural Creatives", in dem sie den Nachweis führen, dass seit einigen Jahrzehnten das Bewusstsein von ca. 5% "Weiterdenkenden" (Cultural Creatives) in 1960 sich verbreitet hat auf ca. 25% in 1999. Letztere Zahl wird von vielen Menschen so ungefähr genannt, wenn man sie fragt, wieviel "Vernünftige" es wohl heute geben mag.
Was steht dafür oder dagegen, dass sich dieser positive Trend fortsetzt? Und in welcher Geschwindigkeit?
Hier muss ich zunächst die Entwicklung des technischen Zeitalters anführen, die dazu geführt hat, dass der Glaube in ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum infolge des Glaubens daran, dass alles machbar ist - und eine unbeschreibliche Ignoranz (also dem "Nicht Wissen Wollen") der Verantwortlichen bezogen auf die Ausbeutung der Natur und der Arbeitskraft fremder Völker und der damit verbundenen Folgen heute immer noch grassiert.
Das ergibt logischerweise falsche Pläne, falsche Handlungsweisen, falsche Einflussnahme auf die Betroffenen, die das Rad am Drehen halten sollen und deren Kinder und Kindeskinder.
Es werden von und aus der Erde zur Aufrechterhaltung des Wachstums Materialien entnommen, die dann an anderen Orten in konzentrierter Form zu technischen Gerätschaften oder Energie synthetisiert werden.
Der auftretende Abfall nach Ablauf des jeweiligen Lebenszyklus wird "entsorgt"; verbrauchte Energien ergeben Wärme und Veränderungen der atmosphärischen Zusammensetzung. Es wird mit Berechtigungen zur Verschmutzung gehandelt.
Der Staat mit der grössten Ausbeutung der Natur hinsichtlich Material und Energie, der Staat mit dem höchsten Anspruch auf Überwachung der Werte als "Weltpolizei", die USA, hat noch nicht einmal das Kyoto-Protokoll unterschrieben und weigert sich, seine Soldaten ebenfalls internationalem Recht zu unterwerfen.
Dieser Staat, in der Führungsrolle eines über die Welt verbreiteten Wirtschaftssystems, gefällt sich darin, festzulegen, was seine Interessen sind und den Rest der Welt diesen zu unterwerfen.
Ein Wirtschaftssystem, welches - über Kredite finanziert - dafür gesorgt hat, dass:
Auf diesem Sand bauen die Lebensversicherungen auf, die eine Alterssicherung darstellen sollen, weil es diese vom Staat nicht mehr gibt.
In dem Buch "Entwicklungsprojekt Ökonomie" von Thomas Koudela ist die Nachkriegsphase bis heute anschaulich in folgende sieben Stadien gegliedert (S 224-231):
Jedem, der jetzt noch Zweifel hegt über den Grat, auf dem wir wirtschaftlich wandeln, sei die Lektüre des Buches von Koudela dringendst angeraten.
Nicht zuletzt wurde beispielsweise als Unwort des Jahres 2004 das Wort "Humankapital" gewählt. Man bedenke: diese Wort bezeichnet Menschen!
Alles wird kapitalisiert, nach pekuniären Gesichtspunkten gewertet und bei Nichterfüllung von Ausbeutungsmöglichkeiten verworfen.
Da die Erwachsenen ihren "kapitalistischen Mann" stehen müssen, fängt das ganze Unglück bereits bei der Erziehung der Kinder in der Schule an.
Petra Gerster und ihr Mann Christian Nürnberger haben hierzu ein lesenswertes Buch geschrieben: "Stark für das Leben".
Ich zitiere:
Was sich Kindern im Lauf ihres Lebens als Wertesystem einprägt, ist überwiegend eine Wirkung unseres bewussten und unbewussten Umgangs mit ihnen ... Die Unterschiede zwischen gut und böse, schön und hässlich, wichtig und unwichtig vermitteln sich durch die Unterschiede, die in der ... Gesellschaft gemacht werden. Werte vermitteln sich, indem man den anderen durch sein Reden und Tun zeigt, was einem wichtig ist, wobei Tun wichtiger ist, als das Reden ... Für das Gute einzutreten ist billig ... Wenn man die Werte, die man verkündet, nicht auch gegen sich selbst und seine Interessen anwendet, dann vermittelt sich dem Kind, dass es offenbar von Vorteil ist, sich selbst nicht beim Wort zu nehmen."
Was da über zwischenmenschliche Beziehungen und Partnerschaften ausgebreitet wird, und in welcher Art und Weise junge, teilweise noch in Entwicklung (jedenfalls aber in der geistigen) befindliche Menschen zu übelster Entstellung ihres Körpers und ihrer Seele animiert werden, spottet jeder Beschreibung.
Dabei hätten die Medien es in der Hand eine wertvolle Erziehung des gesamten Volkes vorzunehmen.
Sie ist gekennzeichnet durch wachsende Geschwindigkeiten und ungeheure Möglichkeiten der Zusammenfassung von Informationen, die zunehmend breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich werden.
Die Geschwindigkeiten beziehen sich einerseits auf Strecken, Verkehr, Luftraum; andererseits auf Austausch von Daten fast beliebigen Umfangs zwischen beliebigen Punkten auf der Erde.
Daher ist man offensichtlich auch allgemein der Meinung, dass es Sinn macht, wenn man Produkte beliebiger Art zwischen A und B und X,Y,Z transportiert.
Die Grenze wird gesetzt durch die Oberfläche der Erde (und anderen Begleiterscheinungen).
Warum, so fragt man sich, soll man in Spanien irische, holländische, deutsche Butter kaufen, wo doch dort selbst welche hergestellt wird?
Warum kauft Italien aus Spanien Olivenöl und gibt es dann als eigenes Produkt auf dem Weltmarkt aus?
Warum muss man in Deutschland englisches Bier trinken?
Warum streiten USA und Tschechien um den Namen "Budweiser"?
Meine Meinung ist: Transporte müssen das einbringen, was sie kosten, unter Einbeziehung aller Folgekosten.
Bezüglich unserer Rolle als Informationsgesellschaft ist einerseits festzuhalten, dass mittlerweile das von Bill Gates in seinem Buch "Digitales Business" propagierte "neuronale Netz" über die Welt teilweise schon gezogen und in Funktion ist, einhergehend mit einem globalen Bewusstsein.
Hierzu ist bei Frank Schirrmacher (Das Methusalem-Komplott) nachzulesen: "Jeder Einzelne von uns wird in den nächsten Jahrzehnten parallel zu seinem Älterwerden stärker und untrennbarer mit dem digitalen Nervensystem der Welt verbunden werden. Und ... wir werden selbst eine Datenmenge werden."
Die andere Seite dieser Informationsgesellschaft ist es, dass eine zunehmende Zahl unserer Mitmenschen aufgrund allein schon ihres Alters ausgeschlossen wird.
Das Buch von Schirrmacher zeigt nicht nur hierfür den Beweis für die Aussage.
Wenn auch die Menschen, die daran heute noch nicht glauben wollen, weil sie schon ein bestimmtes Alter haben, älter werden, als sie denken und diese Menge wächst, welche andere Aussage wäre dann gerechtfertigt?
Das Altersproblem liegt auch noch woanders: wovon sollen die Alten leben bei Abnahme der Zahl Nachwachsender? (sagen Sie nicht: von der Rente!!)
Was folgt daraus? Welche Ungeheuerlichkeiten sind zu erwarten?
Unsere weitere Rolle als "mündige Bürger" existiert nur in der Vorstellung. Diese ist indoktriniert von Politikern, die sich selbst bedienen und entrüstet jeden Orientierungshinweis auf Moral von sich weisen.
Diese Politiker sind Kinder ihrer (unserer) Zeit und längst von der Wirtschaftslobby vereinnahmt und gelenkt. Einzelheiten hierzu kann man sich unter Hinweis auf aktuelle Nachrichten sparen, Qualifikation, Lobby, Nebentätigkeit, Selbstbedienung, Kontrollorgan wären hier die Stichworte. Ich verweise besonders auf das Buch von Johannes Heinrichs "Revolution der Demokratie".
An dieser Stelle ist ein Blick auf ein abschliessendes Szenario angebracht:
Nach meiner Meinung ist unser gegenwärtiges System vergleichbar mit einem schnell fahrenden Fahrzeug, das auf eine Mauer zurast, wobei der Zeitpunkt des Beginns einer wirksamen Vollbremsung bereits erheblich überschritten ist.
Was, liebe Freunde, wird wohl passieren, wenn dies alles der Masse der Bevölkerung bewusst wird?
Ist es die Lösung, zu warten, bis eine Revolution um sich greift?
Oder sollte man aktiv mit friedlichen Mitteln die Änderungen durch Wandlung des allgemeinen Bewusstseins vorbereiten und forcieren?
Wir sehen, dass die Probleme prinzipiell erkannt und uns allen nicht neu sind, auch, wenn hier nicht alle in epischer Breite angeführt sein können.
Wir sehen ebenfalls, dass sich eine grosse Anzahl von Weiterdenkenden Gedanken darum macht, sich aber nur teilweise in verschiedensten Gruppierungen engagiert.
Was ist zu tun?
Diese Abhandlung wurde "Schluss" genannt. Schluss, wie: schliessen, wie: daraus schliessen.
Ich meine, inzwischen ist so viel Theorie entwickelt worden, dass man unverzüglich daran gehen sollte, die gezogenen Schlüsse in die Praxis zu transferieren. Das bedarf zunächst noch einiger Arbeit der Zusammenfassung und Übersicht.
Nun, liebe Freunde!
"Schluss" ist das Ende des Einen - aber der Anfang von etwas Anderem.
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