Der Diplom-Politologe studierte am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin bei Ernst Fraenkel und Kurt Sontheimer politische Wissenschaften. Nach der Organisation zweier Wahlkämpfe in Hamburg und der Arbeit als Assistent des Bankenpräsidenten Alwin Münchmeyer ging er 1972 zum Handelsblatt. Der Redaktion der deutschen Wirtschafts- und Finanzzeitung gehörte er 34 Jahre an, davon mehr als 12 Jahre als Mitglied der Chefredaktion. Heute arbeitet er als freier Autor und Publizist. In "Der Pinocchio-Test" sagt er der Lüge und dem Opportunismus in der Politik den Kampf an.
Angesichts der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrise, die möglicherweise von der deutschen Bevölkerung hohe Solidaritätsopfer verlangen wird, sehen viele Bürger in einer großen Koalition eine stabilere belastbarere Regierung als in kleineren Bündnissen. Die dahinsiechende FDP muss zudem erst zeigen, dass sie sich regenerieren kann und nicht als Mehrheitsbeschaffer für die Union ausfällt.
Tellerwäscher bleibt Tellerwäscher. So lässt sich das von vielen Medien in Talkshows gezeichnete Bild einer blockierten Gesellschaft ohne Aufstiegschancen aus den Schichten mit geringem Einkommen zusammenfassen. Zwei Drittel der unteren Sozialschichten, auch 50 Prozent der Mittelschicht sind überzeugt, dass sozialer Aufstieg in Deutschland vor allem den Bevölkerungskreisen offen steht, die in der Schichthierarchie bereits relativ weit oben angesiedelt sind.
Anders als in zurückliegenden Konjunkturzyklen verringert sich in diesem Aufschwung nach einem Anstieg auf 940 000 im Jahr 2010 auch die registrierte Zahl der Langzeitarbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet damit, dass es 2011 noch einmal 50 000 weniger Langzeitarbeitslose werden könnten. Im Januar 2011 waren 908 000, 43 000 weniger als vor einem Jahr, langzeitarbeitslos, d.h. ein Jahr oder länger ohne Arbeit.
Wenn man genug Erfahrung gesammelt hat, ist man zu alt, um sie auszunutzen, hat der englische Schriftsteller William Somerset Maugham gesagt. Für die Arbeitswelt des Jahres 2020 wird dies nicht gelten. Die Zahl der 55- bis 64- Jährigen wird in den nächsten zehn Jahren um rund 40 Prozent zunehmen. Ein stetig wachsender Fachkräftemangel wird die ergrauende deutsche Gesellschaft kennzeichnen.
Die Koalition aus Union und FDP will sich der demographischen Herausforderung stellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Dimension dieser Herausforderung und ihre politische Handlungsmaxime in ihrer Regierungserklärung vom 10. November 2009 so beschrieben.
Als Gerhard Schröder in seiner Regierungserklärung nach der knapp gewonnenen Wahl Ende Oktober 2002 allzu vage blieb, ermahnte ihn die damalige Oppositionsführerin Angela Merkel erzürnt „Die Wahrheit ist konkret, Genosse!“. Das Leninzitat könnte die Kanzlerin wie ein Bumerang treffen, wenn sie in wenigen Wochen das Regierungsprogramm der schwarz-gelben Koalition vorstellen wird.
Die meisten Politiker sind ausdrücklich „vielversprechende“ Politiker. Sie wecken wie Helmut Kohl und Gerd Schröder die Hoffnung, die Arbeitslosigkeit in Millionenhöhe senken oder wie Frank-Walter Steinmeier, Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen zu können. Das Geschäft mit den Illusionen blüht vor allem in Wahlkampfzeiten.
„Bonn ist nicht Weimar“ und „Berlin wird nicht Weimar“: So lautet die in den sechzig Jahren seit Inkrafttreten des Grundgesetzes gefestigte Überzeugung. Doch ist die zweite deutsche Demokratie wirklich mehr als eine Schönwetterdemokratie, ist sie stabil genug, das Orkantief der Weltwirtschaftsrezession der Jahre 2009 und 2010 mit einer Schrumpfung der gesamtwirtschaftlichen Leistung um bis sechs Prozent unbeschadet zu überstehen ?
Zwei Drittel aller Deutschen unterstützen nach Umfragen das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung, aber mehr als die Hälfte glaubt, es werde im Kampf gegen die Rezession nicht viel ausrichten. Die Skepsis über die Wirksamkeit des Pakets liegt nicht nur am Kleinreden der Maßnahmen durch die Opposition, die es ein Schuldenpaket nennt, an der Kritik von Wissenschaftlern und Experten, dem überwiegend negativen Echo in den Medien sondern an einem Kommunikationsdesaster der Regierung.