Wenn Sie von März bis Oktober Ihr Girokonto nicht um wenigstens 900 Euro aufstocken und Ihr Jahreseinkommen nicht um wenigstens 10.000 Euro steigern konnten, gehören Sie zu den Verlierern in dieser Gesellschaft.
12.03.2006 | Finanzpolitik
Die Medien und vor allem die Politiker von FDP, CDU/CSU, SPD und DIE GRÜNEN verschließen die Augen vor der wachsenden Ungleichverteilung von Geld und Einkommen in Deutschland. Besserung ist nicht in Sicht! Hier die Fakten:
In Deutschland gibt es 2005 rund 82,5 Mio. Menschen (Quelle) bei rund 39.122.000 Privathaushalten (Quelle).
Zugleich gibt es in Deutschland so viel Geld (gemeint sind nur Euro) wie nie zuvor. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht Mai 2005, S. 13, gab es in Deutschland im März 2005 insgesamt 684,1 Mrd. Euro in Form von Bargeld und von Guthaben auf Girokonten (sog. Geldmenge M1).
Wenn wir nun einfach mal das vorhandene Geld rechnerisch durch die Zahl der Bevölkerung oder der Haushalte teilen, bekommen wir einen besseren Eindruck von Menge dieses Geldes:
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M1 März 2005 |
684,1 Mrd. Euro |
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pro Einwohner (/ 82.532.000 Einwohner) |
8.289 Euro |
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pro Haushalt (/ 39.122.000 Haushalte) |
17.469 Euro |
Nun werden Sie mich vielleicht für dumm halten und einwenden, dass es ja auch Staat, Gemeinden, eine Unzahl von Unternehmen (allesamt juristische Personen) gibt, die ich hier nicht einfach unterschlagen könne. Klar gibt es diese juristischen Personen. Aber die gehören ja letztlich irgendwelchen natürlichen Personen, so dass auch das Geld der juristischen Personen letztlich der jeweiligen natürlichen Person gehört - das gilt selbst in Bezug auf Staat und Gemeinden. Bei letzteren ist auch zu bedenken, dass die sich angesichts ihrer erdrückenden Verschuldung ohnehin keine nennenswerten Geldbestände leisten.
Was kann uns (so wir wollen) diese Rechnung noch sagen?
Im Durchschnitt wechselt Geld in einem Jahr rund 9-mal den Besitzer, meint jedenfalls die Theorie (z. B. Jörn Altmann, Volkswirtschaftslehre, 3. Auflage, S. 64). Man spricht dabei von der Umschlagshäufigkeit oder der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Dadurch wird aus einer bestimmten Geldmenge das Jahreseinkommen der gesamten Bevölkerung. Je mehr Geld es in einer Volkswirtschaft gibt und / oder je schneller das Geld seine Besitzer wechselt, desto höher ist das Volkseinkommen.
Die Umschlagshäufigkeit kann niemand genau messen. Die Volkswirte versuchen, sie aus den Statistiken des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der Geldmenge zu ermitteln. Da das Statistische Bundesamt das BIP für 2003 mit 2.129,2 Mrd. Euro angibt (Quelle) und M1 2003 bei rund 600 Mrd. Euro lag (Deutschen Bundesbank, aaO), betrüge die Umschlagshäufigkeit lediglich etwa 3,5. Dieser niedrige Wert korrespondiert mit der bekannt schwachen Binnenkonjunktur.
Dabei ist klar, dass nicht alle Euro gleich schnell oder gleich langsam in Umlauf sind:
Machen wir es mal nicht unnötig kompliziert und tun so, als wäre das Geld halbwegs so schön verteilt wie oben. Dann könnten wir locker eine Umschlagshäufigkeit von 12 und höher erreichen. Das Volkseinkommen wäre dann 12 x M1 und pro Person bzw. Haushalt gäbe es beachtliche Bruttojahreseinkommen:
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M1 März 2005 |
684,1 Mrd. Euro |
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x Umschlagshäufigkeit 12 |
8.209,2 Mrd. Euro |
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pro Einwohner (/ 82.532.000 Einwohner) |
99.467 Euro |
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pro Haushalt (/ 39.122.000 Haushalte) |
209.954 Euro |
Jetzt vergleichen Sie noch mal mit Ihrem Einkommen! Vergleichen Sie dazu auch mal "Die Stundenlöhne der 100 reichsten Deutschen"!
Merken Sie auch, dass da in Deutschland etwas schief läuft?! Unsere Konjunktur würde nur so brummen, wenn das Geld und damit die Einkommen einigermaßen gerechter verteilt wären!
Ludwig Erhards Traum:
"... So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, daß ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand da der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.
Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzungen dafür schaffen, daß dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen "arm" und "reich" überwunden werden konnten. Ich habe keinerlei Anlaß, weder die materielle noch die sittliche Grundlage meiner Bemühungen mittlerweile zu verleugnen. Sie bestimmt heute wie damals mein Denken und Handeln." (Wohlstand für alle, 1957, S. 7)
Wenn wir schon bei einem Rückblick sind, ist auch einmal die Untersuchung der Geldverteilung nach der Währungsreform im Juni 1948 sehr interessant. Ludwig Erhard hatte hieran bekanntlich mitgewirkt.
Einzelheiten zur Währungsreform finden Sie in der Dokumentationen der Deutschen Bundesbank (z.B. PDF-Dokument). In diesem Monatsbericht, S. 21 oben, heißt es, dass nach der Währungsreform die Geldmenge im Sinne von M3 bei etwa 13 Mrd. DM lag. Bekanntlich erhielt damals jeder ein "Kopfgeld" von 40 DM und dann noch mal 20 DM. Die Bevölkerungszahl betrug etwa 51 Mio. Menschen.
Heute liegt M3 bei rund 1.548 Mrd. Euro. Wenn es 1948 für jeden ein "Kopfgeld" von 40 DM 20 DM = 60 DM gab, so war das so, als hätte heute jeder ein "Kopfgeld" von 4.237 Euro.
Die Rechnung:
51 Mio. Menschen x 1.548 Mrd. Euro
60 DM x ------------------------------------------------------ = 4.237 Euro
13 Mrd. DM x 86 Mio. Menschen
Ein Millionenheer von "abgebrannten" Menschen, die heute nicht mal 50 Euro in der Tasche haben, würde einen Konsumrausch wie nach der Währungsreform auslösen, würde man jedem so viel Geld geben.
Von März bis Oktober 2005 ist die Geldmenge M1 (im Wesentlichen Guthaben auf Girokonten) enorm gewachsen:
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März 2005 |
684,1 Mrd. Euro (Monatsbericht Mai 2005, S. 13) |
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Oktober 2005 |
718,8 Mrd. Euro (Monatsbericht Dez. 2005, S. 13) |
Daraus ergeben sich durchschnittlich:
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M1 März 2005 |
684,1 Mrd. Euro |
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pro Einwohner (/ 82.532.000 Einwohner) |
8.289 Euro |
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pro Haushalt (/ 39.122.000 Haushalte) |
17.469 Euro |
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M1 Oktober 2005 |
718,8 Mrd. Euro |
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pro Einwohner (/ 82.501.000 Einwohner) |
8.712 Euro |
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pro Haushalt (/ 39.122.000 Haushalte) |
18.373 Euro |
Das ist ein Zuwachs von März bis Oktober von über 900 Euro pro Haushalt!
Das theoretische Haushalts-Jahreseinkommen ist in derselben Zeit um über 10.000 Euro gestiegen:
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M1 März 2005 |
684,1 Mrd. Euro |
|
x Umschlagshäufigkeit 12 |
8.209,2 Mrd. Euro |
|
pro Einwohner (/ 82.532.000 Einwohner) |
99.467 Euro |
|
pro Haushalt (/ 39.122.000 Haushalte) |
209.954 Euro |
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M1 Oktober 2005 |
718,8 Mrd. Euro |
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x Umschlagshäufigkeit 12 |
8.625,6 Mrd. Euro |
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pro Einwohner (/ 82.532.000 Einwohner) |
104.512 Euro |
|
pro Haushalt (/ 39.122.000 Haushalte) |
220.480 Euro |
Wenn Sie also von März bis Oktober Ihr Girokonto nicht um wenigstens 900 Euro aufstocken und Ihr Jahreseinkommen nicht um wenigstens 10.000 Euro steigern konnten, gehören Sie zu den Verlierern in dieser Gesellschaft!
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